Anonym

tomandifrankpaulchristiansaschatobiaspavelkaihannespepejensahmedtimralf holgerandysvenstefandanielrobertandrémichadirk. Und vielleicht ein paar Namen, die ich verdrängt habe. Nicht in dieser Reihenfolge, in einigen Fällen mehrfach. Aber immer im Pornokino.

Und seit Samstag auch Olli. Ok, so anonym war es dann nicht… Mir war durch all die Geilheit, die sich seit dem Chatten aufgestaut hatte, nach jemandem, den ich nicht kenne. Ohne vorher viel zu schreiben, Gemeinsamkeiten zu checken, kein intellektueller Austausch. Nur casual Sex.

Also war ich seit Langem mal wieder im Pornokino. Das erste Mal alleine, ohne Verabredung und ohne Not, weil der eigene Internetanschluss noch nicht gelegt ist. Trotz der Geilheit aber mit den üblichen Regeln und Vorlieben im Blick, was körperliche Attraktivität, Alter, Ausstrahlung angeht.

Der Mann, der neben mir am Internetterminal saß, schied schon aus. Find‘ ich auch seltsam, dass jemand in einem Kino, in dem in geschätzten 20 verschiedenen Räumen 20 verschiedene Filme laufen, im Internet Pornostreifchen schaut. Aber jeder, wie er mag.

Der junge Mann auf dem Sofa daddelte mit seinem Handy rum. Entweder tat er beschäftigt/uninteressiert, um nicht zu suchend auszuschauen, oder er wartete auf eine Verabredung, die nicht mehr kam. Oder sie war schon weg, und er blieb einfach. Kennt man ja.

Der Mann auf einem anderen Sofa war schmierig und zu alt. Schaute immer herüber, starrte fast. Unangenehm, den würd‘ ich nichtmal gegen Geld ranlassen.

Ein paar schlichen so hin und her, blieben mal an dem Glaskasten mit den Dates stehen („biete mich zur Benutzung an, williger Sklave… Tel….“). Unbrauchbar.

Olli trat an mich heran: „Darf ich dich ansprechen?“ (Tust du doch schon.) Nein, ich möchte nicht klagen. Groß, jung, sehr freundlich und höflich – was man hier äußerst selten erlebt! – ergo ein Treffer. Dass Männer mit 24 heutzutage Vollbärte tragen („ich sähe sonst aus wie 17“) ist zwar aus meiner Sicht eine Mode, die bald vorüber gehen darf, aber das Gesamtpaket war attraktiv, gepflegt und passend.

Das Paket, das ich dann auspackte, war ebenso attraktiv und passend, und seinen Lautäußerungen durfte ich entnehmen, dass es ihm mit dem von ihm ausgepackten Paket ebenso erging. Wir hatten eine Stunde, bis der Laden dicht machte. Und wir nutzten sie, bis das Licht anging. Zu dem Zeitpunkt waren beide Kondome verknotet und die Liegefläche wieder trocken gewischt.

Das mach ich mal wieder! Vielleicht mit Olli, mit dem ich Nummern ausgetauscht habe (wenn er mal wieder auf Montage in der Gegend ist), vielleicht lasse ich mich aber auch überraschen, wer dort beim nächsten Mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Das Schicksal liest meinen Blog

… und es kommentiert sogar.

Nachdem, was gestern geschehen ist, war der heutige Mittag eine irre Geschichte. Jener Chat war nicht aufrufbar, darum ging ich in einen anderen. Der eigentlich nichts taugt, aber während andere Menschen den Fernseher anmachen, schaue ich mir lieber virtuelle Gemeinschaften an und senfe dort.

Dort traf ich Yannick. Er erzielte gleich mit seiner ersten Nachricht einen Volltreffer. Nicht nur durch das Fehlen von „was machst Schönes/hi wie gehts/willst du mir beim spritzen zusehen“, sondern wirklich inhaltlich. Er war 17, fast 18. Und während wir schrieben, überprüfte ich parallel, ob ich nur deshalb so empfänglich für ihn war, weil mir gestern das Bübchen begegnete. Aber nein! Er war schlichtweg eine Kopie des 16-jährigen. Sogar die erste Silbe ihres Namens war dieselbe. Besser noch, er habe schon eine kleine Affaire mit seiner Schwimmtrainerin gehabt.

