Wegen die Sicherheit

Meine Wohnung hat seit eben neue Rauchmelder. Das hat nur 5 Monate gedauert, nachdem mir das erste Mal ein Termin vorgeschlagen wurde. Was aber im Vorfeld an Missverständnissen und Nicht-Kommunikation stattfand, würde hier nur langweilen.

Immer wenn fremde Menschen in meine Wohnung kommen, laufe ich mit besonders offenen Augen durch. Es ist nicht so, dass ich darauf achten würde, dass es besonders sauber ist oder ich dringend verbotene Gegenstände entsorgen müsste. Aber ich möchte fremde Menschen nicht irritieren mit dem, was bei mir so rumliegt. Als meine Nachbarin mal zu einer Wohnungsbesichtigung hier war und im Bad noch der Maiskolbendildo stand (weil der nicht einfach nach dem Abwaschen wieder einsatzbereit ist, sondern mit der Zahnbürste zusätzlich gereinigt wird), entfuhr mir ein fröhliches Ups! Ihre Antwort „Den hab ich auch!“ ließ daher gar keine Peinlichkeit aufkommen. Wenn aber ein Handwerker erscheint, will ich ihm weder blöde Sprüche durch sein Hirn geschweige denn über die Lippen kommen lassen.

Also alle Dildos, Großpackungen Kondome, Halterlose, Augenmasken im Schlafzimmer in die dafür vorgesehen Schubladen. Im Wohnzimmer den Rechner herunterfahren, den Epilierer, die offen liegenden Telefonverzeichnisse, noch einen Dildo, die Wäscheklammern und die Vorabdrucke gewisser Fotos wegräumen. Die Menge an Heels, Stiefeln und die Federboa aus dem Flur mal wieder wegsortieren.

Und dann kam sie – die geballte Kompetenz! „Ball“ trifft es auch rein optisch, was da mit der Leiter scheppernd die Treppe herauf stampfte. Als er in meinem Flur stand, klärte ich ihn auf, dass er bei seinem Anruf vor 15 Minuten auch einfach hätte fragen können, ob ich nicht eine Leiter, eine Bohrmaschine und einen Akkuschrauber hätte. Denn natürlich habe ich, ich bin eine alleinstehende Frau! Das hätte ihn auch eine erhebliche Menge Sauerstoff gespart, die er nach dem Aufstieg erstmal aus meinem Flur wegatmen musste. In diesem Zustand hätte er wahrscheinlich nichts von dem Kram, den ich gerade aufgeräumt hatte, bemerkt.

Wie gut, dass ich nicht einfach in die Küche verschwand, sonst hätte ich womöglich nicht gesehen, dass er neben dem vorhandenen Rauchmelder zwei Löcher für den neuen bohrte! Dass ich erwartet hätte, dass die alten ausgetauscht werden würden, merkte ich an. Er dürfe aber nicht einfach fremdes Eigentum abnehmen, antwortete er. Er war so nett, 2 Minuten inne zu halten, bis ich bei meinem Vermieter telefonisch das Einverständnis einholte, das fremde Eigentum abzunehmen. „Können Sie wegschmeißen, dafür haben wir sowieso keine Verwendung mehr“ hörte ich am Telefon. Nun habe ich also nur 2 alte Bohrlöcher zu füllen statt 6.

Im Wohnzimmer stand er erst murmelnd unter dem mittig im Raum angebrachten Melder. Ob er denn die Stelle einfach beibehalten dürfe, murmelte er. Wieso? „Weil die den ganzen Raum erfassen müssen. Wegen die Sicherheit.“ Ob der das denn  – mittig – nicht täte, oder ob er stattdessen die ganze Decke wie bei einem Sternenhimmel damit ausstatten müsse? „Das liegt leider nicht in meinem Aufgabengebiet.“ Mist. Hatte ich ihn also doch irritiert. Wider Erwarten nicht mit Gegenständen, sondern mit Ironie.

Das Schlafzimmer war als letztes dran. Ich nahm wieder den alten Melder entgegen und legte ihn auf eine Kommode. Wo noch die Bücher „Vögelfrei“ und „Tagebuch einer Nymphomanin“ lagen. Meister stieg also schließlich von seiner Leiter und erklärte mir mit Blick auf die alten Melder, die alten Batterien dürfe ich aber nicht einfach in den Müll werfen. Wandte den Blick nicht ab. Starrte noch auf die Bücher. Stand da einfach und sah mein Grinsen nicht. In diesem Moment sah  er nicht mehr einfach nur wie ein Ball aus, sondern wie ein Monchichi. Rundlich, abstehende schwarze Haare, große Knopfaugen. Und in meiner Vorstellung steckte er den Daumen in den Mund. Wollte sich leicht stotternd verabschieden, reichte mir seine Karte mit den Worten „Falls Sie mal Fragen an mich haben oder so.“

Fragen wie: Willst du dich aufs Bett legen, den Daumen in den Mund stecken und wegen deiner geballten Kompetenz den Arsch versohlt bekommen?

Das liegt leider nicht in meinem Aufgabengebiet.

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