Wehe, wenn sie losgelassen

Auf den Mond reagiere ich nicht. Ich weiß das, weil selbst mein Zyklus sich einen Dreck um 28 Tage schert. Wenn ich schlafe, dann wie ein Stein, egal ob der Mond voll oder leer ist. Aber wenn er voll ist, finde ich ihn irgendwie schick. Das ist alles.

Auf Wind scheine ich allerdings zu reagieren. Gestern bin ich ziemlich früh aufgestanden, hatte einen dichten Arbeitstag, habe zuhause viel erledigt, dann eine halbe Staffel Eli Stone geguckt. Mit anderen Worten: als ich ins Bett ging, war ich wirklich müde. Normalerweise funktioniere ich wie eine Puppe – hinlegen, und die Augen gehen zu, fünf Minuten später schlafe ich. Gestern hingegen ging es erst richtig los in meinem Kopf, als die Augen geschlossen waren. Nichts Wichtiges, aber auch der Umstand, dass ich seit langer Zeit wieder etwas geschrieben hatte (nachdem ich einen technischen Defekt behoben hatte), trug zur Bewegung bei. Und der Wind, der draußen an der Straße die Deckel der grauen und gelben Tonnen öffnete und ein paar Müllsäcke auf der Straße und den Gehwegen verteilte, sauste durch meinen Kopf. So chaotisch, wie es auf der Straße aussah, fühlte es sich auch in meinem Kopf an.

Chaotisch sei ich gewesen, rückmeldete eine Ausbilderin am Ende einer zweijährigen Weiterbildung vor etwa 13 Jahren. Damals kränkte mich das etwas, weil ich eben gerne positive Dinge über mich höre und das Attribut „chaotisch“ nicht in mein Selbstbild passte. Dennoch wusste ich, was sie meint. Denn wenn ich berichtete, was in den vergangenen zwei Wochen geschehen war, dann war ich nicht knapp, brachte Dinge auf den Punkt oder holte Luft. Auch jetzt noch erlebe ich immer wieder, dass ich Sätze beginne, beim Reden einen weiteren Gedanken habe, glaube ausholen zu müssen, damit mein Zuhörer mich versteht, einen weiteren Relativsatz einbaue und am Ende nicht mehr weiß, wie der Satz begann. Es gibt so Vieles gleichzeitig, was ich sagen möchte. Mein Gehirn ist wie das von allen: ein Netzwerk. Gedanken sind miteinander verbunden, miteinander assoziiert eben, und wenn ich abends im Dunkeln denke, dann assoziiere ich umso leichter. Dann gehen die Gedanken nicht linear von links nach rechts oder von oben nach unten, sondern kreuz und quer von Bahnhof auf Bratkartoffeln. Gestern Abend wollte ich alles gleichzeitig denken, mitteilen, in Worte fassen, verstehen.

Heute ist die Straße wieder aufgeräumt und die Tonnen sind geleert. Du kannst sehen, dass ich Sätze von links nach rechts schreibe, statt ein Mindmap zu veröffentlichen. Ich nahm gestern Nacht die Herausforderung an, Dinge hintereinander zu bearbeiten und aufzuschreiben, statt es gleichzeitig tun zu wollen. Mich zu strukturieren. Luft zu holen beim Denken. Dieser Herausforderung möchte ich folgen und lasse mich überraschen, wie sich das entwickelt.

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