Wird eine Tür zugeschlagen, geht woanders ein Fenster auf.

Von der Wahrheit dieses Satzes bin ich schon lange überzeugt. Nicht erst seit dem Wechsel von meiner letzten zu meiner aktuellen Arbeitsstelle, aber dieser Wechsel hat es wieder bestätigt. Und im Zwischenmenschlichen ist das nicht anders. Dass ich damals in einen dieser Tastenwichser verliebt war (und enttäuscht wurde), hat mich letztlich geöffnet für jemanden, mit dem ich anschließend jahrelang emotional verbandelt war. Und da ich kürzlich wieder zu Lieben bereit war, ist mein Herz gerade sehr offen.

Vor wenigen Wochen hatte ich das Gefühl, mein Herz sei gebrochen. Eine der besten und wertvollsten Lehren, die ich daraus zog ist, wie wirksam und schnell ich in der Lage bin, mich wieder auszubalancieren. Natürlich bekam ich Hilfe durch Menschen, die ich täglich sehe, mein Schmerz wurde geteilt, ich durfte traurig sein und durchhängen, erhielt Stütze. Sobald jedoch „Männer sind Schweine“-Gesänge angestimmt wurden, unterband ich das. Denn das war und ist er nicht, er hat alles richtig gemacht. Die Häkchen wurden noch blau, ich erhielt Antwort und konnte so die Tür leise schließen, als dass sie einfach zugeknallt wurde. Ich kaufte mir schweinegeile Schuhe, und schon ging es mir besser. Ein paar Tage später äußerte ich noch einer Freundin gegenüber, ich hätte gerade nicht einmal Lust, mich von irgendeinem Mann durch Ablenkung trösten zu lassen, weil einfach Trauer angesagt sei.

Drei Tage später wurde eine Massage mit Eskalation geplant. Ich bekam wieder Lust, das Trübsal war wie weggeblasen, sogar ohne zwischenzeitlichen Blowjob. (Den konnte ich mir nicht verkneifen, weil ich gerade noch in Halterlosen dasitze und jemandem einen langersehnten Wunsch erfüllt habe.) Dass der Typ sich als unzuverlässig herausstellte und ich das Ganze darum platzen ließ, war an dieser Stelle glückliche Fügung, denn weil ich wieder so viel Lust hatte, ging ich aktiv auf die Suche, was ich sonst nicht tu. Genau genommen war es eine Anzeige, auf die ich dann sehr viel Resonanz erhielt. Es war viel Ausschuss dabei, wahllose Eindimensionalität, aber für den nächsten Abend fand sich tatsächlich jemand sehr Passendes! Daraus mache ich keine ganze Geschichte, nur eine Anekdote: Trotz Passung, Genuss, überraschend guten Elementen und kurzzeitiger Befriedigung war dies das letzte Mal. Ich mache mir doch im Vorfeld nicht so viel Arbeit mit der Auswahl, damit das Date dann nur eine Stunde dauert, weil er noch mit Freunden verabredet ist!

Und zwischen all den Mails: ER. Ein Blick zum Dahinschmelzen, viele viele Worte zum Mitdenken und vor allem Mitfühlen, ich war sofort hingerissen und bei ihm. In Gedanken und emotional, denn uns trennen etliche Kilometer. Darum lehnte ich mich aus dem Fenster, mit ihm müsse ich sogar in tieferen Kontakt treten, wenn er in der Schweiz leben würde! Wir schrieben uns den ganzen Abend, und dabei waren gefühlt höchstens 25 % der Themen sexueller Natur. Wie sehr ich Feuer und Flamme sein kann, wenn mich jemand berührt, ist dem geneigten Leser sicher schon das eine oder andere Mal aufgefallen. Ja, ich bin sehr begeisterungsfähig, und so telefonierten wir noch am selben Abend. Nämlich nachdem wir beim Thema Empathie ins Diskutieren kamen und er schrieb, darüber würden wir uns beim ersten Date ausführlicher unterhalten. Ich fragte augenzwinkernd, wie viele Stunden er denn für unser erstes Date ansetzen würde. „2-3 Tage.“

Dies sollte von morgen bis Freitag sein. Leider wurde daraus aus beruflichen Gründen nichts, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Das Warten führt eher zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Vorteilen des Wartens. Hier meine Zwischenergebnisse:

  • Er ist nicht XYZ. Er ist kein Ersatz, kein Lückenbüßer, nur weil es Ähnlichkeiten gibt in Hirn und Gesicht und Gesinnung. Es gibt genügend Unterschiede, von denen einer eher schade ist (naja zwei, die Entfernung mitgerechnet, und nein, der andere ist nicht körperlicher Art), die anderen jedoch einen Gewinn darstellen. Ich habe Zeit, noch mehr Unterschiede zu suchen, um eine emotionale Vermischung auszuschließen!
  • Wartenmüssen ist Wollenlevelhalten. Wenn das gelingt und das Verlangen bleibt, dann hat es sich gelohnt. Wieder einmal.
  • Mehr Zeit heißt mehr gemeinsames Gespräch auf der Metaebene, welches bei Anwesenheit, Geruch, Geilheit und Gier zu kurz kommen könnte. Da er ebenso wie ich offene Worte favorisiert und emotional deutlich offener und sogar kompetenter zu sein scheint als XYZ, nicht nur kopflastig, können wir die Wartezeit mit vielen wertvollen Gedanken und Bildern füllen.

Schluss mit der Aufzählung. Gestern Abend hat er mich glücklich gemacht. Nicht nur er, auch ich habe momentan bei der Arbeit erheblichen Stress mit Mehrarbeit und Zeitdruck. Das führte dazu, dass unsere Nachrichten kürzer und seltener wurden, nicht aber die Verbindung sich änderte. Offenbar. Er schrieb mir, er sehe mich nach wie vor an erster Stelle, während ich im selben Moment das Gleiche an ihn schrieb. Unsere Nachrichten überschnitten sich, so wie der Inhalt sich überschnitt. Dass ich mich darüber so freute, war für ihn erregend. Eine verrückte Verbindung haben wir da, und ich meinte, ich könne doch nicht schon mit Gefühlsduselei ankommen, bevor wir uns jemals persönlich begegnet sind. Langer Rede kurzer Sinn: ich darf. Er tut es auch. Ich konnte gar nicht anders, als erleichtert ein paar Tränchen zu vergießen. Und wir freuen uns schon auf die gemeinsame Zeit, wann immer genau diese sein wird.

P.S.: Ich habe am 8. Oktober eine Verabschiedungsnachricht an XYZ geschrieben und seine Nummer gelöscht.

 

 

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