Billisch

In einer Regionalbahn irgendwo zwischen Düsseldorf und Duisburg an einem späten Samstagnachmittag.

Junge Damen in einer Viererlounge, von denen 3 offenbar zusammengehören und die Vierte nur Pech hat, dass dort noch ein Platz frei war. Die 3 Damen sprechen ziemlich laut, zischen die ch-Laute in jedem Wort wie in einer schlechten Bülent Ceylan-Parodie.  Zwischen ihnen stehen Einkaufstaschen aus Papier mit verschiedenen Markenaufdrucken. Sie tragen ihre Sonnenbrillen an diesem verregneten Tag im Haar.

„Isch meine doch nur, dass die Brüste von Mandy zu groß für den Rest von ihrem Körper sind. Da passen die Proppetionen nischt mehr. Aber sonst finde isch sie ja auch toll.“ Dabei fährt sie mit ihren Nägeln durch ihr blond-und schwarz-gesträhntes Haar. Die Nägel sind ebenfalls halb weiß und halb schwarz. Längs. Sie trägt offene Schuhe, so Latschen mit pinken Fellpuscheln vorne. Früher nannte man sowas Hausschuhe, heute ist es heißer Scheiß bei Wish.

Die Vierte ist sichtlich genervt. Das T-Shirt mit Oomph-Aufdruck, ihr schwarz bemaltes Gesicht, ihre Stiefel mit Nieten schreien: holt mich hier raus!

Mandy antwortet: „Aber die Menschen haben ja auch unterschiedlich große Brüste. Da kann jeder haben, womit er sisch wohlfühlt. Isch fühle misch mit diesen total wohl, sie unterstreichen meine Persönlischkeit.“

Es folgt eine Gespräch über Nicolle, die heute leider nicht dabei sein kann, weil sie gerade mit Rico Schluss gemacht hat und darum voll am Boden zerstört ist.

Während ich ihnen zuhöre, läuft die ganze Zeit in meinem Kopf ein Lied.

Sie war nicht besonders helle
sie war eher etwas schlicht
sie lachte immer an der falschen Stelle
und leise lachte sie nicht
In ihrer Wohnung hingen Poster
von den Backstreet Boys und Take That
sie las keine Bücher
höchstens mal einen Douglas-Prospekt
Wen interessieren schon innere Werte
wenn die Verpackung so dermaßen stimmt
das, was ich an ihr begehrte
waren nicht ihren inneren Werte
Ihr Körper entzündete ein Feuer
und ihre Stimme blies es wieder aus
es kam wirklich so ungeheuer
viel aus ihrem Mund heraus
Sie kicherte in ihr Handy
und schrieb den ganzen Tag SMS
ihr Name war tatsächlich Mandy
na und, gibt Schlimmeres
Nur die Pointe des Liedes passt sicher nicht dazu, aber dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Zeh dabei sowas vor Augen hatte.
Mandy zupft ihre kurze Leggings zurecht, reckt sich und macht die Blicke frei für ihre schnörkeligen Tattoos. Sie schürzt ihre Schlauchbootlippen, bevor sie einen Schluck Evian trinkt, dabei scheinen ihre pinken, 5 cm langen und nach unten gebogenen Fingernägel etwas störend zu sein, denn der Deckel fällt ihr beim Wiederaufschrauben zweimal herunter.
„Mansche sagen ja, isch bin billisch, Aber billisch auszusehen kann ganz schön teuer sein. Hallo – die Brüste, die Lippen, die Stirn, die Tattoos, die Klamotten – das muss alles auch bezahlt werden. Eigentlich bin isch ganz schön teuer.“ Und dann lachen alle. Laut. Sogar die Umstehenden. Nur ich, ich schreibe schon in Gedanken diese Geschichte. Und die Schwarze schneuzt sich hörbar.
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Essen.

Ein Teekesselchen. Höhö.

Mit dem Handy in den Chat war blöd. Mit Notebook dagegen ist es wie früher. Für den Quizabend muss man auch echt fix tippen können, sonst hat man keine Schnitte. Und es hat sich gelohnt: ich habe eine virtuelle Trophäe bekommen! Nach dem Happening blödle ich mit einer mir nicht unähnlichen Mitchatterin herum und mische mit ihr den Raum ein bisschen auf. Ohne jegliche Provokation kann es da nämlich recht still sein, man glaubt es kaum.

Von der Seite schaut jemand unserem Treiben zu. Reagiert eher mit kurzen Sätzen und nachdenklichen Smileys. Richtig so: er macht sich in Ruhe ein Bild, mit wem er es da denn zu tun hat. Weil meine Wunschsuperkraft, sollte jemals die gute Fee kommen und mich fragen, Gedankenlesen ist, tippe ich in seine Richtung: „Sag doch auch mal was dazu, Hase. Ich habe doch recht, nicht wahr?“

Ein Kosewort baut Verbindung auf. Das Gegenüber fühlt sich gesehen. Je abwegiger der Kontext ist, umso eher.

Mitchatterin fragt ihn, wie alt er sei. 33, antwortet er. Sie sofort mit lachendem Smiley: „Deiner, Luderliederlich!“ Sie weiß um meine Vorliebe, die bei ihr genau umgekehrt ist. Darum verstehen wir uns auch so gut: wir graben uns nicht gegenseitig das Wasser ab! Es ist Samstag.

