Wie es uns geht?

Lass es mich dir so erklären:

Lange Zeit war ich die einzige Pflanze auf seiner Terrasse. Er hegte und pflegte mich, und er wusste, wie er das zu tun hat. Mit Liebe, Aufmerksamkeit, besonderen Pflegemitteln. Ja, er gab quasi Seminare über die Pflege einer Pflanze wie mich, die er als ganz besonders innerhalb der Botanik wahrnahm und darstellte. So weit, so gut.

Dann kamen andere Pflanzen hinzu. Ich freute mich darüber, denn so war ich nicht die einzige. Mir gefiel es, nicht mehr die alleinige Verantwortung dafür zu tragen, dass er glücklich ist, und glücklich wollte ich ihn ja sehen. Er kümmerte sich weiterhin um mich und pflegte mich, wenn auch die Seminare nachließen. Auch, wenn er die anderen goß und düngte, so wurde ich dennoch exklusiv gebadet.

Aber dann. Ich weiß nicht, wie es geschehen konnte, ob ich es hätte verhindern können. Er goß mich wie die anderen. Die Worte, die er an mich richtete, waren nicht mehr exklusiv. Wir standen gleichwertig nebeneinander, er machte keinen Unterschied mehr, welche Pflanze er am liebsten hatte. Und wenn er gerade eine andere gepflegt hatte und direkt danach zu mir kam, erschien mir seine Pflege routiniert, pflichtbewusst. Der Dünger wurde fad. Eines Tages vergaß er, mich zu gießen. Wirklich: er vergaß mich einfach!

Da wusste ich, dass ich nichts Besonderes mehr für ihn war und machte mich vom Acker von seiner Terrasse. Lieber stehe ich wieder alleine in der Botanik, als dass ich eine gleichwertige unter Vielen bin.

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