Vorläufiger Titel

Normalerweise beginne ich einen Beitrag mit einem fertigen Titel, der das zusammenfasst, was ich mit dem Schreiben überhaupt mitteilen will.

Jetzt gerade weiß ich das nicht. Weil das Thema noch nicht abgeschlossen ist.

Ich bin jemandem begegnet. Rein zufällig fand ich ihn, und weil mir gefiel, was er über sich zu sagen hatte und wie er es tat, schrieb ich ihn an. Und bereits nach einem kürzeren Mailwechsel war mir klar: das passt. Authentisch, reif, nachdenklich, wissend, humorig, reflektiert. Und wenn ich so etwas erkenne, ist sofort mein Interesse geweckt, ihn persönlich kennen zu lernen. Aus Erfahrung weiß ich, dass zu langes Schreiben ohne Gegenüberstellung dazu führen kann, dass ich mir ein Bild von jemandem mache, dem er dann nicht mehr gerecht werden kann. Also dauerte es nur 2 Tage, bis wir einen Ort und eine Zeit vereinbarten. Nägel mit Köpfen und Butter bei die Fische.

Die Nachrichten selbst waren reines Vorspiel. Kleine Hirnficks ohne konkreten sexuellen Inhalt, aber mit Zweideutigkeiten, die wir beide aufgrund gleicher Sprache gleich empfanden: als Vorspiel eben. Für das, was da käme. Der einzige konkrete Inhalt war der, eine geeignete Wand zu finden, an die er mich drücken könnte, um mich zu küssen. Als ich in meine Wohnung einzog, verzichtete ich ganz bewusst darauf, eine Wand in meinem Flur mit irgendwas zu belegen, um genau diese für genau diesen Zweck immer frei zu haben. Seit Dienstagnachmittag hängt dort ein Schild.
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Es war also vorbereitet, bevor ich ihn unten am Café traf, welches wir dann aber wegen Sonnenscheins und zwecks Spaziergang nicht betraten. Wegen des aktuellen Nicht-Wetters (nix Halbes und nix Ganzes) trug ich zu meinem Rock Stiefel und Strumpfhose, dazu eine warme Jacke. Strumpfhose: extrem unsexy, aber notwendig. Stiefel: mittelsexy und praktisch bei unserem Marsch über Stock und Stein. Währenddessen unterhielten wir uns über unsere Motive, flirteten, klärten uns über unsere Familienstände auf, flirteten, tauschten Schwänke aus unserem Studiengängen aus, flirteten und verstanden uns prächtig. Als das Nicht-Wetter in Regenwetter umschlug, waren wir gerade bei meinem Haus angekommen, welches ich dann kurzerhand mit ihm betrat. In besagtem Flur angekommen, mussten wir zunächst unsere matschverschmierten Schuhe loswerden und ein warmes Getränk zu uns nehmen. Er bekam eine kleine Führung durch die Küche incl. der Geschichte diverser Möbelstücke darin, dann wurde das Sofa der Mittelpunkt unseres Dates. Für etwa 3 Stunden.Sexlos. Wir sprachen darüber, hatten aber keinen. Warum das bemerkenswert ist?

Wenn ich mich in der Gegenwart von jemandem befinde, den ich mag, er auf allen Ebenen mit mir kompatibel ist, ich ihn will und er mich, dann muss ich nicht warten. Dann gibt es keine Etikette, die mir sofortigen Sex verbietet. Dass ich ihn wollte, lag auch daran, dass ich selten jemanden so schnell so gut kennen lerne. Ich hing an seinen Lippen. Ich bewunderte seine Offenheit, seine Ehrlichkeit und Direktheit. Je mehr ich ihm zuhörte, umso mehr wusste ich, dass das der Beginn einer wundervollen Freundschaft+ sein würde. Ganz kurz dachte ich darüber nach, ihn jetzt einfach zu küssen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Direkt im Anschluss dachte ich, dass dies als ein Signal missverstanden werden könnte: „Halt die Klappe und komm zum Wesentlichen.“ Denn in diesem Moment WAR es wesentlich, ihn auf diese Art kennen zu lernen, alles andere war nebensächlich. Was ich im Vorfeld des Dates nicht gewusst hatte, war dass er ein zeitliches Limit für diesen Tag hatte, ich jedoch nicht. Und als ich ihn mit steigendem Wissen über seine Situation fragte, wann er denn zuhause sein müsse, antwortete er, er sollte längst weg sein.

Damit gab ich ihm den Startschuss, zu fahren. In jenem Moment mal eben noch etwas zu starten, wäre kindisch gewesen und hätte die Chance zerstört, es gut und geil und rund werden zu lassen. Lieber beim nächsten Mal neu anfangen, als eine schlechte Fortsetzung zu liefern.

Er hatte das Schild beim Reinkommen auch gar nicht bemerkt, sondern es für Kunst gehalten! 😀

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2 Gedanken zu “Vorläufiger Titel

  1. Ich weiß gar nicht warum ich eigentlich hier bin. Um zu lesen, ja. Sonst hab ich mit dem Thema aber herzlich wenig zu tun…naja bin „erst“ 22, hab ja noch Zeit. Sagt zumindest jeder. Der Punkt ist, dass ich das gerne lese. Das Wie und Warum ist mir bei Lyrik ziemlich egal.

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