Am nächsten Abend begegne ich ihm wieder. Eine andere Blödeldame und ich entscheiden einfach, ihn als Sklaven einzusetzen. Sie sucht einen Putzsklaven, und kochen dürfe der auch, ich erhöhe auf 24 Stunden-Sklave: davon dürfe er 8 Stunden insgesamt schlafen, 8 Stunden kochen, und die anderen 8 Stunden seien für sexuelle Gefälligkeiten, insbesondere als Lecksklave. Diese Offensivität gefällt ihm offenbar. Im Hintergrund schreibt er mir, er habe da sehr viel Ausdauer, nicht dass ich vor Ablauf der 8 Stunden schlapp machen würde. Ebenfalls im Hintergrund schlage ich vor, weil doch am nächsten Donnerstag ein Feiertag sei, würde ich die 24 Stunden dorthin legen und es darauf ankommen lassen, die Herausforderung anzunehmen. Er schlägt ein. Wir sind beide in Abenteuerlaune, entscheiden, nur grobe Eckdaten auszutauschen und uns ansonsten überraschen zu lassen, und dann erhält er meine Adresse. Es ist Sonntag.

Ich erhalte per Mail von ihm eine Einkaufsliste für das Menü, das er geplant hat. Den Großteil habe ich ohnehin da, ein paar Kleinigkeiten sind schnell besorgt, und für das Filetsteak von der Färse muss ich auch nur zum nächsten Fleischer 6 km weiter. Abends telefonieren wir. Tauschen uns darüber aus, ob unsere gutgläubige Vertrauensseligkeit nun Naivität oder einfach positives Urvertrauen ist. Wir einigen uns auf Letzteres. Und was habe ich zu verlieren? Wenn er kneift, hat er den größeren Verlust. 😉 Er dagegen sagt sich, dass er diese Gelegenheit für unkomplizierten Sex mit einer Prise Abenteuer so schnell nicht wieder bekommt. Dabei lässt er gleich durchblicken, dass er eine Übernachtung geplant hat. Ups, so weit war ich doch gar nicht! Zumal ich zugesagt habe, am Freitagvormittag bei einem Umzug mit anzupacken. Es ist Montag.

Urlaub. Zuhause Sachen erledigen. Er lädt ein Foto hoch, das einen richtig süßen Apfelpo und daneben ein Attribut offenbart, welches ich eigentlich bei Männern nicht mag. Eigentlich. Es ist Dienstag.

Vorbereitungen treffen, an mir selbst, der Wohnung und für den Inhalt des Kühlschrankes. Massageliege aufbauen. Noch typischen Urlaubskram erledigen. Zwischendurch tippen wir immer mal, aber ich achte darauf, nichts zu erwarten. Es ist Mittwoch.

Es ist Donnerstag, und ich gehe ihm entgegen, um ihn vom Bus abzuholen. Auf den ersten Blick hätte ich ihn ohne den Vorlauf wohl nicht angesprochen. Eigentlich. Was ich jetzt sagen kann: er hat blitzende Augen, Sommersprossen und ein traumhaftes Lächeln! Zuhause gibt es noch eine Umarmung und einen kleinen Kuss, dann beginnt er, in der Küche zu rumoren. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen, wie er sich offensichtlich wie zuhause fühlt und nur gelegentlich einen Tipp braucht, wo er etwas zu finden hat. Mein Kochsklave weiß, was er tut, denn er hat das gelernt. Und was er da fabriziert, ist köstlich! Die Sellerie-Apfel-Cremesuppe esse ich noch Tage später, das Steak mit Salat und Süßkartoffeln verputzen wir natürlich sofort. Und was ich in den paar Minuten über das Dressing gelernt habe, hat alle meine folgenden Dressings seitdem um Längen verbessert! Dass er nebenbei meine Küche putzt, nehme ich wohlwollend zur Kenntnis…

Danach gönne ich ihm eine Pause, und weil wir so satt sind, fläzen wir uns mal auf das Bett. Ich weiß nicht mehr genau, wie es losging oder wie eingeleitet, aber er übernimmt die Initiative, geht zum Knutschen über, und schon tragen wir kaum noch Kleidung. Er widmet sich dem Teil, den er versprochen hat, und ich genieße. Und genieße. Es gibt ja so Schwätzer, die das Maul weit aufreißen und dann schnell beweisen, dass sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Nicht so er. Mit Inbrunst, Zeit, Liebe und Lust spielt er mit mir und kümmert sich um mich. Vergisst auch dabei das Küssen nicht. Etwa eine halbe Stunde später darf ich dann auch mal Hallo sagen und bin erst irritiert. Da ist ein körperliches „Handicap“, welches sich die meisten Männer schon längst hätten beseitigen lassen. Nicht so er, da er es genießt, dadurch so unempfindlich zu sein. Und den Rest des Wochenendes lerne auch ich es zu genießen! Ich bin erst von einem einzigen Mann derart lange, leidenschaftlich, liebevoll, nah, dreckig und gut gevögelt worden. Und das ist schon 3 Jahre her.

