Kreislauf!

Hello. So beginnt Nils immer. Im Chat, per Mail, per Whatsapp. Nicht, dass er englische Wurzeln hätte, aber ein „hallo“ wäre zu normal, und er braucht den Auftritt. Er hat mir mal erzählt, dass er sich morgens vor den Spiegel stellt und diesem „Du bist der Geilste!“ sagt. Hervorragende Selbstsuggestion! Nils ist eher durchschnittlich, optisch wie beruflich, aber das spielt ja keine Rolle, weder für ihn selbst, noch für die Menschen, die ihn mögen. Und dazu gehöre ich. Nils hat ein gesundes Selbstbewusstsein, ohne ein Poser oder ein Arschloch zu sein. Er eignet sich als Coverer, als Stecher, als Freund, als Umzugshelfer (inklusive schleppen, alles die Treppen hochtragen und den Transporter in enge Winkel fahren), als Freund und Inspiration.

Er lockte mich mit einer Massage. Zu einem Kennenlernen bei ihm, an einem Sonntagmittag. Wir tranken einen Kaffee zusammen in seiner Küche, erzählten uns ein wenig über uns, kamen ins Knutschen, und kurze Zeit später lag ich auf seinem Bett, er drückte mir die Beine auf den Bauch und rummste mich derart in die Matratze, dass einem schwindelig werden konnte. Das Lustigste an unseren Begegnungen war immer, dass ER derjenige war, dem am Ende schwindelig wurde! „Kreislauf, Kreislauf!“ hechelte er, wenn er gekommen war. Herrlich.

Nils ist ehrlich und direkt, das schätze ich an ihm am meisten. Der Umstand, dass er mir eine Massage in Aussicht stellte, war auch nicht gelogen. Denn was konnte er denn dafür, dass ich unter Massage die Bearbeitung von Rücken und Nacken verstand, er aber die Titten meinte.

Mit Nils verbrachte ich tolle Stunden. Er war verlässlich, ein wenig berechenbar, aber vertrauenswürdig, und er sorgte sich um mein Wohl. Wenn wir uns für den Club verabredeten und ich ihn abholte, dann begrüßte er mich frisch geduscht und mit seinem Bademantel bekleidet an der Tür und rummste mich erstmal in sein Sofa. „So, jetzt geht’s erstmal.“ Im Club selbst war er dann entspannt genug, um zuzuschauen, wie ich von anderen gefickt wurde, er reichte Kondome, er passte auf, weil ich hinten keine Augen habe, er holte die Kerle ran, feuerte sie an und sagte ihnen, was die kleine Schlampe braucht. Nils war ein Gönner, ein Voyeur, ein Wifesharer. Und wenn ich ihn nach Hause brachte, rummste er mich noch durch. „Kreislauf!“

Nils stellte zweimalig seine Wohnung zur Verfügung, legte Matratzen in sein Wohnzimmer, ich besorgte Getränke und eine Kleinigkeit zum Essen, und dann machte er Fotos oder filmte, wenn ich von anderen gefickt wurde. Zwischendurch saßen wir alle zusammen und quatschten über Gott und die Welt. Und wenn die anderen verabschiedet waren, dann rummste er mich noch einmal durch. „Kreislauf!“ Morgens zum Kaffee gab es einen kleinen Joint, wir philosophierten über unser Leben und freuten uns, dass wir uns kannten.

Eines Morgens stand er vor der Terrassentür. Er muss gewartet haben, bis das andere Auto losgefahren war. Ich ließ ihn stirnrunzelnd rein, er schmiss mich auf den Küchentisch und nagelte mich einfach durch. „Jetzt kann ich zur Arbeit fahren. Und wisch das weg, da ist es nass geworden.“

Eines späten Abends – ich hatte gerade Besuch von jemand ganz Speziellem – klingelte mein Handy, und Nils rief an. Der andere, der mich gerade fickte, meinte „Geh ran!“ Und so ging ich ran, und Nils hörte an meiner Stimme, dass „ich habe gerade Besuch“ auch „IN meiner Möse“ beinhaltete. Die beiden passten insofern zusammen, als auch Nils genauso reagiert hätte (geh ran!), um den anderen zuhören zu lassen. Darum bin ich mir ganz sicher, dass beide ihren besonderen Spaß daran hatten, wussten sie doch beide, wie es sich anfühlt, in mir zu sein und wollten jeden anderen daran teilhaben lassen. Lust verdreifacht.

Es kam auch vor, dass er mich im Bademantel empfing, mir gleich die Augenbinde umband, mich zum Bett führte und mir dort die Brüste abband. Dann wurden Wäscheklammern an exponierten Stellen befestigt, und er fickte mich. Wenn ich Einwände nannte, hörte ich „Das wird schon gehen.“ Und es ging natürlich. Eines Tages spürte ich, dass er versuchte, etwas in mich hinein zu schieben, was dann letztlich aber doch nicht in mich wollte. Und währenddessen fragte ich mich, ob er mit dem Flaschenboden zuerst zu schrauben versuchte. Nachdem die Augenbinde weg war und ich das Teil in die Hand nahm („was zum Geier ist denn das?“), meinte er, seine Lavalampe sei herunter gefallen, und als er das Glasinnenleben in der Hand hielt, um es wegzuwerfen, drehte er es ein paarmal in der Hand und dachte „Luder!“ Er liebte es, mit mir zu experimentieren, war ich doch recht willig, dabei mitzumachen. Gegenstände und Gemüse in den Anus, dann Fotos davon knipsen. Eine lustige Zeit war das!

Und da er ums Eck wohnte, trafen wir uns auch regelmäßig. Dann zog erst ich weg, später er. Jetzt trennen uns zwar trotzdem nur 35 km, aber bis auf einen kurzen Besuch mit schlechtem Timing vor 2 Jahren schreiben wir uns nur noch und finden keine gemeinsame Zeit. Meine Bindung an den besonderen Mann an meiner Seite trug sicher auch dazu bei, dass Nils in den Hintergrund trat. An jenem Tag vor 2 Jahren stand er vor der Tür, kurz bevor ich Familienbesuch erwartete und klar Schiff machen musste. „Bück dich nicht so, sonst werd‘ ich rattig“, meinte er. Er würde aber auch rattig, wenn ich dies oder das tu – solange ich greifbar und er geil wie immer ist, kann ich nackt sein oder einen Sack tragen, denn dann will er mich über den Küchentisch beugen. Und während ich das schreibe, merke ich, dass ich ihm sofort mal eine Nachricht schicken muss, damit wir uns in Kürze endlich wieder sehen.

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