Als ich mit ihm schrieb, dachte ich unzählige Male „Das glaubt mir jetzt keiner! KEIN MENSCH wird mir das glauben!“ Und erklärte auch Yannik, was passiert war, und dass ich das für einen Wink des Schicksals hielt. Zumal er nur ein paar km weit weg wohnte und ebenfalls frei hatte. Also entschied ich, statt lange darüber nachzudenken, mich sofort auf ein Getränk mit ihm zu verabreden. Herzklopfend. Aber entschlossen. Lächelnd. Unter der Dusche schon diesen Beitrag formulierend.

Was das Schicksal dazu meint? Die schwarze Vespa fuhr einfach vorbei. Kam auch innerhalb des Cappuccino nicht zurück. Danke, Schicksal, ist angekommen.

Die Moral. Das Dilemma. Die Schlaflosigkeit.

Was, wenn du in diesem anonymen Chat flirtest? Was, wenn du heute einem der seltenen Männer begegnest, die mit Humor kontern? Der neben all seiner Frechheit auch Hirn und unglaublichen Charme beweist? Von dessen Worten und Verhalten sich viele in diesem Chat eine Scheibe abschneiden könnten? Der dir unverblümt den Hof macht, dabei jedoch sämtliche Plattheiten auslässt, die dir hier und anderswo sonst begegnen? Der dich stundenlang fasziniert, weil du mit ihm Gedanken über Gott und die Welt austauschen kannst, der deine Beziehungsform wirklich versteht, akzeptiert und mehr darüber wissen will? Der zwar gerne sofort eine Ebene höher – oder tiefer – gehen würde, aber respektiert, dass du das in diesem Falle lieber nicht möchtest? Der nicht weit von dem Ort lebt, an dem du dich in zwei Monaten für ein Wochenende aufhalten wirst? Der alles dafür geben würde, mit dir dann um die Häuser zu ziehen und dich näher kennen zu lernen? Der dich trotz allem und deswegen zum Wahnsinn treibt? Was, wenn er dir sagt, dass er erst 16 ist?

Nee du, lass man.

Eben war ich da, wo er arbeitet. Das tat er dort schon vor 4 Jahren, als wir uns kennen lernten, darum erkannte ich ihn auch, als ich ihm zufällig im Pornokino begegnete.

Pornokino. Nun. Das nutzte ich damals, wenn ich mich mit Männern traf, die ebenso wenig wie ich ein lauschiges Plätzchen zur Verfügung hatten. Und da ich ja pragmatisch bin – extra ein Hotelzimmer besorgen und bezahlen für DAS bisschen Sex? – war dieser Ort, in dem es mehrere abschließbare Räume gibt, absolut hinreichend. Und wenn das Date vorbei war und er nach Hause musste, dann blieb ich manchmal noch. Es hat da nämlich zwei Internetplätze (für lau) und einen Kaffeeautomaten (mehr als lauwarm), und so konnte ich im Internet herumdaddeln, Mails beantworten, chatten und nebenbei Kerle abblitzen lassen. Vor allem die, die zehnmal vorbei schlichen und beim elften Mal fragten „Willst du was machen?“ Warum? Ich mach doch was, wie du siehst. (Da stell ich mich ja gerne dumm, weil ich die Frage so dumm finde). Das „wollen wir was machen“ gehört auf eine Stufe mit „Erotik“ als Ausdruck für’s Nageln und SEX nicht englisch mit scharfem S ausgesprochen, sondern mit weichem. Das hat für mich immer den Anklang von „bloß nicht aussprechen“, und wer in dieser Hinsicht nicht klar kommuniziert, der kann es mir auch nicht klar besorgen. Also nein danke.