Später gibt es Nachtisch, den er zuhause vorbereitet hat und bei mir fertig stellt. Der Nach-nachtisch findet wiederum im Bett statt. Mandelsahnelikör, den er mir auf exponierte Stellen gießt. Was für ein leckeres Zeug! Klebt nicht und macht ein echt heißes Gefühl, wenn es genüsslich und ausdauernd abgeleckt wird. Ich mache es ihm nach und garniere den Apfelpo damit. Mhm, jedes Züngeln lässt ihn aufstöhnen. Ein Richtungswechsel lässt ihn aufstöhnen. Seine Überraschung lässt ihn aufstöhnen. Meine Lust lässt ihn aufstöhnen. Mein beherzter Griff an die Wurzel und langsame Massage lässt ihn aufstöhnen. Meine neugierige und nasse und liebevolle und fordernde Zunge lässt ihn aufstöhnen. Alles zusammen macht mein Bett ganz. langsam. nass.

Wir können gar nicht aufhören. Und darum schlage ich ihm vor, dass er nicht am nächsten Morgen wieder abfährt, sondern einfach eine Nacht länger bleibt. Er schlägt ein und vögelt mich gleich nochmal.

Freitag holt er Brötchen, wir duschen zusammen, frühstücken und finden uns dann bei dem Umzug ein. Es ist seine Idee, er könne doch einfach mitkommen. Und da er niemand ist, den ich verstecken müsste, lernen meine Bekannten ihn einfach kennen. Was da noch alles an Drumherum und lustigen Gesprächen stattfand, lasse ich aus Gründen des Identitätsschutzes leider aus. Nützt ja nix. Wäre allerdings eine eigene Geschichte wert.

Wir gehen zusammen einkaufen, denn neue 24 Stunden erfordern auch neue 8 Stunden Kochkünste. Ich lerne Zutaten kennen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren und deren Geschmack in dieser Kombination grandios ist! All dies steht ja weiterhin in meinem Gewürz- und Vorratsschrank. Und diverse andere Menschen sind auch schon in den Genuss meiner neuen Kochkünste gekommen…

Nachmittags bekomme erst ich eine Massage auf der Liege – warum eigentlich? Ich glaube, ich habe ihm eine als Ausgleich für das schwere Tragen versprochen (und er hat sich wirklich nicht geziert, bei ihm völlig Fremden so richtig mit anzupacken – ein herrlich unkomplizierter Typ!), aber dann kann er es doch nicht abwarten, an mir herum zu kneten. Und selbst das tut er rich-tig gut! Es ist mit ihm nicht ganz so wie mit dem anderen Massageliegenmann (siehe dort), weil er einfach viel netter und lieber ist, aber es ist nicht minder heiß, nass und leidenschaftlich. Trotz seiner Größe ist die Liege nicht mehr das richtige Medium, und ich werde auf das Bett gebeten. Wo ich so lange gelöffelt werde, bis er ausruft, er sei schon ewig nicht mehr so schnell gekommen. Das fünfte Kondom, das wir brauchen, ist das erste, das er füllt. Alles andere ist akribisch einmassiert worden.

Abends gehen wir um die Ecke essen. Es wird einfach nicht langweilig mit ihm.

Nun ist endlich seine Massage dran. Verspannt ist er überhaupt nicht, Sportler eben. Aber es ist schön, die feste und glatte Haut zu massieren. Ihn wieder rallig zu machen, indem ich die Pobacken knete. Ihn immer nur so weit tease, dass er schon wie ich anfängt, zu zappeln. Und da ich nun um seine neue Freude weiß, auch seinen Po ins Liebesspiel einzubeziehen, widme ich mich diesem umso mehr. Ganz lange, mit noch mehr Babyöl. Und ich gehe immer wieder mal auf die andere Seite, bewege mich, damit er Gelegenheit erhält, mit seinen Fingern kurz an meiner Möse entlang zu streichen, damit er merkt, wie sehr auch mich das anmacht. Meine Finger massieren und teasen, streichen durch die Pofalte, was ihm hörbar gefällt. Der Zeigefinger kreist, drückt, kreist und drückt. Der Mann dazu windet sich, stöhnt, mein Zeigefinger kreist und drückt. Ich sage „Lass mich rein.“ Und er lässt mich sofort. Er spürt irgendwas klopfen, massieren, drücken, stöhnt „Hammer!“ – „Darf ich vorstellen: deine Prostata.“ Schade, dass ich sein Gesicht nicht sehen kann. Das nächste Mal lasse ich ihn dabei auf dem Rücken liegen. „Ich muss dich jetzt ficken!“ springt er von der Liege, drückt mein Gesicht in die Kissen, fummelt das nächste Kondom aus der Packung und schiebt mir kurz den Schwanz in die nasse Möse, um ihn mir sofort darauf durch die Rosette zu drücken. Er teast nun mich mit seinem Schwanz, lässt langsam gleiten, hält inne, langsam gleiten. Ich reibe mich dabei, weil seine Lust mich gerade ganz wahnsinnig macht, und während ich mich noch frage, ob ich noch einen Dildo dazuschieben will, fickt er mich plötzlich wie ein Irrer. Er scheint selbst überrascht über seine Geilheit, denn er meint „du hast es dir selbst zuzuschreiben, wenn du mich so anspitzt, dass ich deinen Arsch benutzen muss, um meinen Druck loszuwerden“. Da mein Gesicht auf dem Bettlaken, die Hände unter meinem Becken und das Becken selbst von zwei Händen nach unten gedrückt wird, kann ich nur innerlich und nicht tatsächlich mit der Schulter zucken.

