Kein Sex mit dem Ex

Nein, das ist nicht etwa mein Lebensmotto. Es kommt nur nie dazu.

Nagut. Den letzten will ich ohnehin nicht mehr. Zu lange gehabt, keine Neugierde mehr. Ein anderer hätte mich nie wieder verdient. Ist vermutlich auch mittlerweile im Knast. Zumindest würde er dorthin gehören.

Neulich traf ich drei auf einem Haufen. Naja, der eine zählt nicht. Ist streng genommen kein echter Ex und mit seinem Gerät kann man streng genommen auch keinen echten Sex haben… Der zweite ist der einzige, dem ich nach so langer Zeit habe durchblicken lassen, wie ich ticke. Dem die Ohren schlackerten. Der mich nach 2 Gläsern Sekt nach draußen zog, um mich davor zu schützen, dass ich allen dort Dinge erzählen würde, die ich hinterher bereut hätte. „Du bist immer noch etwas Besonderes für mich, weißt du das?“ – „Ja, das weiß ich.“ – „Weißt du auch, warum?“ Natürlich weiß ich das. Ich erinnere mich an alle vier Jungs, die ich entjungert habe. Auch wenn es in seinem Falle eher ein Gefallen war, weil seine damalige Freundin ihn nicht ran lassen wollte, da er noch Jungfrau war. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat sie ihn auch hinterher nicht ran gelassen. Seine Frau lässt ihn wohl auch nicht mehr ran. Statt ihm die Gelegenheit zu geben, sich mal wieder richtig aus zu vögeln, habe ich ihm auf dem Rückweg Beziehungstipps gegeben.

Ein weiterer ist nicht aufgetaucht. Er war mein Erster. Die Nacht zu meinem 17. Geburtstag. Ich erinnere mich kaum daran, jedenfalls nicht an den Akt an sich. Nur Bruchstücke von Oralverkehr kamen hinterher aus meinem Gedächtnis, das war ein echter Filmriss. („Beweis“ waren seinerzeit die Blutflecken in meinem Bett und seine Aussage „wir haben miteinander geschlafen“, als ich ihn morgens fragte, was er denn in meinem Bett tue.) Der Gedanke daran lässt mich immer wieder grinsen: schon damals habe ich intuitiv geblasen, ohne dass ich seinerzeit wirklich wusste, was ich tat. Ich tat einfach. Ihn würde ich gerne wiedersehen, auch gerne wieder spüren. Aber der hat offensichtlich ein echtes Päckchen zu tragen.

Und dann war da K. Meine erste wirklich große Liebe. Mit ihm hätte ich gerne geredet, an alte Zeiten angeknüpft. Vor allem an unser letztes Wiedersehen vor 5 Jahren. Damals saßen wir zu zweit draußen, und er berichtete mir, wie er seine Melancholie überwunden hätte. Anlässlich eines Gespräches mit seinem besten (einem gemeinsamen) Freund. Diesen hatte er für Haus, Familie, Kinder bis dahin beneidet. Bis dieser ihm sagte, dass er Haus, Familie und Kinder manchmal satt sei. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm seine Freiheit bewusst geworden. An jenem Abend vor Jahren sagte er mir, er könne hin, wann und wohin er wolle. Er könne schlafen, mit wem und wo er wolle. Er (der Freund) und ich könnten das nicht. Ich hielt meinen Mund, um sein Bild von mir nicht zu zerstören. Danach fand ich alte Briefe und Tagebücher und las seine Worte „Ich liebe dich auch mit deinem O. und dem L. und all den anderen.“ Da fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass ich schon damals so war und mich wieder dorthin entwickelt hatte. Darüber hatte ich mit ihm reden wollen. Aber am letzten Wiedersehen war alles anders, als ich erwartet hatte. Sein Gesicht strahlte, als er mich sah – woran ich erkannte, dass ich noch immer jemand Besonderes für ihn war. Das Gesicht veränderte sich erst, entgleiste fast, als er „Ex-Mann“ hörte. Vermutlich hatte er auch erwartet, dass ich herzlicher auf seine Verlobung reagieren würde. Stattdessen fragte ich, was denn nun mit der Freiheit und dem „ich kann machen, was ich will“ sei. Er leugnete, das je gesagt zu haben, oder er sei betrunken gewesen. Es kam nicht dazu, dass wir Nummern tauschten. An diesem Abend ist irgendwas zerstört wurden. Wahrscheinlich unser Bild voneinander.

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