Mein Blog.

Als ich dir nun genauer vom letzten Date erzähle, meinst du „Du bist eben wie ein Porsche: Du kannst nicht mit 30 durch die Fußgängerzone. Du musst einfach 200 fahren.“ Wenn ich auch gebremst fuhr, also mit allenfalls 100…

Aber dann erwähne ich, dass wir über das Geschichtenschreiben sprachen. „DU schreibst Geschichten?“ Ja. „Ich habe noch nie was von dir gelesen!“ Tu ich aber. „Okeee.“ Da höre ich Enttäuschung. Vielleicht ein klein wenig Misstrauen? Ich höre unausgesprochene Fragen. Darum beantworte ich sie einfach.

Als ich dies hier anfing, wusste ich noch nicht, wie sich das entwickeln würde. Es entwickelte sich eben. Ich fand heraus, dass das Schreiben mich sortiert, dass es Erlebtes rund und vollständig für mich macht. Dass es mich befreit, oder dass es mich noch einmal daran Erfreuen lässt, was geschehen ist. Manche Beiträge sollen vor allem unterhalten. Andere schreibe ich mehr für mich, als für andere, dennoch hilft mir das in verständliche Worte fassen, so dass es andere verstehen beim Sortieren. Auf manche erhoffe ich mir Reaktionen, auf andere brauche oder will ich gar keine. Manche Beiträge erklären mich, stellen mich dar. Natürlich will ich auch gefallen. Bei anderen Beiträgen ist mir das wurscht, was jemand anders darüber denkt. Es ist tatsächlich ein bisschen Tagebuch geworden, aber auch ein bisschen Entwicklung meines Denkens, meines Ausdrückens (Ja, das ist ein Neologismus. Ich darf das.), ein gelungenes Experiment.

Du kennst mich, und du hinterfragst mich. Das liebe ich an dir. Aber du würdest meine Geschichten hinterfragen. Würdest sie analysieren, wie du das eben gerne tust. Würdest verbessern und ergänzen und wissen wollen, warum ich denn da was und wie und weshalb. Das kann ich nicht brauchen. Wenn ich etwas für mich abrunde, dann will ich nicht, dass du da wieder Ecken raus frisst.

Es gibt nur zwei Menschen, die diesen Blog und mich persönlich kennen. Beiden vertraue ich. Dem ersten, weil ich ihm egal genug bin, dass er das, was er von mir persönlich weiß und was er hier liest, getrennt voneinander betrachten kann. Der seine Geschichten vermutlich aus ähnlichen Motiven schreibt wie den meinen. Ein bisschen bestimmt. Dem anderen vertraue ich, weil er diskret ist, und weil er weiß, wie wichtig Diskretion ist. Er gibt mir Rückmeldung, aber er zerpflückt nicht.

Du dagegen bist die Indiskretion in Person. Du plauderst anderen gegenüber Intimitäten von dir bekannten Personen aus, ohne darüber nachzudenken, ob das angemessen ist. Ob das Gegenüber diese Intimitäten überhaupt wissen möchte. Du meinst es nicht böse, sondern du bist offen und magst offene Menschen und schließt zu gern von dir auf andere. Und du wärst stolz auf mich, das weiß ich. So stolz, dass du weiteren Menschen ausplaudern würdest, dass deine Liebste einen Blog unter dem Namen … ja, bist du denn von allen guten Geistern verlassen?

Einer der Männer stand einmal in meinem Wohnzimmer und staunte „L, du bist der offenste Mensch, der mir je begegnet ist!“ Ja. So bin ich gerne. Aber auch ich darf meine Geheimnisse haben.

Und deshalb kennst du den Link zu diesem Blog nicht. Auch V. wird ihn dir nicht geben, da vertraue ich ihm. Ansonsten müsste er leider sterben.


 

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Einmal hin, alles drin.

„Sowas gibt es noch?“ fragt mich mein Schatz, als ich ihm knapp antworte, wo ich ihn denn kennen gelernt hätte. Oh doch, ich nehme sogar an, dass viele Menschen potentielle Partner/Liebhaber beim Einkaufen aufreißen, im Alltag, ganz zufällig und nebenbei. Für uns ist das nur so ungewöhnlich, weil wir sonst unkonventionellere Wege gehen.