Am Samstag holt er wieder Brötchen, wir duschen zusammen, frühstücken. Das Gesamtpaket ist wundervoll, es fühlt sich irgendwie nach Beziehung an, ist aber keine – gottseidank, denken wir beide. Ein naher, warmer Abschiedsfick, dann bringe ich ihn zum Bahnhof.

In zweieinhalb Wochen kommt er wieder. Für 3 Übernachtungen.

 

 

 

Das Ganze nochmal von vorn.

Noch am gleichen Abend schrieb er mir, dieses Mal sei es anders. Er sei das erste Mal nach einem Seitensprung psychisch gestärkt nach Hause gefahren. Er konnte die Zeit mit seiner Familie genießen und sagte sich: es ist ok. Ich habe niemandem etwas weggenommen. „Ob wir dem noch einmal nachgeben, kann ich jetzt nicht sagen, aber egal, was danach auch war: Ich bin inzwischen froh, mit dir geschlafen zu haben.“

Einen Tag später änderte sich seine Ausdrucksweise. Ich war wieder das „geile Stück“. Und als ich ihm berichtete, dass am Wochenende danach jemand mit zwei Übernachtungen bei mir meine Laune erheblich gehoben habe, fand er sogar äußerst inspirierend, wie angespitzt ich war. Er sei ein wenig eifersüchtig gewesen, teilte dann dennoch mit mir die Lust. In diesen Tagen wusste ich gar nicht, an wen ich denken sollte, wenn ich so heiß war, dass ich es mir selber machen musste – an ihn, den zweiten oder einen flüchtigen Dritten. Wir bauten nebst weiterhin stattfindenden geistig intimen Gesprächen unsere Lust füreinander extrem auf. Schließlich stand fest, dass er am letzten Wochenende viel Zeit haben würde, da er alleine und unbeobachtet sein würde. Meine lüsterne Frage, ob er bis nach dem Frühstück bleiben würde, wurde von ihm bejaht.

Wow, so viel Zeit, sich zu erkunden und zu überprüfen, womit ich ihn vielleicht (wie den zweiten) würde überraschen können! Löffelnd einschlafen oder aufwachen, quatschen, Sex, Essen… Meine Erwartung wurde natürlich gefeuert von jenem Erlebnis mit dem anderen (nicht zu viel vorwegnehmen, luder!). Und ja, letztlich ist es dann mein Problem, wenn ich enttäuscht werde. Nicht er trägt die Verantwortung für meine Erwartungen, sondern ich selbst.

Als er am Samstag durch die Tür kam, musste ich ihn erst küssen. Und wie das halt so ist, wenn ich gierig und ungeduldig bin, schmiss er mich wenige Minuten später auf das Bett. Eine halbe Stunde später verwandelte er sich wieder. Zwar war es diesmal kein Eis, kein gelöschtes Feuer, aber er hatte wiederum umentschieden. Mit mir sei das insofern zu nah, als er wirklich seine Ehe gefährden würde, wenn es weiterhin so körperlich wäre. Die Freundschaftsebene, die philosophischen und psychologischen Gespräche mit mir wolle er jedoch nicht missen. Ok. Ich akzeptiere.

In der Küche war er ständig auf der Flucht vor mir. Als ich während des Kochens die Richtung wechselte, um zum Kühlschrank, zur Spüle, zum Herd und wieder zurück zu gehen, wich er mir aus, um mir körperlich nicht nahe zu sein. Oder besser: damit ich ihm nicht zu nah kommen konnte. Erst, als ich ihn auf einen Stuhl setzte, konnte ich endlich in Ruhe kochen.

Die Entscheidung stand fest. Wir schauten noch animierte Comics, sprachen über Filme, Spiele, unsere Arbeit. Und nach 5 Stunden fuhr er nach Hause. Er wolle mit seiner in der Ferne weilenden Frau telefonieren. Hachja. Verrückter Weise mag ich ihn wirklich so sehr, dass es mich nicht verletzt.

 

_…….

 

Oje.

Warum mir?

Die erste Geschichte, seit ich wieder richtig tippen kann, und dann ist es gleich eine, die mir dringender ist, als all das Halberstellte zu komplettieren. Das muss noch warten.

Momentan bin ich einfach traurig und tu mir selbst ein wenig leid. Es sollte ganz anders werden, le-gen-där. Und dann war viel zu schnell Schluss mit der Vorstellung, dass ich den Jackpot geknackt habe.

Letzten Mittwoch nahm er Kontakt mit mir auf. Und ich war so dankbar, denn so so so lange gab es niemanden mehr, der mir auf Anhieb und vollumfänglich zusagte. Das Anschreiben, das hinterlegte Profil, die Eckdaten, all das sagte: ich passe total geil zu dir! Jede weitere Mail verstärkte das noch, denn wir verstanden uns auf mehreren Ebenen hervorragend. Unsere Denke, unsere Haltung, unsere Interessen, unsere Vorlieben, unser Humor, unsere Bücher, selbst unsere Jobs spiegelten sich. Nein, das gehört nicht in die Vergangenheitsform, denn es ist ja noch immer so – das ist es, was es so traurig macht. Wenn zwei Menschen auf so vielen Ebenen wie Arsch auf Eimer passen, dann ist doch nachvollziehbar, dass der Wunsch und die Vorstellung entsteht, dass eine stabile Verbindung aufgebaut werden könnte. Dies feuert meine Leidenschaft noch, denn je aussichtsreicher die Voraussetzungen sind, umso mehr engagiere ich mich.

