Nee du, lass man.

Eben war ich da, wo er arbeitet. Das tat er dort schon vor 4 Jahren, als wir uns kennen lernten, darum erkannte ich ihn auch, als ich ihm zufällig im Pornokino begegnete.

Pornokino. Nun. Das nutzte ich damals, wenn ich mich mit Männern traf, die ebenso wenig wie ich ein lauschiges Plätzchen zur Verfügung hatten. Und da ich ja pragmatisch bin – extra ein Hotelzimmer besorgen und bezahlen für DAS bisschen Sex? – war dieser Ort, in dem es mehrere abschließbare Räume gibt, absolut hinreichend. Und wenn das Date vorbei war und er nach Hause musste, dann blieb ich manchmal noch. Es hat da nämlich zwei Internetplätze (für lau) und einen Kaffeeautomaten (mehr als lauwarm), und so konnte ich im Internet herumdaddeln, Mails beantworten, chatten und nebenbei Kerle abblitzen lassen. Vor allem die, die zehnmal vorbei schlichen und beim elften Mal fragten „Willst du was machen?“ Warum? Ich mach doch was, wie du siehst. (Da stell ich mich ja gerne dumm, weil ich die Frage so dumm finde). Das „wollen wir was machen“ gehört auf eine Stufe mit „Erotik“ als Ausdruck für’s Nageln und SEX nicht englisch mit scharfem S ausgesprochen, sondern mit weichem. Das hat für mich immer den Anklang von „bloß nicht aussprechen“, und wer in dieser Hinsicht nicht klar kommuniziert, der kann es mir auch nicht klar besorgen. Also nein danke.

Und ebenda traf ich diesen jungen Mann. Er war sehr untypisch für diesen Laden, in dem sonst mehr die einsamen, verwitweten, unbeholfenen bis hin zu ungepflegten Männer herum schlichen. (Wenn Frau mal einen großen Spaß erleben will, gehe sie alleine in und durch ein Pornokino von Raum zu Raum. Meter für Meter hängen sich immer mehr Männer an ihre Fersen. Ein Bild für die Götter, die Polonaise der schweigenden Fickbettler.) Er war jung, gutaussehend, schlank, gepflegt, modisch. Und ich sah ihm an, dass er nicht zwingend auf Frauenfang war, sondern dass es für ihn auch der Mund oder der Schwanz eines anderen Mannes tun würden. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wären wir gleich auf einem der schwarzen Sofas verschwunden, aber ich war ja gerade befriedigt, darum tauschten wir nur die Nummern aus. Und verabredeten uns kurz darauf für ein Treffen. Er als Mindestlohnbezieher ohne Auto wurde von mir fast vor der Haustür abgeholt, und er lotste mich dann in einen Feldweg, indem wir ungestört fummeln konnten. Er war süß genug und es war spannend genug, dass es auch gut war.

Der Hammer kam ja erst hinterher. Wie es der Zufall wollte… nee, streichen. Es war ja kein Zufall, dass ich noch jemanden mit seinem Namen kürzlich getroffen hatte, da ich nunmehr eine schier unüberblickbare Menge an Männern traf, wenn auch nur auf einen Kaffee. Und einen mit dem selben Namen hatte ich daher auf dem Schirm, als mich eine SMS unbekannter Nummer erreichte.

„Wer bist du?“ – „Wer bist denn DU?“ – Die Freundin von Ben!“ Aha, Ben, der Privatdetektiv. Mit dem ich mich später nie traf, weil er immer den Schwanz einzog. „Den habe ich neulich beruflich getroffen. Wo ist das Problem?“ – „Lass ihn in Ruhe, wir bekommen gerade ein Kind, du kannst dem Kind doch nicht den Vater nehmen?!“ Bis dahin dachte ich tatsächlich noch, es drehe sich um Sherlock, und dass die Furie am anderen Ende doch einsehen müsse, dass ihr Mann sich aus beruflichen Gründen mit einer Frau treffen würde/könnte. Als „Freundin von Ben“ aber in dem Tenor noch etliche Zeichen weiter wetterte, und das vermehrt auf dem Niveau von Nachmittagstalkshows, da dämmerte mir, mit wem ich es wirklich zu tun hatte.

Schnuckelben schrieb mir dann in Abständen noch wenige Male, ich ließ ihn abblitzen, weil mir nicht der Sinn nach Stress und der Schuld am Auseinanderbrechen einer glücklichen Beziehung (*hust*) war.

Und eben läuft er an meinem Tisch vorbei. „Hey, hast du nicht Lust, dass wir uns mal wieder treffen?“ – „Hast du noch deine Freundin?“ – „Ja. Ist blöd gelaufen, dass sie dich angerufen hat.“ – „Du nee. Lass man stecken. Das brauch ich nicht nochmal.“

Mann, wie blöd! Ich hätte ihn doch fragen können, wann sein Kollege Strahlemann mal wieder Schicht hat!

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