Und ebenda traf ich diesen jungen Mann. Er war sehr untypisch für diesen Laden, in dem sonst mehr die einsamen, verwitweten, unbeholfenen bis hin zu ungepflegten Männer herum schlichen. (Wenn Frau mal einen großen Spaß erleben will, gehe sie alleine in und durch ein Pornokino von Raum zu Raum. Meter für Meter hängen sich immer mehr Männer an ihre Fersen. Ein Bild für die Götter, die Polonaise der schweigenden Fickbettler.) Er war jung, gutaussehend, schlank, gepflegt, modisch. Und ich sah ihm an, dass er nicht zwingend auf Frauenfang war, sondern dass es für ihn auch der Mund oder der Schwanz eines anderen Mannes tun würden. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wären wir gleich auf einem der schwarzen Sofas verschwunden, aber ich war ja gerade befriedigt, darum tauschten wir nur die Nummern aus. Und verabredeten uns kurz darauf für ein Treffen. Er als Mindestlohnbezieher ohne Auto wurde von mir fast vor der Haustür abgeholt, und er lotste mich dann in einen Feldweg, indem wir ungestört fummeln konnten. Er war süß genug und es war spannend genug, dass es auch gut war.

Der Hammer kam ja erst hinterher. Wie es der Zufall wollte… nee, streichen. Es war ja kein Zufall, dass ich noch jemanden mit seinem Namen kürzlich getroffen hatte, da ich nunmehr eine schier unüberblickbare Menge an Männern traf, wenn auch nur auf einen Kaffee. Und einen mit dem selben Namen hatte ich daher auf dem Schirm, als mich eine SMS unbekannter Nummer erreichte.

„Wer bist du?“ – „Wer bist denn DU?“ – Die Freundin von Ben!“ Aha, Ben, der Privatdetektiv. Mit dem ich mich später nie traf, weil er immer den Schwanz einzog. „Den habe ich neulich beruflich getroffen. Wo ist das Problem?“ – „Lass ihn in Ruhe, wir bekommen gerade ein Kind, du kannst dem Kind doch nicht den Vater nehmen?!“ Bis dahin dachte ich tatsächlich noch, es drehe sich um Sherlock, und dass die Furie am anderen Ende doch einsehen müsse, dass ihr Mann sich aus beruflichen Gründen mit einer Frau treffen würde/könnte. Als „Freundin von Ben“ aber in dem Tenor noch etliche Zeichen weiter wetterte, und das vermehrt auf dem Niveau von Nachmittagstalkshows, da dämmerte mir, mit wem ich es wirklich zu tun hatte.

Schnuckelben schrieb mir dann in Abständen noch wenige Male, ich ließ ihn abblitzen, weil mir nicht der Sinn nach Stress und der Schuld am Auseinanderbrechen einer glücklichen Beziehung (*hust*) war.

Und eben läuft er an meinem Tisch vorbei. „Hey, hast du nicht Lust, dass wir uns mal wieder treffen?“ – „Hast du noch deine Freundin?“ – „Ja. Ist blöd gelaufen, dass sie dich angerufen hat.“ – „Du nee. Lass man stecken. Das brauch ich nicht nochmal.“

Mann, wie blöd! Ich hätte ihn doch fragen können, wann sein Kollege Strahlemann mal wieder Schicht hat!

emozentrisch

emo/zen/trisch

Adjektiv [faktisch nicht steig.] die eigenen Emotionen als den Mittelpunkt betrachtend und alles auf das eigene Ich beziehend.

Anwendungsbeispiele:

  • Auslassen der Fragen „Wie geht es dir?“ oder „Wie läuft es bei dir?“, da keinerlei Interesse am Befinden oder dem Leben anderer Personen besteht. Stattdessen sofortiges Klagen über eigene Krankheiten oder die Krankheiten des Mitbewohners, weil jene natürlich das eigene Leben schwerer machen.Gleichzeitiges Ignorieren der eigenen Krankheiten, welche wesentlich das Zusammenleben mit der eigenen Person erschweren/unmöglich machen.
  • Häufiges Platzieren von Vorwürfen wie „Du rufst ja nicht an“, „um mich kümmert sich ja keiner“ oder Klagen über das Verhalten anderer, welche irgendeine Art von Erwartungshaltung an Rücksichtnahme oder übliche Regeln sozialer Interaktionen an die eigene Person beinhalten.
  • Überwiegende Nutzung nonverbaler Kommunikation in Form von Gesten, welche auf schmerzhafte Körperteile hinweisen, Abwinken bei Angesprochen werden auf die inhaltliche Bedeutung des nonverbalen Verhaltens, Abwenden des Körpers als Signal des Desinteresses an weiterer Kommunikation, auch steigerbar durch Verlassen des Raumes oder Hauses, um zu Rauchen. Ebenso Nutzung nonverbaler Kommunikation in Form von verzerrter Mimik, auch bei Begrüßungen, nach Luft schnappen als Unterstreichung und vorsprachlicher Äußerungen wie „ach“, „Kind“, „(Name)“ als erschöpfende Antwort auf Fragen bzw. Aussagen.
  • Geschicktes Streuen von Aussagen, um die Emozentralität (früh) zu verdeutlichen und dauerhaft zu verfestigen: „Soll ich mich scheiden lassen?“, „Dein Vater wollte dich eigentlich abtreiben lassen, aber ich habe mich durchgesetzt“, „seine Familie war immer gegen mich“ oder „was soll ich denn machen?“ (in Kombination mit ausgeprägten nonverbalen Techniken).
  • Nicht definierbar, da kaum zu beobachten: Implementierung von Schuldgefühlen beim Gegenüber durch Verbindung o.g. Faktoren mit selektivem Weglassen direkter und klarer Kommunikation, Lob, Anerkennung der Person und ihrer Leistungen, Zurkenntnisnahme oder Förderung ihrer Interessen.
  • Emozentrismus ist nicht temporär, sondern überdauernde Persönlichkeitseigenschaft und somit nicht veränderbar. Die Akzeptanz der Eigenschaft anderer ist trainierbar, das Training benötigt lediglich 20-25 Jahre.

 

Frederic

Neulich las ich hier in der Nähe von einem Frederic, der einen guten Schlag bei den Frauen habe. Klar, denn ich kenne auch einen solchen (oder sogar diesen) Frederic. Frederic ist ein Bild von einem Mann. Ein Pin-up, und dazu steht er auch. Ein Kalenderblattmann mit Knackarsch, Sixpack und einem hübschen Gesicht. Und was in der Birne hat er auch. Frauen stehen auf ihn, denn er ist sexy, eloquent, höflich, charmant und weiß, wo der Hase lang läuft. Er hat einen schönen großen Schwanz, den er auch nicht ungefragt zeigt, das ehrt ihn. Dafür zeigt er aber gerne, was er zu sagen hat, und er hat zu allem etwas zu sagen, denn er weiß ja, wo der Hase lang läuft. Besonders Hasen mag er. Nicht nur die, die ebenso durchtrainiert sind wie er, sondern auch die „normalen“ mit etwas mehr auf den Rippen, mit prallem Arsch und ordentlich Holz vor der Hütten. Eigentlich trifft er sich mit allen Frauen, denn er verschenkt sich an die Damen. Er ist derart großartig, dass alle Frauen in seinen Genuss kommen sollen. Und wenn sie nicht in seiner Nähe wohnen, dann macht er auch den Vorschlag, sich auf halbem Wege zu treffen. Er kennt nämlich diesen und jenen, ist viel unterwegs, und da rauscht er auch schon mal mit seiner Luxuskarosse heran, um der Dame entgegen zu kommen. Dass er dabei weder an die Wohnung seines Bekannten in diesem Ort noch an den Club im selben Ort gedacht hat, das mag dabei zwar unter den Tisch fallen, aber sein schickes Auto sollte doch reichen für ein stilvolles Stelldichein. Dass keinerlei Flüssigkeiten auf die Ledersitze seiner Rückbank gelangen dürfen (auf gar keinen Fall, da hat sich die Dame zu kontrollieren) und auch seine Kronjuwelen nicht berührt werden dürfen, ist dabei nebensächlich. Der Genuss seiner Anwesenheit muss ausreichen. Seines Liebeskünste sind filmreif. Der Regisseur eines B-Movies oder französischen Gesellschaftsfilmes hätte seine Freude daran, von außen das Gesicht der Frau mit der Kamera einzufangen, die teilnahmslos in den Sternenhimmel schaut, während Frederic mit katzengleichen Bewegungen seines gestählten Körpers den Beischlaf vollzieht. Im Prolog des Filmes säßen 20 verschiedene Frauen auf dem Sofa und würden die Quintessenz der Begegnung mit Frederic in Worten wie „unter den Erwartungen geblieben“, „ich hatte schon besseren Sex“, „wahrlich ein Geschenk an die Menschheit“ (letzteres mit wahlweise rollenden Augen oder hochgehaltenem Ironieschild) beschreiben, aber sie wären sich einig. Ganz ehrlich, inhaltlich wäre es Frederic gleichgültig, ob die Damen wirklich begeistert sind, denn immerhin hatte er sie und sie reden über ihn, damit schafft er eine Parallelgesellschaft von Frauen, die in den Genuss seiner Großartigkeit gekommen sind. Als Dreingabe des Filmes gäbe es ein Poster von Frederic für den Spind.