Aus den Mails wurde Feuer, richtiges Feuer, welches ich in der Zwischenzeit 4-5 Male heftig aufflackern ließ, damit es mich nicht innerlich zerreißt. Und so änderten wir den Plan, uns nächsten Mittwoch zu treffen auf Sonntag, 9.30 Uhr. Dass ich niemals viel Zeit mit ihm verbringen könnte, weil er immer ein Alibi braucht, das war mir bekannt, und ich wollte es in Kauf nehmen.

Ich war lange nicht mehr so aufgeregt, bis er aufschlug. Vielleicht noch das letzte Mal, als Strahlemann zu mir kam. Diesmal machte ich erst die Tür hinter ihm zu, führte ihn kurz durch einen Teil meiner Wohnung, sogar Kaffee kochte ich. Er war es dann, der das wilde Knutschen begann, aber ich war es, die den Raum wechselte, damit wir die Kaffeebecher nicht umstoßen. Schon im Vorfeld schrieb er mir, wie er sich das vorstellte, und ich antwortete mit „ich grinse in mich hinein und korrigiere dich in Gedanken, aber schreib mal weiter.“- „Jetzt bringst du mich ein wenig aus dem Konzept, was stimmt denn damit nicht?“- „Ich werde anwesend sein, und darum wird das Tempo ein ganz anderes sein.“

Ja, und dann bekam er eine Idee davon, wie ich das meinte. Atemlos, leidenschaftlich, gierig, fordernd. Wie zu erwarten war harmonierten wir auch im Bett. Es dauerte nur eine Viertelstunde, bis wir beide die Flamme unter Kontrolle hatten. Zufriedenes Lächeln beiderseits, welches signalisierte: ja, so soll das sein. Wir fühlten uns wohl miteinander (und um das vorwegzunehmen: wir tun es noch.)

Plötzlich kippte etwas in ihm Eis in das Feuer. Das Schuldgefühl. Dieses kannte er schon, es übermannte ihn schon oft, regelmäßig, in meinem Falle wieder, und vielleicht noch stärker. Denn da ist unsere Verbindung – sehr schnell entstanden, und dennoch unleugbar. Die machte es noch schlimmer, denn es war nicht nur körperlicher Sex.

Mann, tu ich mir leid. Ob da Tracy Chapman im CD-Spieler wohl die richtige Wahl ist?

Er muss klar bekommen, was er eigentlich will und warum er das tut. Er muss die Sucht in den Griff bekommen, denn das Gefühl hinterher macht ihn fertig. Da ist er bei mir nun an der richtigen Adresse, denn ich mag ihn wirklich sehr und will, dass er sein Problem irgendwann löst. Auch wenn das bedeutet, dass wir keine Affäre miteinander haben. Deshalb und damit unser Kontakt hiermit nicht einfach beendet ist (und nein, nicht berechnend, ihn zwischendurch wieder zu vernaschen, wenn er schonmal hier ist) werden wir eine weitere Ebene in diese Verbindung einfügen: Die Beratungsebene. Mal sehen, was ich für ihn tun kann, und was er für mich tun kann, indem ich an ihm meine Fertigkeiten verbessere.

Hach. Es könnte so einfach sein. Isses aber nicht.

Check

Nein, der dritte mit dem gleichen Namen geht nicht ab, wenn jemand an seinen Brustwarzen spielt. Dafür aber, sobald ich nur mit roten Fingernägeln seinen Schwanz umschließe.

Dafür habe ich in der Zwischenzeit jemanden kennen gelernt, der bei beidem abgeht. Ein Träumchen… Es wird noch zu berichten sein.

Tag und Nacht

(1 – TAG)

Er lümmelt sich auf meiner Seite rum. Gibt mir ein Zeichen. Ich lümmele kurz zurück. Ja, alles ganz nett, aber kein Schlüsselwort, kein besonderer Reiz. Darum zögere ich. Er lümmelt sich wieder. Ich lese nochmal. 26, Student, aus der gleichen Stadt. Ok, ich öffne ihm die Tür, wer weiß, du vergibst dir ja nichts.

Wir reden über uns, über Vieles, er hat viel Charme, ist höflich, hat Hirn, ist genuin an mir interessiert. So soll das sein, sonst geht bei mir gar nichts. Er macht wirklich alles richtig. Und darum wechseln wir den Kanal.

Er ist mit der Bahn unterwegs, hat viel Zeit auf dem Weg. Und so werden wir persönlicher, tiefer, konkreter. Ich weiß noch, dass er meint „du scheinst die Art offener Mensch zu sein, den ich suche“. Ich antworte, offen könne ich gut, manchmal zu sehr, so dass ich dann manchmal enttäuscht würde, wenn meine Offenheit nicht erwidert wird. Jedenfalls freue ich mich wirklich, ihn zu treffen und kennen zu lernen und mich überraschen zu lassen, wie sich das möglicherweise zukünftig entwickeln könnte.

