F., die letzte.

Er fragt mich, wie es mir gehe. Da ich gerade koche, lese ich die Nachricht zwar, antworte aber noch nicht. Das macht blaue Häkchen. Seine nächste Nachricht ist: „Offenbar ja.“ Das sieht er daran, dass ich lesen kann, also nicht tot auf der Straße liege? Da ich um seine Kränkbarkeit aus Erfahrung schon weiß, schreibe ich, ich hätte am letzten Abend zu viel Wein getrunken, in der Nacht zu wenig geschlafen, dafür aber zu viel gearbeitet, da ich wegen einer Fortbildung Überstunden hätte machen müssen. Also wolle ich nur essen, duschen und dann ins Bett. Es folgt eine scheinbar verständnisvolle, aber vor Sarkasmus triefende Antwort (Kurzform: er komme sich wie ein Idiot vor und gelobe Besserung). Nur zum Verständnis frage ich nach – er komme sich wie ein Idiot vor, weil ich viel um die Ohren habe?

Es folgt eine Tirade. Gerade bei Whatsapp kann ich den Erregungszustand einer Person daran ablesen, ob sie zusammenhängende, nachvollziehbare Sätze schreibt – dies über mehrere Zeilen – den Inhalt überprüft und dann abschickt. Nicht so er. Innerhalb einer Minute haut er 11 kurze Nachrichten raus, die sich um ihn drehen, seine Rückschlüsse und Konsequenzen inklusive eines Abschiedes und Kusses beinhalten und sehr offensichtlich nicht zur sachlichen Auseinandersetzung einladen. Zumal ich müde bin und keine Lust auf Streit habe. Nun glaubt er, ER habe den Kontakt beendet. Dabei spare ich mir nur, ihn über meine Rückschlüsse in Kenntnis zu setzen.

(Zitat karrierebibel:) Narzissten zeichnen sich vor allem durch fünf zentrale Charakteristika aus:

  • Ein übersteigertes Selbstbewusstsein, welches jedoch
  • immer wieder durch Aufmerksamkeit bestätigt werden muss,
  • ein starkes Streben nach Dominanz,
  • mangelnden Willen, die Gefühlen anderer in eigene Entscheidungen zu integrieren und
  • eine gewissen Rastlosigkeit und Ungeduld.

Entsprechend genervt sind wir von solchen Menschen. Was sie so anstrengend macht ist vor allem:

  • Ihr übersteigerter Wunsch nach Anerkennung und Bewunderung: Ihr gestörtes Selbstwertgefühl braucht dauerhaft Streicheleinheiten. Sie profilieren sich gerne und stellen sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund.
  • Ihre mangelnde Kritikfähigkeit: Kritik verstehen sie als Bedrohung und können nur sehr schlecht damit umgehen.
  • Ihre mangelnde Empathiefähigkeit: Narzissten fällt es schwer, auf die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen einzugehen.

 

Man male sich seine Nachrichten/Antworten anhand dieser Aufzählung einfach selbst aus.

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Er ist wieder da.

oder: F. die dritte.

Mitten in der Nacht weckt mich das Blinken meines Telefons. Die Nachricht ist zwar schon eine Stunde alt, aber erst jetzt dringt sie zu mir durch. Eine Nachricht unbekannter Nummer, aber noch bevor ich diese aus meiner schlauen Kartei heraussuchen kann, erkenne ich das Profilbild. Neujahrsgrüße, er wisse nicht, ob diese Nummer noch aktuell sei, aber er würde sich freuen, wenn man mal nach so langer Zeit einfach quatschen könnte.

Fast zwei Stunden kann ich nicht schlafen. Überlege, wie und ob ich antworte. Lese unsere Mails und Chats durch. Rufe eines seiner Videos auf. Und statt hier den dritten unabschickbaren Brief an ihn zu schreiben, schreibe ich ihm zurück. Dass wir im Laufe des Tages sicher ein paar Minuten finden würden.

Morgens zeigt er sich erst sehr ungeduldig und hätte es fast versaut. Später, als ich zwar antworte, aber auf Smileys verzichte, meint er „deine Begeisterung hält sich in Grenzen“ und stänkert herum. Es folgt ein Schlagabtausch, in dem auch Begriffe wie „bockiges Kind“, „in der Vergangenheit rumrühren“, „Schuld zuschieben“, „Rumhacken“, „Spiegeleffekt“ fallen, bis wir uns besinnen. Wir finden wieder eine gemeinsame Linie. Ich erfahre, dass sie ihre Beziehung geöffnet haben, er ebenso wie ich die gemeinsame Zeit nie vergessen hat und weiterhin Menschen mit dem selben „Gierlevel“ wie er selbst es hat in sein Leben lässt. Weil es spät wird und ich meinen Schönheitsschlaf brauche, vertagen wir uns.

Morgens um 6 Uhr: 8 neue Nachrichten. Unter anderem eine Sprachnachricht, die noch geflüstert ist und mich sofort zerschmelzen lässt. Es ist der schiere Wahnsinn, welche Wirkung seine Stimme auf mich hat. 14 Sekunden, und ich bin Butter. Weitere 8 Sekunden, und ich bin wieder verliebt. Ich habe gerade meinen Rechner bei der Arbeit hochgefahren, da kommen weitere 25 Sekunden, und die Drecksau steckt schon mit der Zunge zwischen meinen Beinen. Ich bitte ihn, mich bei der Arbeit zu verschonen, weil ich mich im Kontakt mit gewissen Personen ohnehin zusammenreißen muss, um meine Professionalität nicht aufzugeben, und wenn er dann dazwischenfunke, sei es mit meiner Contenance schneller dahin. Per Sprachnachricht (25 sek.) entschuldigt er sich dafür, kitzelt mich aber gleichzeitig weiter. Die 1:25 eine Dreiviertelstunde später lässt mich kribbeln, durchblutet mich, macht mich praller (so wie ihn in diesem Moment) und lässt mich extrem geil an den Arbeitsplatz zurückgleiten. Gleiten ist ernst gemeint, denn ich spüre beim Gehen, dass das, was er prophezeihte, natürlich tatsächlich eingetreten ist. (Während ich das schreibe und die Nachrichten höre, kommen 5 neue Nachrichten an). Das Foto, das er mir nach dem Duschen anbietet, schlage ich aus, um mich überhaupt noch konzentrieren zu können.

Nach Feierabend telefonieren wir eine halbe Stunde. Keusch, vielmehr auf den neuesten Stand bringend und sich gegenseitig vergewissernd, dass wir immer noch die Alten sind und nicht minder geil aufeinander. Vertraut, das ist sehr schön, als wären keine 5 Jahre vergangen.

Gleich wird das Foto da sein. Und ich betrachte es als Startschuss für eine neue Ära F. und luderliederlich.