Passung

Mit meinem Liebsten führe ich seit Monaten, also seit wir uns kennen, Gespräche über die evolutionsbiologischen Hintergründe unserer sexuellen Motive. Darüber, warum wir so gerne diesen, jenen oder eben viel Sex haben, mit wem, wo und wozu. Warum dies jeweils biologisch verankert sein könnte, um in unserem Alltag (der anderen Motiven folgt als jenem vor 1000 oder 10000 Jahren) Erklärungen für unsere eigenen Vorlieben zu finden.

Passung war und ist dabei ein wesentlicher Begriff für mich. Kompatibilität von Genen. Von Genen, die Stärke, Überlebenskraft, Intelligenz transportieren. Darum darf er als der kompatibelste auch immer der letzte in einer Runde sein, damit – wenn auch nur symbolisch – sein Sperma das letzte ist, das in mir bleibt, weil er mit seinem Eichelrand das andere, weniger passende Sperma, ausräumt.

Da haben wir doch glatt gestern im Club jemanden kennen gelernt, der unsere Gedankensammlung bereichert hat. Ein Schnittchen vor dem Herrn: Muskulös, ohne aufgepumpt zu sein, Sixpack, Knackarsch, mit einem Fleischpenis, den ich beim besten Willen nicht ganz verschlucken konnte. Er war quasi zur richtigen Zeit am richtigen Ort, als ich gerade in Fahrt war. Und hinterher stellte er sich quasi als Berufskollege von mir heraus. Erzählte auf Nachfrage, dass er gerne mit dem Vorurteil kokettiere, dass Menschen mit einem Aussehen wie dem seinen nicht intellektuell sein könnten. Jedenfalls war er der überraschendste One-Night-Stand, an den ich mich erinnern kann, und meines Wissens auch der erste Berufskollege, dem ich einen geblasen habe. Leckerchen eben.

Weil er neue Impulse in unsere Theorien einbrachte, haben wir (mein Liebster und ich) auch heute wieder darüber sinniert. Passung? Mit welcher Konsequenz? Wenn unsere Kompatibilität in sexueller, emotionaler, geistiger und sozialer Hinsicht zum Schluss führen müsse, dass wir also dazu bestimmt seien, Nachkommen zu zeugen, dann wäre wiederum unsere Passung ad absurdum geführt. Denn: Wir wollen / ich kann keine Nachkommen mehr zeugen, wir wollen keine Familie mit allem Drumherum gründen, wollen unsere Freiheiten, Bedürfnisse und unsere Individualität keinen anderen Bedingungen unterordnen als denen, die gerade bestehen.

Ergo: Wenn unsere Passung dennoch einem (biologischen/sozialen) Zweck dient, dann eben dem, dass wir unser Wissen, unsere Werte und Einstellungen weitergeben. Und zack: hat dieser Blog endlich seine Bestimmung gefunden. Kein Selbstzweck mehr, hurra. 😀

Nun denn.

Was bringt mich hierher?

Die späte Uhrzeit, das Sinnieren Stunden zuvor und die Worte mehrerer Männer in meinen Ohren „Schreib das auf!“

Was daraus wird, weiß ich noch nicht. Vielleicht nur ein Tagebuch, das ich vor 20 Jahren unterbrochen habe, vielleicht aber auch kurzweilige Erzählungen einer Frau in den 40ern, die sich einen Dreck darum schert, was „normal“ ist, was „man“ macht und andere gerne an ihren Erfahrungen teilhaben lässt. Damit die anderen schmunzeln, sich ermutigt fühlen, sich selbst und ihr Denken reflektieren oder was auch immer sie damit tun wollen.

Die Inhalte dürfen nicht pornografisch sein, habe ich gelesen (warum haben sie die Nutzungsbedingungen nicht in deutsch, hm?). Ich denke, darüber muss ich jetzt mal schlafen 😉