Wenn sie sprechen könnte

Stell dich nicht so an. Als du feststellst, dass es mich überhaupt gibt, willst du mich gar nicht haben. Und wenn ich gegen diese Einstellung rebelliere, gebärst du dich, als würdest du sterben! Meine Güte!

Aus heiterem Himmel betäubst du mich. 13 Jahre lang hältst du mich in Ketten und auf Sparflamme. Kontrollierst sogar den Wochentag, an dem ich mich melden darf. Gut, dann mache ich Dienst nach Vorschrift. Nur das Nötigste. Pöh.

Nun soll ich plötzlich von einem Tag auf den anderen 100 Prozent geben? Werde ich da eigentlich auch gefragt? Ohne mich! Jetzt lass ich dich zappeln. Das könnte dir so passen. Mal sehen, wer hier am längeren Hebel sitzt.

Ok. Es ist meine Bestimmung, dafür bin ich ja da. Glaub also nicht, ich würde das für dich tun, ich will nur auch ein sinnvolles Leben führen. Gebe ich mich eben hin und bereite ein Bett. Es wird eine Herausforderung zu sehen, was ich alles aushalten kann. Tritte von außen kenne ich ja schon, jetzt will ich mal sehen, wie sich das von innen anfühlt.

Sag mal, tickst du denn noch richtig? Da reiß ich mir für dich den Arsch auf, und da schneidest du mich von oben bis unten auf? Ist DAS der Dank dafür, dass ich dein Leben  grundlegend verändert habe? Glaub mal, ich merk mir das.

Oh, das hätte ich wohl nicht sagen dürfen, was? Jetzt hat sich die Dame was ganz Neues einfallen lassen, um mich ruhig zu stellen. Gut, wenn ich hier gar nicht mehr gebraucht werde, sollst auch keinen Spaß mehr haben. Ich sag meinen Kumpels da oben bescheid, dass du auch ruhig gestellt wird. Wirst schon sehen.

Gefällt dir nicht, was? Hm. Ich sehe ja, dass du leidest. Hm. Tut mir irgendwie auch leid. Dass das so schlimm sein würde für uns, wollte ich ja auch nicht. Nichts mehr los mit uns beiden. 5 Jahre Ödheit. Hm.

He, das schmeckt ja plötzlich ganz anders hier. Völlig giftfrei! Wie geil ist DAS denn? Yeah! Wir sind wieder da! Komm, lass uns so richtig einen drauf machen! Wir haben was nachzuholen. Die Nachbarn über mir, die da links und rechts, ich glaube, die sind ausgezogen, von denen höre ich gar nichts mehr. Die haben wohl alle Brücken hinter sich eingerissen. Ach, unwichtig. Jetzt ist Trallafitti!

Wie ich das genieße, so frei zu sein! Ich lasse richtig die Sau raus, heftiger und öfter, als du dir je hättest vorstellen können! Zu heftig und zu oft ist dir das? Weißt du, wie egal mir das ist?

Den einen, in den könnte ich mich verlieben. Der sagt so schöne Dinge über mich. Ich glaube, der kennt mich besser als du. Der weiß, wie ich mich rundum anfühle, wie glatt ich bin, was ich für Geräusche mache, der beobachtet mich genau und genießt mich. Solltest dir von ihm mal eine Scheibe abschneiden. Und mehr von seiner Sorte zu mir lassen. Die meisten schubsen mich rum und treten mich, als wär ich ein Stück Fleisch.

Du, ich höre das! Auch wenn du es nicht mir sagst, was dir nicht passt, ich HÖRE das! Ich höre auch, dass du dir keinen Blödsinn einfallen lässt, aber wie wäre es denn, wenn du einfach akzeptieren würdest, wie es ist? Bei all den Nachteilen vergiss bitte die Vorteile nicht. Wir haben Spaß! Ist das nicht alles andere wert?

Einen geb ich dir noch mit. Ich spucke und schreie einmal, um dich zu erschrecken. Hihi, hat funktioniert. Dir hab ich einen Strich durch die Planung gemacht. Einfach so.

Nee. Da kommt nichts mehr. Wenn du dich von einmal Schreien und Spucken so beeinflussen lässt, ist das nicht mein Problem, Mädel. Sitz du mal am Wochenende rum und warte. Ich hab Zeit.

JETZT! Jetzt leg ich los! Komm, hör auf zu jammern, und kuschel dich mit mir auf’s Sofa. Ach, und bring eine Wärmflasche mit.

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