Luder und der Bankfuzzi

Um das ganze Geld, das ich momentan über habe, nicht nur für Schuhe und Kleidchen und Chips zu verprassen, nehme ich endlich das Angebot meiner Bank in Anspruch. Ich lasse mich beraten. Zunächst über all die Änderungen, die für Fonds und Kontoführung und Allgemeine Geschäftsbedingungen angekündigt wurden. Bevor ich mich durch einen Wust von Schreiben und Listen und seitenweise AGBs kämpfe, lasse ich mir lieber erklären, was das speziell für MICH bedeutet. Um es knapp zu sagen – nicht viel. Er will mir noch sagen, dass Online-Banking günstiger sei, aber davon nehme ich lieber Abstand. Solche sensiblen Daten durch den Äther zu schicken, bereitet mir einfach Unbehagen.

Aber ich interessiere mich dafür, wie ich mein Geld auf unterschiedlich hohe Kanten legen kann, um dennoch im Notfall liquide sein zu können. Zahlen, Zinsberechnungen, Aktien und meine Wenigkeit leben nämlich nicht in der selben Welt, darum greife ich auf den Fachmann zurück. Bei Kaffee und belgischem Karamelkeks. AV (was in diesem Falle für Altersvorsorge steht), europäischer Fonds, Tagesgeldkonto, Renditekurven und eine Diskussion darüber, ob einmal im Quartal für 150 Euro die gleichen Gebühren anfallen wie für monatlich 50 Euro flitzen in unserem Gespräch hin und her. Muskulöser Oberkörper, aber ziemlich dicke Brillengläser. Dann konzentriere ich mich wieder auf seine Ausführungen.

„Für das Angebot bräuchte ich eine Mailadresse, aber die haben Sie ja nicht.“ – „Wie bitte? Ich habe *überleg und in Gedanken mitzähl* einige – welche wollen Sie?“ – „Mailadresse haben aber kein Onlinebanking wollen?“ (Dieser Gedankengang erschließt sich mir nicht ganz, aber statt zu diskutieren bewundere ich lieber seine Oberarme in seinem Hemd.) „Also gut“, meint er, „geben Sie mir die Adresse, die Sie am meisten nutzen.“ – „DIE kriegen Sie nicht!“ antworte ich mit einem Grinsen. Er grinst zurück. Und ab da ist er plötzlich viel entspannter, kann lächeln, reagiert auf einen meiner Witze und macht sogar selbst einen. Wieder grinst er. „SIE sind Schuld, Sie haben damit angefangen!“

Ein Kunde ist ein Kunde. Aber eine Kundin mit einer Mailadresse, die sie nicht einfach preisgibt, ist offenbar kundiger. Löst Muskeln und Stimmung.

Eine monatliche Sparrate für seine Gedanken!

 

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