Weil er völlig unerfahren mit derartigen Internettreffen ist, will ich ihm den Einstieg erleichtern, aufweichen. Es gibt Salat, zwischen uns stehen Tapas, das alles in der Küche. Dazu ein süßer Rotwein. Als wir anstoßen, zittert seine Hand so stark, dass der Wein fast heraus schwappt. Hey, dafür habe ich doch Verständnis, mach dir keinen Kopf, alles wird gut. Du darfst hier einfach so sein, wie du bist, ich bewerte dich nicht. Danach sitzen wir auf dem Sofa und erzählen uns von unserem Alltag, unseren Zielen und Werten. Er eröffnet mir dann seinen wirklichen Namen, zuvor sei er vorsichtig gewesen. Meinetwegen… Mein Bücherregal ist bei den richtigen Menschen immer Thema, und eines drücke ich ihm mit freundlicher Empfehlung und den Worten „damit du auch sicher wiederkommst“ in die Hand. Auch um ihm zu zeigen – du magst jetzt völlig neben der Spur sein und verwirrt und unsicher, aber ich möchte dich trotzdem wiedersehen. Am Ende sind wir uns einig, dass wir es am heutigen Tag dabei belassen und keine weitere Ebene betreten. Zum Abschied will ich ihm einen Kuss geben. Er spitzt die trockenen Lippen. Während er noch unterwegs nach Hause ist, schreiben wir uns.

Zwei Tage später: ein Schild ähnlich „Einfahrt verboten“. Nanu? Ich schreibe ihm auf dem anderen Kanal, was denn da los sei? Keine Antwort. 5 Tage später merke ich an, dass das ja leider ein kurzes Vergnügen gewesen sei. Keine Antwort. Weitere 5 Tage später schreibe ich, ich hätte aber gerne mein Buch zurück. Keine Antwort. 2 Tage später: „Bald!“ Keine Antwort. Langsam werde ich wütend. Schreibe ihm, ich könne sehr gut damit leben, dass er mich nicht wiedersehen wolle, dann seien wir eben einfach nicht kompatibel. Aber dass er nicht den Mumm habe, mir das Buch zurück zu geben, das könne ich nicht akzeptieren, denn das sei Kindergarten. Keine Antwort. Eine Woche später muss ich nochmals darum bitten, es in meinen Briefkasten zu werfen. 3 Tage später eine Nachricht von ihm mit gerecktem Daumen. Da weiß ich, die Sache ist endlich beendet. Offenbar hat er das wirklich erst lesen wollen…

Gestern, andere Seite: das Foto da kommt mir bekannt vor. Klicke drauf – geht nicht. Da bin ich vorsorglich gesperrt worden. Da ich aber über Freunde verfüge, die mir in einem solchen Fall Screenshots machen, weiß ich, dass er gewechselt hat. Was ich da lese, lässt mich laut auflachen. Sieht er sich wirklich so? Ich versuche, mir nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen, was ich denn falsch gemacht haben könnte.

(2 – NACHT)

Er lümmelt sich auf meiner Seite rum. Gibt mir ein Zeichen. Ich lümmele kurz zurück. Ja, alles ganz nett, aber kein Schlüsselwort, kein besonderer Reiz. Darum zögere ich. Er lümmelt sich wieder. Ich lese nochmal. 25, Student, aus der gleichen Stadt. Ok, ich öffne ihm die Tür, wer weiß, du vergibst dir ja nichts.

Wir reden über uns, über Vieles, er hat viel Charme, ist höflich, manchmal bewusst zweideutig, hat Hirn, Witz, ist genuin an mir interessiert. So soll das sein, sonst geht bei mir gar nichts. Er macht wirklich alles richtig. Und darum wechseln wir den Kanal.

Sein Foto in der Verkleidung vom Karneval ist echt heiß, ein echter Frauenmagnet. Er ist unkompliziert, aber helle. Witzig, scharf, ungeduldig. Zwei Tage später klingelt er an meiner Tür.

In meinem Flur nehme ich ihm die Jacke ab und frage mich noch kurz, ob sich das Treffen von neulich mit Mr. Tag wiederholt (dabei habe ich gar keinen Salat vorbereitet). Er packt mich, küsst mich, drückt mich an den Schrank – „wo ist dein Schlafzimmer, oder willst du es gleich hier?“ In den nächsten zwei Stunden tropft Schweiß auf meinen Rücken oder mein Gesicht, wir lachen, ich bettle, wir lachen wieder, es ist ein beiderseitiges Vergnügen.

Abgesehen davon, dass er kein Freund von Freundschaft+ ist, sondern mich vielmehr sporadisch der Abwechslung wegen vögeln will: ein Volltreffer. Gestern war er wieder hier.

ONS 2.0

Wir schreiben August 2014. Es ist Freitag am frühen Abend, und ich bin im Chat. Er auch. Hier halte ich mich regelmäßig auf, der Chat ist an wie bei anderen Menschen der Fernseher nebenbei läuft.

Wir stellen recht schnell fest, dass wir auf einer Welle schwimmen. Die erste Gemeinsamkeit ist Humor, die zweite ist unsere Art, Leidenschaft zu definieren und die dritte, dass wir Bock aufeinander haben. Achja, die vierte: Spontaneität. Ob es denn für mich in Ordnung wäre, wenn er in der Nacht wieder los müsse, da er am nächsten Tag mit Freunden auf eine Hochzeit fahren würde.

Gegen drei Stunden später ist er hier. Als ich ihm auf dem Bürgersteig entgegen gehe, schenkt er mir ein Strahlen. Unsere Umarmung fühlt sich an, als würden wir uns bereits lange kennen, aber nicht, als würden sich Fremde zum Ficken treffen. Da kommen zwei zueinander, die viel gemeinsam haben, und zwar nicht nur auf der sexuellen Ebene.