„Sammeln Sie Treuepunkte?“ fragt mich die Kassierin. Ich sage „Nein, die hätt‘ ich nicht verdient.“ (und singe die Zeile innerlich). Auch auf die Gefahr hin, dass die Adressatin das Lied „Herrenabend“ nicht kennt, antworte ich gerne so. Wahrheitsgemäß. Er kennt es vermutlich auch nicht, dennoch reagiert er. Als ich am Packtisch meinen Kassenzettel verstaue und die Einkäufe platzsparend in meinen Korb verpacke, tritt er neben mich und flüstert: „Sind Sie fremd gegangen?“ Ich schaue ihn an. Sehe blitzende Augen. Lachfältchen. Dreitagebart, rasierte Glatze. Ein paar Jahre älter als ich. Lächeln. Mit festem Blick erwidere ich: „Nein, mir ist keiner der Männer fremd, mit denen ich ins Bett gehe.“ Woraufhin er schallend lacht und meint, ich würde ihm gefallen. Ich lache zurück, ja, das würde ich öfter hören. Sofort stellt er sich vor. Und in diesem Kontext mag ich das. In anderen nicht, da geht mir das zu schnell, aber im Alltag, wo Menschen viel zu oft grußlos und anonym und gleichgültig aneinander vorbei gehen, gefällt mir das. Wir plaudern ein wenig darüber, dass es doch so leicht sein kann, sich kennen zu lernen, wenn man nur mit offenen Augen und Herzen durch die Welt geht, um dann zufällig jemandem zu begegnen, mit dem man sich unverkrampft unterhalten kann. Dieses Unverkrampfte erhalten wir uns auch, als wir feststellen, dass der jeweils andere lauter Lebensmittel für ein (dann sehr wahrscheinlich) leckeres Essen eingekauft hat und wir uns kund tun, dass wir gerne kochen. „Gehen Sie denn auch gerne mal Essen?“, will er wissen. Natürlich täte ich das, was ihm denn da so vorschwebe. Und so kommt es, dass wir uns für den kommenden Abend zum Essen beim Inder verabreden, der schräg gegenüber von mir ist (was er zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht weiß).

Als wir einen Tisch bekommen, denke ich an die Dates zurück, die ich bei diesem Inder in den letzten Jahren hatte. Mit Micha war ich hier. Mit Jörg. Mit jemandem, dessen Namen ich vergessen habe, nicht aber das Essen, das ich hatte. Er könnte Thomas geheißen haben. Der war der allererste Mann überhaupt in meinem Leben, von dem ich den klassisch-klischeehaften Satz „Gehen wir zu dir oder zu mir?“ hörte. Gott, fand ich das geil an diesem Abend, endlich die Wahl zu haben!

Mit ihm rede ich über Indien, über anderes Essen, über das Geschichtenschreiben, über Kinder, über gescheiterte Ehen. Und als das Restaurant zwei Stunden später leer wird und ich ihm ein Buch mit einer Geschichtensammlung zeigen möchte, lade ich ihn noch auf einen Tee (mangels Espresso) in meine Wohnung ein. Noch immer unverkrampft. (Um das mal vorweg zu nehmen: es bleibt auch unverkrampft bis zum Ende.) Wir trinken den Tee auf dem Sofa, völlig stillos aus Kaffeebechern. Dabei streichelt er mir den Rücken über dem Kleid, den Nacken im Ausschnitt, nur mit den Fingerspitzen. „Du hast ja kalte Hände.“ merke ich an, dabei frage ich mich, ob das seine Nervosität ist. Ich nehme seine Hände in meine, um sie zu wärmen. Ich kann das, weil ich eine untypische Frau bin – immer warme Hände und Füße. Das fällt auch ihm auf. Und meine Geste scheint ihn dahingehend zu ermutigen, dass er fragt „Und meine Lippen?“ Kuss. Warm!

Und wie das halt so ist, ne, ein Kuss ergibt den nächsten, eins führt zum anderen und schwuppdiwupp und hastenichtgesehen finden sich beide plötzlich im Bett wieder. Einer nackter als die andere. Aus Gründen.“Mir macht das nichts aus, dass du deine Tage hast.“ – „Mir aber!“ Es ist immer das Gleiche. Ich denke: so ein Tag der Tage ist die ideale Gelegenheit für ein erstes Kennenlernen. Und kurze Zeit später beschimpfe ich mich innerlich und ärgere mich und quäle mich, weil ich doch immer so geil werde, dass ich mich vergessen will und mir das immer selber einbrocke, dass ich dann nicht richtig ficken kann! Mann! Aber da es ihm wirklich nichts ausmacht, beschäftigt er sich auf interessante Art und Weise mit allem, was nicht durch Stöpsel verrammelt ist. Und auch trotz Stöpsel. Dass er so fasziniert und begeistert ist, mag daran liegen, dass er selber in dieser Hinsicht noch im Urwald lebt. Komischerweise störe ich mich dieses Mal nicht so sehr daran, wie ich das von mir selbst erwartet hätte. Naja, vielleicht ist er nun inspiriert, wenigstens mal mit einer Schere zu experimentieren. Es wird heiß und heißer und wild und leidenschaftlich, so dass auch er schließlich ein Happy End einer Art hat, dass ihm das Hirn weg fliegt. Ich höre sowas.