Meine Rezension: Falscher Film. Nur gucken, nicht anfassen. Häng ihn dir in den Spind, aber triff dich um Himmels willen nicht zum Vögeln mit ihm!

Vorläufiger Titel

Normalerweise beginne ich einen Beitrag mit einem fertigen Titel, der das zusammenfasst, was ich mit dem Schreiben überhaupt mitteilen will.

Jetzt gerade weiß ich das nicht. Weil das Thema noch nicht abgeschlossen ist.

Ich bin jemandem begegnet. Rein zufällig fand ich ihn, und weil mir gefiel, was er über sich zu sagen hatte und wie er es tat, schrieb ich ihn an. Und bereits nach einem kürzeren Mailwechsel war mir klar: das passt. Authentisch, reif, nachdenklich, wissend, humorig, reflektiert. Und wenn ich so etwas erkenne, ist sofort mein Interesse geweckt, ihn persönlich kennen zu lernen. Aus Erfahrung weiß ich, dass zu langes Schreiben ohne Gegenüberstellung dazu führen kann, dass ich mir ein Bild von jemandem mache, dem er dann nicht mehr gerecht werden kann. Also dauerte es nur 2 Tage, bis wir einen Ort und eine Zeit vereinbarten. Nägel mit Köpfen und Butter bei die Fische.

Die Nachrichten selbst waren reines Vorspiel. Kleine Hirnficks ohne konkreten sexuellen Inhalt, aber mit Zweideutigkeiten, die wir beide aufgrund gleicher Sprache gleich empfanden: als Vorspiel eben. Für das, was da käme. Der einzige konkrete Inhalt war der, eine geeignete Wand zu finden, an die er mich drücken könnte, um mich zu küssen. Als ich in meine Wohnung einzog, verzichtete ich ganz bewusst darauf, eine Wand in meinem Flur mit irgendwas zu belegen, um genau diese für genau diesen Zweck immer frei zu haben. Seit Dienstagnachmittag hängt dort ein Schild.
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Es war also vorbereitet, bevor ich ihn unten am Café traf, welches wir dann aber wegen Sonnenscheins und zwecks Spaziergang nicht betraten. Wegen des aktuellen Nicht-Wetters (nix Halbes und nix Ganzes) trug ich zu meinem Rock Stiefel und Strumpfhose, dazu eine warme Jacke. Strumpfhose: extrem unsexy, aber notwendig. Stiefel: mittelsexy und praktisch bei unserem Marsch über Stock und Stein. Währenddessen unterhielten wir uns über unsere Motive, flirteten, klärten uns über unsere Familienstände auf, flirteten, tauschten Schwänke aus unserem Studiengängen aus, flirteten und verstanden uns prächtig. Als das Nicht-Wetter in Regenwetter umschlug, waren wir gerade bei meinem Haus angekommen, welches ich dann kurzerhand mit ihm betrat. In besagtem Flur angekommen, mussten wir zunächst unsere matschverschmierten Schuhe loswerden und ein warmes Getränk zu uns nehmen. Er bekam eine kleine Führung durch die Küche incl. der Geschichte diverser Möbelstücke darin, dann wurde das Sofa der Mittelpunkt unseres Dates. Für etwa 3 Stunden.Sexlos. Wir sprachen darüber, hatten aber keinen. Warum das bemerkenswert ist?