Wir kümmern uns umeinander. Jeder Körperteil wird darin mit einbezogen, wenn auch der Anus jeweils im Mittelpunkt steht. In Ruhe. Leidenschaftlich, ja, aber nicht hektisch oder gierig. Obwohl wir nur wenige Stunden haben, lassen wir uns Zeit. Sogar dafür, hinterher meinen Kopf auf seiner Brust ruhen zu lassen und über Beruf, Vorurteile und Lebensanschauungen zu reden. Naher, inniger Sex zwischen Menschen, die sich verstehen.

In den nächsten Jahren ist nichts mit Spontaneität. Beide tun sich in Phasen psychischer Disbalance schwer mit langen Autobahnfahrten. Aber die Nähe bleibt in Form liebevoller Kommentare, Mails mit gegenseitigem Interesse, Geburtstagsgrüße, Feiertagsgrüße und zwinkerndem Geplänkel zwischendurch. Auch ohne ein Wiedersehen fühle ich, dass da ein Band besteht aus Gemeinsamkeit. Ein Gefühl, das nicht zu beschreiben ist. Und ich will weder auf „Liebe“ noch auf „Seelenverwandtschaft“ hinaus. Auf nichts weiter als auf „besonderes Band“.

Anlässlich seines Geburtstages schreiben wir uns. Ich wünsche ihm alles Gute und dass er bekommen möge, was er brauche.

… Meine Wünsche am heutigen Tag sind allerdings sehr viel profaner und fleischlicher. *ggg*

spaetsommer

Eine willige Möse und ein bereitgestreckter Arsch? *g*

Dies treffe seine Wünsche ziemlich genau, antwortet er. Und da ich doch so gerne bei der Erfüllung von Wünschen helfe, beginnen wir an jenem Tag, ernsthaft unser Wiedersehen zu planen. Es kommen noch ein paar Terminschwierigkeiten in den Weg, aber letztlich findet sich ein langes Wochenende, an dem ich die Regionalbahn steige.

Als ich ankomme, ist es spät. Wenigstens habe ich keinen Hunger, aber ich bin seit 17 Stunden auf den Beinen und nicht mehr die Jüngste. Darum stelle ich mich darauf ein, in seiner Wohnung einfach einzupennen. Aber nichts da: kaum knutschen wir, bin ich auch schon wieder wach. Erst zweieinhalb Stunden später, nachdem er der sonst dauernd lärmenden Studentenbrut über ihm gezeigt hat, was ’ne Harke ist, gehen wir zur Nachtruhe über. Friedlich, befriedigt, löffelnd.

Drei Übernachtungen bei ihm, in denen ich herrlich schlafe. Drei Frühstücke (der Art Deluxe, nackt in der Küche), zweimal auswärts essen, nachdem wir drei Tage lang seine Stadt und das Nachbarland spazieren gehend abgegrast haben. Die Blasen an meinen Füßen haben sich etwa 2 Monate später vollständig regeneriert, und es war jeden einzelnen Druckschmerz wert. Den Rest des Tages lümmeln wir auf dem Sofa rum und Musik bestimmt die Zeit. Viel, viel, viel Musik. Und viel, viel Schlagzeug. Natürlich auch viel, viel Sex. Eine wunderschöne Zeit mit guten Gesprächen, wie sie persönlicher kaum sein könnten. All das mit dem ständigen Gefühl der Vertrautheit. Ich genieße es sehr, bei ihm untergehakt durch die Stadt zu laufen. Jeder, der uns begegnet, wird zweifelsfrei denken, dass wir ein Paar sind. Und genau das sind die Begegnungen, die ich so schätze. Das Gefühl haben zu dürfen, dass mir jemand sehr nah ist, ohne Verbindlichkeit und grauen Alltag befürchten zu müssen. Nur das Gute der Beziehung.

 

—–

F., die letzte.

Er fragt mich, wie es mir gehe. Da ich gerade koche, lese ich die Nachricht zwar, antworte aber noch nicht. Das macht blaue Häkchen. Seine nächste Nachricht ist: „Offenbar ja.“ Das sieht er daran, dass ich lesen kann, also nicht tot auf der Straße liege? Da ich um seine Kränkbarkeit aus Erfahrung schon weiß, schreibe ich, ich hätte am letzten Abend zu viel Wein getrunken, in der Nacht zu wenig geschlafen, dafür aber zu viel gearbeitet, da ich wegen einer Fortbildung Überstunden hätte machen müssen. Also wolle ich nur essen, duschen und dann ins Bett. Es folgt eine scheinbar verständnisvolle, aber vor Sarkasmus triefende Antwort (Kurzform: er komme sich wie ein Idiot vor und gelobe Besserung). Nur zum Verständnis frage ich nach – er komme sich wie ein Idiot vor, weil ich viel um die Ohren habe?

Es folgt eine Tirade. Gerade bei Whatsapp kann ich den Erregungszustand einer Person daran ablesen, ob sie zusammenhängende, nachvollziehbare Sätze schreibt – dies über mehrere Zeilen – den Inhalt überprüft und dann abschickt. Nicht so er. Innerhalb einer Minute haut er 11 kurze Nachrichten raus, die sich um ihn drehen, seine Rückschlüsse und Konsequenzen inklusive eines Abschiedes und Kusses beinhalten und sehr offensichtlich nicht zur sachlichen Auseinandersetzung einladen. Zumal ich müde bin und keine Lust auf Streit habe. Nun glaubt er, ER habe den Kontakt beendet. Dabei spare ich mir nur, ihn über meine Rückschlüsse in Kenntnis zu setzen.

