Ja, die Hormone.

„Tun Sie mir den Gefallen: Gehen Sie gleich raus in die Sonne, sonst werden Sie mir noch krank. Ich muss Ihnen nicht erklären, was die Hormone mit uns anstellen.“

Das war Donnerstag. Sie hatte Recht. Es tat mir gut, lichtete die Dunkelheit in mir.

Freitag und Samstag ging es mir richtig gut. Es war klar: ich werde kämpfen! Denn so geht das nicht – nicht in unserem Haus und erst dreimal nicht in unserer Abteilung! Da hat sich jemand zu weit aus dem Fenster gelehnt. Ich redete weiterhin mit mir selbst und klärte mich, schmiedete Pläne, an welche Personen und Gremien ich mich wenden würde, wem ich mailen würde, was ich vorbringen und fragen würde. Der Nebel verschwand, und ich war wieder klar, gefasst, positiv gestimmt.

Heute Früh wache ich auf. Hell. Das Handy liegt neben meinem Bett, weil ich es auch immer als Wecker nutze. Meeresrauschen weckt mich dann. Ansonsten ist es ständig stumm und kann darum auch nicht meinen Schlaf stören, der in der Regel sehr tief ist. Viertel vor 8. Also wanke ich in die Küche, nehme meine Tabletten, setze Kaffee auf. Gehe ins Wohnzimmer. Viertel vor 7. Dies ist eine Funkuhr. Gehe wieder in die Küche. Schaue noch einmal auf die Wohnzimmeruhr. Aber… Notebook sagt auch „Viertel vor 8“. Hab ich denn in den letzten Jahren mein Handy und das Notebook umstellen müssen bei der Zeitumstellung?

Verwirrung. Die Wohnzimmeruhr läuft doch. Habe ich die mal umstellen müssen? Was ist da passiert? Muss ich die Batterie wechseln? Verwirrung. Die Hormone, das merke ich am fiesen Ziehen im Unterleib. Heute ist also kein guter Tag, um klar zu denken und Entscheidungen zu treffen.

Alles wiederholt sich

Hab ich es mit dem letzten Beitrag herbei geschrieen? Herbei geschrieben? Ich gehöre nicht zu den Menschen, die wirklich daran glauben, dass auf gute Zeiten unweigerlich schlechte folgen müssen.

Umso mehr frage ich mich heute, was mit mir verkehrt ist. Zweifle an mir, ob ich so verkorkst-rebellisch-anti Autoritäten-von der Vergangenheit gebrannt bin, dass ich das Maß verloren habe.

Ich habe Kopfschmerzen vom Rotz und von der Wut. Von der Enttäuschung. Und ich weiß, dass es mir heute scheiße gehen darf, das hat die Ärztin mir bestätigt. Ich weiß, dass es normal ist, heute zu zweifeln, mich selbst zu bemitleiden, und genauso weiß ich auch aus früheren Krisen, dass alles wieder gut werden wird. Vielleicht sogar besser. Das bewies mir meine Vergangenheit: „Am Ende ist alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Vorhin im Auto, noch heulend und zitternd, sagte ich mir laut: „Ich bin ein Glückskind! Mir wird etwas widerfahren, so dass alles gut wird!“

Aber jetzt im Moment sind die Zweifel da. Das Zögern, ob das und das und das was für mich wäre. Überall finde ich ein ABER, ich sehe heute vor allem meine Grenzen. Das ist normal, das ist ok. Ich muss das aushalten. Und dennoch muss ich loslassen, rauslassen, reden. Das tu ich seit Stunden. Mit Freunden, ehemaligen Kollegen, vor allem mit mir selbst. Ich habe bereits Stichworte für folgende Gespräche notiert, um all das Gute und Richtige, was in meinem Kopf herum schwirrt, bei all der Verwirrung nicht wieder zu verlieren. Der Spaziergang um den See und das Sitzen auf der Bank in der Sonne haben mir gut getan. Aber da sitzt immer noch so viel fest, darum tut mir ja der Kopf so weh. Ich hasse es. In den letzten Jahren habe ich mich vor genau dieser Situation schützen wollen, konnte sie aber nicht verhindern. Momentan grüble ich sogar eher darüber nach, ob ich nicht im Sinne einer Selbsterfüllenden Prophezeiung das Geschehene forciert habe (s.o. rebellisch…)