Wenn ich mich in der Gegenwart von jemandem befinde, den ich mag, er auf allen Ebenen mit mir kompatibel ist, ich ihn will und er mich, dann muss ich nicht warten. Dann gibt es keine Etikette, die mir sofortigen Sex verbietet. Dass ich ihn wollte, lag auch daran, dass ich selten jemanden so schnell so gut kennen lerne. Ich hing an seinen Lippen. Ich bewunderte seine Offenheit, seine Ehrlichkeit und Direktheit. Je mehr ich ihm zuhörte, umso mehr wusste ich, dass das der Beginn einer wundervollen Freundschaft+ sein würde. Ganz kurz dachte ich darüber nach, ihn jetzt einfach zu küssen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Direkt im Anschluss dachte ich, dass dies als ein Signal missverstanden werden könnte: „Halt die Klappe und komm zum Wesentlichen.“ Denn in diesem Moment WAR es wesentlich, ihn auf diese Art kennen zu lernen, alles andere war nebensächlich. Was ich im Vorfeld des Dates nicht gewusst hatte, war dass er ein zeitliches Limit für diesen Tag hatte, ich jedoch nicht. Und als ich ihn mit steigendem Wissen über seine Situation fragte, wann er denn zuhause sein müsse, antwortete er, er sollte längst weg sein.

Damit gab ich ihm den Startschuss, zu fahren. In jenem Moment mal eben noch etwas zu starten, wäre kindisch gewesen und hätte die Chance zerstört, es gut und geil und rund werden zu lassen. Lieber beim nächsten Mal neu anfangen, als eine schlechte Fortsetzung zu liefern.

Er hatte das Schild beim Reinkommen auch gar nicht bemerkt, sondern es für Kunst gehalten! 😀

Ein Freund

ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibtaufderWelt…

Sobald ich diese Zeile auch nur denke, hüpfe ich mental und habe für den Rest des Tages einen Ohrwurm. Sollte ich das nun auch beim Leser verursacht haben: das habe ich herzlich gerne getan! Wenn irgendwem das allerdings rein gar nichts sagt, dann empfehle ich wärmstens mal die Recherche nach den Drei von der Tankstelle.

Es ist also der Sonntag nach dem HÜ-Desaster. Während ich mich beim Frühstück mit Brötchen, Bacon, Spiegelei, Honigmelone-Banane-Mango-Smoothie und mild gerührtem Joghurt mit frischen Himbeeren (ja, das frühstücke ich jeden Sonntag!) noch frage, ob diese Stimmung ein Anzeichen dafür ist, dass es mit mir psychisch wieder bergab geht, rät mir mein Liebster, mich mit Menschen zu umgeben, die mich mögen. Da trifft es sich gut, dass ich ohnehin am nächsten Dienstag ein Date habe mit jemandem, der mich noch nicht persönlich kennt. Da stehen die Chancen, dass er mich mögen wird, schonmal sehr gut. Aber dazu später.

Und wie der Zufall es will, ist auch ein alter Freund mal wieder statt 600 km nur 50 km von mir entfernt. Wir haben uns seit über 2 Jahren nicht mehr gesehen, es hat einfach nie zeitlich hingehauen. Kennen gelernt haben wir uns vor 3 Jahren auf einer Plattform, auf der er einen Diamanten unter all den Kieselsteinchen darstellte. An das ganze Geplänkel im Vorfeld kann ich mich gar nicht mehr erinnern, denn wir trafen uns dann recht bald. Ich holte ihn vom Bahnhof ab, wir verbrachten einen tollen Tag miteinander, und dann brachte ich ihn zum Bahnhof zurück. Dies geschah so ein paarmal und erzeugte eine Nähe bei mir, dass ich ihn auch auf die Entfernung nie aus meinem inneren Auge verlor. Er befand sich damals in einer Beziehung, daher war ohnehin klar, dass es für uns unverbindlicher Sex sein sollte. Aber als wir uns auf meinem Bett wälzten und bei aller Unverbindlichkeit leidenschaftlich liebten, da ging mir durch den Kopf: „Wow! Wie muss es erst mit ihm sein, wenn er die Frau auch noch liebt!“ Nicht dass ich jetzt den Eindruck von Gefühlsduselei wecke – nein, er ist nur einer der etwas selteneren Männer mit den 4 Hs: neben Hirn und Humor hat er auch noch das Herz dabei, wenn er seine Hose aufmacht.