Wir wollen das fortsetzen. Vertiefen. Sehr vertiefen! Vorausgesetzt, meine Nachricht heute Früh nach seinem „In der Nase habe ich noch deinen Duft. Und meine Zunge befühlt noch die steife Weichheit deiner Muschi  mit dem Geschmack, der mich steif werden lässt! ummmm… lecker!“ mit einer erweiterten Information über meinen Beziehungsstatus schreckt ihn nicht ab. Dies war nämlich das Einzige, was sich für mich im Nachhinein falsch anfühlte – es versäumt zu haben, ihn darüber ins Bild zu setzen.

 

 


 

Ein paar Gedanken zur „offenen Beziehung“

Kein Plädoyer dafür, dass dies die einzig wahre oder richtige Beziehungsform für Jedermann und zu jeder Zeit ist. Mitnichten. Wer in einer geschlossenen Beziehung glücklich ist, hat uneingeschränkt meinen Segen. Sofern beide Partner damit glücklich sind, wohlgemerkt.

Aber ein paar Differenzierungen für diejenigen, die sagen: wer eine offene Beziehung führt, kann nicht richtig lieben. Verliert sich im Sex. Ist bindungsunfähig. Muss emotional gestört sein. Ist wahllos. Macht alles und mit jedem. Auch hier: mitnichten!

Offene Beziehungen können sehr bunt sein. Ebenso wenig wie bei klassischen geschlossenen Beziehungen sprechen wir hier von einer homogenen Gruppe von Personen, auf die pauschal anwendbare Urteile zutreffen.

Eine Beziehung, die nicht einvernehmlich offen ist, das heißt, in der einer der Partner ohne das Wissen des anderen auch sexuelle Beziehungen zu einer oder mehreren Personen unterhält (gleichzeitig oder nacheinander), ist wohl die typische „Fremdgeh-Situation“ in der klassischen Paarbeziehung. Pauschal zu verurteilen. Richtig? Betrug, richtig? Ich behaupte: nicht unbedingt. Ich behaupte: hier gibt es ganz andere Probleme innerhalb der Beziehung, welche Kommunikation erschweren oder unmöglich machen. Eine generelle Konfliktvermeidung z.B., Mangel an Empathie, Mangel an Selbstreflexion, was eigene Bedürfnisse angeht, etc. Vermutlich würde ich, wenn ich intensiv suchen würde, eine Studie dazu finden, aber ich erhebe nicht den Anspruch auf lückenlose Erörterung, sondern sammle nur Gedanken dazu. Wenn die Alternative zur Nichteinvernehmlichkeit die Trennung wäre, welche aus diversen Gründen noch weniger denkbar wäre, dann kann das „Fremdgehen“ eine Beziehung aufrecht erhalten, vielleicht sogar stabilisieren. Der Fremdgeher ist ausgeglichener, das zieht seine Kreise, alle sind zufriedener. Für eine gewisse Zeit zumindest kann das funktionieren. Langfristig eher nicht, denn da sind ja noch die anderen Probleme innerhalb der Beziehung, die diesen Weg überhaupt haben notwendig sein lassen…

Dann stellen wir uns die einseitig offene Beziehung vor, in der eine Einvernehmlichkeit darüber besteht, dass der eine Partner auch Beziehungen zu anderen unterhält. Vielleicht ist diese nur zähneknirschend, damit der andere überhaupt bleibt, ein Kompromiss. „Tu es, aber ich will davon nichts wissen.“ Vielleicht ist diese Einvernehmlichkeit aber auch durch Gespräche über gemeinsame Ziele, über gemeinsame Unzulänglichkeiten trotz der Liebe zueinander entstanden. Einer behindert, lustlos, oder auf sonst irgendeine Art beeinträchtigt, dem anderen aber nicht im Wege stehen wollend, die Bedürfnisse zu befriedigen. Wer will verurteilen, wenn ein Paar so entscheidet?

Dann gibt es die offene Beziehung, in der beide Partner gleichberechtigt sind, Beziehungen zu anderen zu unterhalten. Bunt, bunter, am buntesten, denn auch diese müssen nicht beinhalten, dass alles erlaubt ist. Sie können sich sehr durch (idealerweise) gemeinsam ausgesprochene Regeln unterscheiden, durch welche die Exklusivität der Liebesbeziehung des Paares zu den sexuellen Kontakten mit anderen abgegrenzt wird. Manchmal entwickeln sich die Regeln erst aus der Erfahrung, was für den einen oder beide in Ordnung ist und was sich falsch anfühlte, auch abhängig von der Art und Weise, wie intensiv, wie oft, ob überhaupt mit dem Partner über die anderen Kontakte gesprochen wird, wie viel vorher, wie viel hinterher. Es geht hierbei also darum, wie viel „Alleinstellungsmerkmal“ die Liebespaarbeziehung (oder Hauptbeziehung) gegenüber den anderen Personen hat:

  • Küssen erlaubt bzw. erwünscht – ja/nein
  • Welche sexuellen Praktiken erlaubt – ja/nein
  • Freizeitbeschäftigungen außerhalb sexueller Aktivitäten erlaubt – ja /nein (und wenn ja welche…)
  • Übernachtung beim anderen erlaubt – ja/nein
  • Information und Erlaubnis vorher nötig – ja/nein
  • Lebenszeichen zwischendrin abgeben  – ja/nein
  • Du darfst mit anderen Männern, aber ich will anwesend sein und eingreifen können – ja/nein
  • u.v.a.

Hierzu ein paar etwas bekanntere kategorisierende Begriffe:

Das Cuckold-Paar: Die eine Person muss zusehen, wie die andere von anderen Menschen sexuell befriedigt wird. Falls dieser Begriff unbekannt ist: Der/die Cuckold zieht Lustgewinn aus der restriktiven Maßnahme. Hier hat eigentlich nur die eine Person sexuellen Kontakt zu anderen, die andere ist aber dabei und Teil des Szenarios.

Das Wifesharer-Paar: Der Mann genießt es, es macht ihn stolz, gar geil, dass seine Frau von anderen Männern (oder auch Frauen) begehrt und sexuell befriedigt wird. Das muss nicht seine Anwesenheit voraussetzen.

Polyamore Beziehungen: nicht nur Sex, auch Liebe zu anderen ist möglich. Da kann es Hauptbeziehungen und Nebenbeziehungen geben, sogar polyamore WGs, in denen mehrere Personen untereinander und miteinander Beziehungen führen.

Tatsache ist: offene Beziehungen setzen voraus, dass man gönnen kann. Sich selbst, und dem Partner. Sie setzen Genussfähigkeit voraus, denn ohne zu genießen, brauche ich auch keine anderen Mitspieler (wenn dem doch so ist, haben diejenigen recht, die ein pathologisches Geschehen dahinter vermuten). Sie setzen ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit voraus (wer bin ich, was brauche ich, was will ich, was nicht). Sie setzen voraus, Liebe und Sex voneinander trennen zu können bzw. Sex nicht von Liebe abhängig machen zu müssen und idealerweise auch unterschiedliche Arten von Liebe differenzieren zu können.

Puh. Es wäre leicht, sich hier in Begrifflichkeiten zu verstricken, da dieses Feld sehr breit ist. Bunt eben. Ich wehre mich auch gegen zu strukturierende Begriffe, die Beziehungen und Sex in Schubladen packen und dabei nicht im Geringsten abbilden können, um was es dabei eigentlich geht: Selbstverwirklichung, Spaß, Liebe, Befriedigung, Zufriedenheit.

 

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Nicht mit mir!

Ort: Indoorspielwelt.

Zeit: Vor wenigen Jahren.

Anwesende: 3 Erwachsene (L, M und S), 2 Kinder.

M: „Wie hast du ihn denn kennen gelernt?“

L: „Auf einer Fortbildung.“

M und S sind Muggels. Nichtswinger. Denen die wahren Umstände zu erklären, hätte Etliches an Anschlusserklärungen bedurft und wegen der Anwesenheit der Kürzeren auch Fragen aufwerfen können, die ich dringend vermeiden musste. Auch, wenn die Kürzeren nun in der Halle verschwanden.

M: „Weil da steht, ihr seid in einer offenen Beziehung. Wann wird die denn fest?“

L: „Fest ist sie ja. Aber eben nicht geschlossen. Sondern offen.“

M: „Aha.“ Zu S gewandt mit so viel Augenzwinkern und Hundeblick, dass sie zwar verkaufen könnte, es sei ein Scherz gewesen, es dennoch ernst meinend: „S, können wir auch eine offene Beziehung haben?“

S: „Bist du bescheuert? Ohne mich! Dafür musst du dir einen anderen Dummen suchen.“

2 Jahre später: M wirft S raus, weil dieser wiederholt sein eigenes Ding gemacht hat. Nicht einmal primär sexuell.

Gegenwart: S wird Vater. Nicht des Kindes von M. Während der Schwängerung dieser Dame lebte er noch mit M zusammen, hatte auch noch Sex mit ihr. („Ach, Schatz, lass uns doch heute mal ausnahmsweise und nur zum Spaß ein Kondom benutzen“ – nein, das sagte er nicht. Täte wohl keiner der Muggel in dieser Situation.)

L erfährt das. Lacht schallend!

Hachja. Diese Moral.

 

 

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