Mit einem kann ich heute nicht reden. Ich könnte, aber ich will nicht. Das letzte, was ich gebrauchen kann, sind Weisheiten und Erfahrungen aus seiner Perspektive. Lösungsorientiert. Generalisierungen aus Erlebnissen, die sich nicht im Geringsten auf meine Situation übertragen lassen. Ich würde ungerecht werden in meiner jetzigen Stimmung, darum spare ich es mir lieber gleich und bleibe für mich. Rede mit mir. Mit diesem Monitor. Lasse raus, sortiere, leide.

(Und – oh Wunder – er versteht es nicht.“Manchmal muss man eine Hürde überwinden, damit man Erleichterung finden kann.“ GENAU SOLCHE Ratschläge kann ich gerade NICHT gebrauchen!)

Verzeihen muss ich irgendwann. Heute fühlt es sich noch unmöglich an, heute möchte ich lieber eine Voodoo-Puppe basteln. Immerhin habe ich ein kleines bisschen einer anderen Frau verziehen, indem ich sie heute angerufen habe. Aber irgendwie fühlte es sich nicht so erleichternd an, wie ich gehofft hatte.

Erst einmal drüber schlafen. Morgen ist ein neuer Tag.

 

Reibungslos

Bin morgens ausgeschlafen aufgewacht, ohne dass mich ein Wecker aus Träumen reißen musste, und ich hatte Zeit.

Das Spiegelei schmiegte sich perfekt in die kreisförmig eingerollte Baconscheibe.

Die Zuckerpaste hatte auch nach drei Wochen noch die richtige Konsistenz und griff wunderbar. Die Reste konnte ich problemlos mit dem Epilierer entfernen. Das Sonnenlicht im Wohnzimmer zeigte mir auch alle Haare an Möse und Unterschenkeln, an die ich noch ran musste.

Die Spülung war nach dem dritten Mal fertig und ich blitzesauber.

Der Plug blieb dort, wo er hin sollte, so dass ich zur vereinbarten Zeit nur die Tür aufdrücken musste und meinen nackten Arsch bepluggt in seine Richtung strecken konnte. Wie er sich an mich heran schlich und mich bespielte, machte mich außerordentlich heiß, wusste ich doch, dass ich ihn einfach machen lassen konnte und er alles so tun würde, dass wir beide unseren Spaß haben würden. Das alles macht mich so nass, dass er sich endlich den Wunsch erfüllen konnte, sich in mich hinein zu schrauben. Als er die Hand wieder heraus zog, platschte es auf mein Bett. Am Ende mein Kopf auf der Bettkante, sein Schwanz in meinem Hals. Ich liebe es, wenn er das tut.

Pünktlich nach 33 Minuten ging er aus der Haustür.

Die Dinge, die ich auf meinem Einkaufszettel hatte, waren allesamt im Angebot. So blieb noch mehr übrig, als ich gehofft hatte.

Den Flirt von Dienstag nahmen er und ich wieder auf, um ihn voran zu treiben. Wir sind rattenscharf aufeinander.

Die perfekte Suppe, weil die perfekten Zutaten drin sind. Ich muss sie nicht teilen, sondern kann sie alleine essen.

Ein neuer Flirt mit spontaner Begeisterung von beiden Seiten. Da ich mich heute Früh schon akribisch vorbereitet habe, muss ich gleich nichts mehr tun, sondern nur noch unter die Dusche springen.

 

Eigentlich müsste doch jetzt mal was schief laufen.