Und dieser junge Mann kommt also zu mir und hat auch keine Scheu davor, dabei auf meinen Liebsten zu treffen. Da beide sozial verträgliche Jungs sind und nicht auf den Kopf gefallen, wird dies im Zweifelsfall einfach ein amüsanter Abend mit lustigen Gesprächen.

Wir plaudern über unsere Jobs und was sich verändert hat, über unsere Beziehungen und was sich verändert hat, über den Sex und was sich verändert hat. Mein Liebster sitzt ganz rechts auf meinem Sofa, der Freund und ich fläzen uns in der Mitte, ich immer mehr in seiner Armbeuge liegend. Und während wir so reden – über die alten Zeiten und was sich verändert hat – rutscht mir vor lauter Vertrautheit meine Hand unter sein Shirt.Irgendwann später rutscht sie mir vor lauter Vertrautheit unter seinen Gürtel, dann unter den Slip, und kurze Zeit später rutscht dann schon mein Mund über seinen Schwanz und meine Muschi über seinen Mund. Tja, so kann das gehen.

An dieser Stelle möchte ich den geneigten Leser nicht mit Details über leidenschaftlichen, überfälligen, herzlichen, sich in die Augen schauenden und ihm dann den Rücken zudrehenden Sex langweilen, während ein Voyeur Kondome reicht und sich freut, zwei Menschen in enger Vertrautheit bei heißer Ineinanderstöpselung zu beobachten. Es sei nur soviel gesagt, dass seine ersten Worte nach dem Verschnaufen „Als wenn ich nie weg gewesen wäre…“ waren. Und genau darum tut ein alter Freund in so einer Situation gut.

Uns fiel dann auf, dass ich ihm eine Fotostrecke noch nicht geschickt hatte. Sie entstand bei einem unserer Treffen von seiner eigenen Hand. Also mit eigener Hand geknipst. War gar nicht so einfach, wie ich mich erinnere. Ich habe eines der Fotos in Folge dem einen oder anderen als Scharfmacher geschickt. Am bezeichnendsten war die Frage von jemandem: „Was ist das denn für ein komischer Schwanz?“ Gar keiner. Das ist ein Arm.

HÜA!

Herrenüberschuss, in Kreisen HÜ genannt, ist der Sex einer Frau mit mehreren Männern gleichzeitig. Das soll an Definition reichen. Vielleicht noch der Hinweis auf das „gleichzeitig“ als Abgrenzung zum Gangbang, bei dem Männer sich den Schwanz hart wichsen und warten, bis sie dran sind. Wer diese Frau ist, ist den teilnehmenden Männern dabei egal. Sie ist verfügbar, das reicht.

Ich mag HÜ. Ich mag es, von mehreren Männern gleichzeitig begehrt und gebraucht zu werden, genieße es, ausgefüllt zu sein und keine Pause in meiner Erregungskurve zu erleben. Darum ist es wichtig, dass diese Männer teamfähig sind und nicht nur ihre eigene Sache durchziehen, sondern im Bedarfsfall die Position wechseln, weil es der Befriedigung der FRAU dienlich ist.

Ein paarmal habe ich das im privaten Rahmen organisiert. Viel öfter aber nutze ich dafür den Club, weil mich das kaum Vorbereitung kostet und das gemeinsame Motto bereits den Grundstein dafür legt, was dann stattfinden kann. Je länger ich das tu, umso größer ist ja auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf solchen Events bereits Männer kenne – und sie mich – und ich daher darauf vertrauen kann, dass ich bekomme, was ich brauche. Meistens habe ich dann ohnehin einen Mann dabei (der aber vielmehr eine beobachtende und genießende Rolle einnimmt), aber auch alleine haut das immer hin.