(Zitat karrierebibel:) Narzissten zeichnen sich vor allem durch fünf zentrale Charakteristika aus:

  • Ein übersteigertes Selbstbewusstsein, welches jedoch
  • immer wieder durch Aufmerksamkeit bestätigt werden muss,
  • ein starkes Streben nach Dominanz,
  • mangelnden Willen, die Gefühlen anderer in eigene Entscheidungen zu integrieren und
  • eine gewissen Rastlosigkeit und Ungeduld.

Entsprechend genervt sind wir von solchen Menschen. Was sie so anstrengend macht ist vor allem:

  • Ihr übersteigerter Wunsch nach Anerkennung und Bewunderung: Ihr gestörtes Selbstwertgefühl braucht dauerhaft Streicheleinheiten. Sie profilieren sich gerne und stellen sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund.
  • Ihre mangelnde Kritikfähigkeit: Kritik verstehen sie als Bedrohung und können nur sehr schlecht damit umgehen.
  • Ihre mangelnde Empathiefähigkeit: Narzissten fällt es schwer, auf die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen einzugehen.

 

Man male sich seine Nachrichten/Antworten anhand dieser Aufzählung einfach selbst aus.

Er ist wieder da.

oder: F. die dritte.

Mitten in der Nacht weckt mich das Blinken meines Telefons. Die Nachricht ist zwar schon eine Stunde alt, aber erst jetzt dringt sie zu mir durch. Eine Nachricht unbekannter Nummer, aber noch bevor ich diese aus meiner schlauen Kartei heraussuchen kann, erkenne ich das Profilbild. Neujahrsgrüße, er wisse nicht, ob diese Nummer noch aktuell sei, aber er würde sich freuen, wenn man mal nach so langer Zeit einfach quatschen könnte.

Fast zwei Stunden kann ich nicht schlafen. Überlege, wie und ob ich antworte. Lese unsere Mails und Chats durch. Rufe eines seiner Videos auf. Und statt hier den dritten unabschickbaren Brief an ihn zu schreiben, schreibe ich ihm zurück. Dass wir im Laufe des Tages sicher ein paar Minuten finden würden.

Morgens zeigt er sich erst sehr ungeduldig und hätte es fast versaut. Später, als ich zwar antworte, aber auf Smileys verzichte, meint er „deine Begeisterung hält sich in Grenzen“ und stänkert herum. Es folgt ein Schlagabtausch, in dem auch Begriffe wie „bockiges Kind“, „in der Vergangenheit rumrühren“, „Schuld zuschieben“, „Rumhacken“, „Spiegeleffekt“ fallen, bis wir uns besinnen. Wir finden wieder eine gemeinsame Linie. Ich erfahre, dass sie ihre Beziehung geöffnet haben, er ebenso wie ich die gemeinsame Zeit nie vergessen hat und weiterhin Menschen mit dem selben „Gierlevel“ wie er selbst es hat in sein Leben lässt. Weil es spät wird und ich meinen Schönheitsschlaf brauche, vertagen wir uns.

Morgens um 6 Uhr: 8 neue Nachrichten. Unter anderem eine Sprachnachricht, die noch geflüstert ist und mich sofort zerschmelzen lässt. Es ist der schiere Wahnsinn, welche Wirkung seine Stimme auf mich hat. 14 Sekunden, und ich bin Butter. Weitere 8 Sekunden, und ich bin wieder verliebt. Ich habe gerade meinen Rechner bei der Arbeit hochgefahren, da kommen weitere 25 Sekunden, und die Drecksau steckt schon mit der Zunge zwischen meinen Beinen. Ich bitte ihn, mich bei der Arbeit zu verschonen, weil ich mich im Kontakt mit gewissen Personen ohnehin zusammenreißen muss, um meine Professionalität nicht aufzugeben, und wenn er dann dazwischenfunke, sei es mit meiner Contenance schneller dahin. Per Sprachnachricht (25 sek.) entschuldigt er sich dafür, kitzelt mich aber gleichzeitig weiter. Die 1:25 eine Dreiviertelstunde später lässt mich kribbeln, durchblutet mich, macht mich praller (so wie ihn in diesem Moment) und lässt mich extrem geil an den Arbeitsplatz zurückgleiten. Gleiten ist ernst gemeint, denn ich spüre beim Gehen, dass das, was er prophezeihte, natürlich tatsächlich eingetreten ist. (Während ich das schreibe und die Nachrichten höre, kommen 5 neue Nachrichten an). Das Foto, das er mir nach dem Duschen anbietet, schlage ich aus, um mich überhaupt noch konzentrieren zu können.

Nach Feierabend telefonieren wir eine halbe Stunde. Keusch, vielmehr auf den neuesten Stand bringend und sich gegenseitig vergewissernd, dass wir immer noch die Alten sind und nicht minder geil aufeinander. Vertraut, das ist sehr schön, als wären keine 5 Jahre vergangen.

Gleich wird das Foto da sein. Und ich betrachte es als Startschuss für eine neue Ära F. und luderliederlich.