Glückskeks

Wir waren chinesisch Essen. Buffet. Pappsatt nahm ich mir zum Ende trotzdem einen Glückskeks aus der Schale. Der Spruch, den ich herauszog, lautete „Eine Einladung an einen Ort des Vergnügens.“ Sofort witzelte ich, ich würde sicher eine Mail bekommen mit dem Wortlaut „Hast du Lust, mit mir in den Swingerclub zu gehen?“ Alter Hut. Dann stellte ich fest, dass da ein zweiter Spruch drinnen war. „Jetzt können Sie es sich erlauben, etwas kürzer zu treten.“ Dazu fiel mir allerdings gar nichts ein. Trotzdem hängen diese Zettel seit einer Woche an meinem Kühlschrank, weil vielleicht Monate später die Prophezeiungen eintreffen könnten und ich dann eine Zuordnung vornehmen könnte. Schließlich bestätigte mir die Kellnerin, dass es nicht üblich ist, dass ein Glückskeks zwei Sprüche beinhaltet. „Sie haben ja ein Glück!“ Sagte ich das nicht schon vor zwei Wochen? Es musste also irgendetwas zu bedeuten haben. So wie ein Suchbild  – Die ersten drei Worte, die du hier findest, bestimmen dein Jahr 2017! – die Worte Arbeit, Wohnung und Habichschonvergessen hervor brachte. Das ist wie bei Horoskopen: die sagen Alles und Nichts aus. Das ist der Barnum-Effekt.

Heute ordne ich zu! Man wollte mich nicht mehr – nicht ausreichend qualifiziert und außerdem Quertreiberin mit großer Klappe. Zusätzlich musste ich mir später anhören, hier habe sich aber irgend jemand stark parfümiert. (Nur sie und ich waren in dem Gang, als sie das sagte.) Da ich jeweils nur einmal Pffft und nicht etwa Pffft Pffft Pffft mache, reagierte ich darauf nur mit „Finden Sie? Ich merke nichts.“ Aber meine Nägel sind ja auch zu rot und meine Schuhe zu hoch. Dies jedenfalls aus der Perspektive einer Frau (jünger als ich), die so attraktiv ist wie ein Stück Treibholz: Kann man urig finden und sich darum als Deko ins Bad legen. Kurz darauf wandert es in den Keller und wird irgendwann verfeuert.

Das also war Punkt „Arbeit“. Halt, es geht ja noch weiter! Erwähnte ich neulich, dass Krise und Veränderung auch eine Verbesserung nach sich ziehen kann? Das nämlich habe ich heute erfahren! Ich bin ein Glückskind und bekomme ohne jegliche Anstrengung und weitere Verzweiflung die nächste Chance. Durch eine „Einladung an einen Ort der Freude.“ Mit anderen Worten: Ich kehre zurück dorthin, wo ich schon einmal war. Wo ich mich zuhause fühle. Wo ich geschätzt werde und mehr als willkommen bin. Alle sind glücklich. Am allermeisten ich.

Bevor also in den nächsten drei Monaten noch mehr persönliche Spitzfindigkeiten den Besitzer wechseln und auch meine Handtasche oder die Länge meiner Röcke nicht mehr angemessen erscheinen, kündige ich. Und wir müssen uns nur noch zwei Monate abzüglich Urlaub und Überstundenabbau ertragen. Himmel, wird das ein Spaß morgen!

Jetzt warte ich auf „Wohnung“ und „kürzer treten“.

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