So fuhr ich also mit Begleitung. Durch eine gleichzeitige Verabredung und die Gästeliste war klar, dass ich mit 3 (+1) Männern fest zu rechnen hatte. Und dann ergibt es sich ja immer, dass einer bis zwei vor Ort zusätzlich in die engere Wahl kommen. Auf die Verabredung freute ich mich besonders, weil er mir bereits im gleichen Rahmen mehrfach zuvor derart die Sporen gegeben hatte, dass ich schon beim Gedanken daran das charakteristische Verlangensziehen in den Lenden verspürte. Er ist bisher der einzige Mann, der mir so auf den Arsch klatschen kann, dass es NULL weh tut und ausschließlich geil ist. Und dies, ohne aus dem Takt zu kommen!

So läuteten wir beide die Runde ein. Hm, das klingt jetzt wie bei einem Boxkampf. Ist auch ähnlich schweißtreibend, macht aber weniger blaue Flecke. Wie immer stellte es eine Herausforderung dar, den jungen Mann zu verschlucken, aber er hielt meinen Kopf an den Haaren ziehend wiederum so, dass er fast ohne Mühe hinein glitt. Nach einiger Zeit war uns beiden nach Wechsel des Loches (was jetzt wiederum nach Golf klingt. Hm.), und er ließ es wieder klatschen, so dass die Geräuschkulisse klatschen/stöhnen/dirty talk einem anderen guten Bekannten signalisierte, dass er langsam gebraucht würde. Ein weiterer junger Mann, den ich nicht kannte, der aber freundlich lächelnd und mit offensichtlicher Begeisterung zusah, wurde von meiner Begleitung dazu gewunken. Weil mein Reiter nun eine Pause benötigte, hieß ich ihn, sich hinzulegen, damit ich mich schräg über ihn beugen könnte. Schräg, damit der nette M. nun stoßen konnte. Er ist dabei weniger der Presslufthammer, dafür aber mit zuverlässiger Ausdauer gesegnet. Mein Mund war dabei abwechselnd mit dem Hengst und dem nett lächelnden jungen Mann beschäftigt. Und während ich letzterem mehr Aufmerksamkeit schenkte, inclusive meiner Hände, kam eine weitere Frau an die Matte. Das von meinem Begleiter geäußerte „Keine zweite Frau“ mag sehr knapp geklungen haben, dennoch ist dies ein Nein, das in Swingerclubs akzeptiert zu werden hat und nicht diskutiert werden darf. Weder von Männern, noch von Frauen. Die Dame aber reagierte mit einem „Wieso, die Männer gehören doch nicht dir!“ und einem gezielt spöttischen Lachen. Doch, wenn sie zu MIR auf die Matte gehen, gehören sie mir! Schließlich war dies eine Party mit Herrenüberschuss und nicht Rudelbums! Hengst lenkte mit leicht rollenden Augen ein: „Ich komm hinterher zu dir.“ – „Nein, ich frage nur einmal!“ – „Dann geh eben.“ Woraufhin sie weiterhin spöttisch lachte und herum zeterte, was denn die Zicke auf der Matte (sic: ich) für ein Problem hätte.

Erregungskurve: Minus 0. Da ging nichts mehr. Ich wurde wütend, hätte ihr auch gerne erklärt, warum ihr Verhalten unangebracht war. Nein akzeptieren! Wenn sie mit jemandem da liegt, komm ich auch nicht als Headhunter daher und mache ihn ihr abspenstig. Das ist eine Frage gegenseitigen Respekts. Und wenn mir jemand so offensichtlich die Respektlosigkeit entgegen knallt und das noch öffentlich zur Schau stellt, dann werde ich zum echt zum Tier. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie allergisch ich darauf reagiere, wenn mir jemand in unangemessener Art und in unangemessener Situation erklären will, ich sei nicht ok so, wie ich bin.

Der Abend war gelaufen. Die Wut ließ mich nicht los. Richtete sich dann gegen alle, die mir wohlgesonnen waren. Also fragte ich mich, was die Zicke auf der Matte für ein Problem hatte (sic: ich). So wurde aus Wut Selbstmitleid. Auf der Rückfahrt dachte und dachte und litt ich. Bis zum nächsten Morgen hielt das Leiden an, dann dominierte das Denken (mit Hilfe von außen). Ja, wenn ich nicht geliebt werde, dann bin ich ein echt armes Würstchen. Aber wie soll ich einer fremden Frau zwischen lauter kopulierenden Menschen erklären, was ich für ein Problem mit meiner Mutter habe?