Stoff

Lauter alte Bekannte geben Stoff. Nicht in Form illegaler Drogen, noch nicht alle in Form körperlicher Höchstleistungen, sondern in Form von Geschichtenstoff. Vor allem erinnern sie mich daran, wie es mit ihnen begann.

Als ich neulich in der Krise steckte, haben sich gleich mehrere Männer, die ich seit Jahren kenne, nach langer Zeit wieder bei mir gemeldet. Und diesmal war ich empfänglich, weil weich. Derjenige, der sich über meine Massageliege freute, drückte es so aus: „Du wirktest in der Zwischenzeit sehr gestresst und eingebunden.“ Aus meiner Sicht war es vielmehr so, dass ich neuen Kontakten oft den Vorzug gegenüber den alten gab. Weil spannender, aufregender, neuer, frischer, unbekannter. Was insofern ziemlich dämlich von mir war, als ich schließlich sorgsam und oft akribisch auswählte, um die richtigen kennen zu lernen, um sie dann nach ein oder zwei Treffen nicht mehr zu pflegen. Manchmal wurde ich abweisend, wenn sie mir zu sehr auf die Pelle rückten, wenn sie auch damit nur weiterhin ihr Interesse an mir signalisierten. Eigentlich war ich also eine Zeit lang eine oberflächliche Zicke, die ihnen unrecht tat und sie damit zu weit links liegen ließ, obwohl sie rechts liegen sollten/recht/richtig für mich waren!

Umso besser also, wenn die Herren sich davon nicht beirren lassen und hartnäckig dran bleiben, dann zeigen sie wieder einmal, wie wertvoll sie sind. So wie der liebevolle Masseur, mit dem ich stundenlang über Dies und Jenes sprechen konnte und kann. Wir werden den Kontakt nicht mehr abreißen lassen.

Damals, vor etwa vier Jahren, fühlte er sich von meinem Nicknamen angezogen. Ich weiß sehr wohl, warum ich diesen Namen wählte, nämlich um damit eine gewisse Passung durch Literatur und Humor vorzufiltern. Er sprang an, ich sprang an, wir trafen uns zweimalig. Blieben schriftlich in Kontakt, da er aus familiären Gründen nicht immer so konnte, wie er wollte. Und ich bin die Letzte, die Männern hinterher steigt und dadurch Probleme in ihrem Alltag schafft. Nein, ich kann dann loslassen, da sie mich nicht brauchen. Wenn sie auch ohne mich glücklich sind, ist alles in Butter.

Der mit dem Ledersofa, vom dem ich wenigstens indirekt wusste, dass er seine außerhäusigen Aktivitäten aus gutem Grund einstampfte, flackerte auch einen kurzen Moment auf. Allerdings war für mich keineswegs überzeugend, dass er das Band zwischen uns ernsthaft ölen wollte. Weiß der Himmel, was ihn veranlasste, mir zu schreiben.

Dann jener, der mein erstes Hoteldate war. Ui, aufregend, einfach durch den Eingang und in den Fahrstuhl, weil ich die Zimmernummer wusste. Das fühlte sich irgendwie verboten an. Drei Male haben wir uns insgesamt getroffen, das letzte Mal vor 5 Jahren. Dann war sein Timing (zu dem er beruflich in meiner Stadt war) immer denkbar schlecht und ich konnte oder wollte nicht spontan sein. Als er mir begeistert vom Analfisting mit einem Date erzählte, bin ich schließlich ganz ausgestiegen. Nichtsdestotrotz werden wir uns bei nächster Gelegenheit wenigstens auf ein Getränk treffen. Um der alten Zeiten willen.

Von den anderen vier Reunions bzw. der Vorgeschichte wird zu einer anderen Zeit berichtet. Hiermit pflege ich wenigstens meinen Stoff, indem ich ihn vorsortiere und den Herren gedanklich die gebührende Aufmerksamkeit schenke.

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Schuld

Hinterher. Kuschellaune. Da beginnen manche zu plaudern, die sonst panisch auf Diskretion bedacht sind.

„…und dann haben wir da noch ein Flittchen, die geht gar nicht.“

Ich werde hellhörig. „Was macht denn ein Flittchen aus?“

„Na, die trägt immer so kurze Röcke und hohe Hacken.“

„Ich trage auch oft kurze Röcke und High Heels.“

„Bei dir ist das was anderes.“

„Warum?“

„Die ist über 50, da macht man das einfach nicht.“

„Bis wann darf Frau das denn? Bis 49?“

„Du weißt genau, wie ich das meine!“

Weiß ich eben nicht. Darum frage ich ja. „Ist das alles?“

„Na, der sieht man schon an, dass sie auf Männerfang aus ist.“

„Wie nennst du denn das, was ICH mache?“

„Bei dir ist das was anderes, du machst das ja aus Spaß.“ (UND er hat mir eben Geld gegeben.)

„Und sie nicht?“

„Na, die will den Frauen ihre Männer ausspannen.“

„Schafft sie das denn?“

„Der eine oder andere ist schon auf sie reingefallen.“

„Was bedeutet das? Was ist dann passiert?“

„Hinterher gab es halt Ärger und Gerede.“

„Und daran ist alleine sie schuld?“

„Sie ist doch diejenige, die sich so anzieht und den Männern den Kopf verdreht!“

„Sag mal, wie viel Achtung hast du eigentlich für mich übrig?“

„Du tust doch niemandem weh, da ist alles paletti.“

An dieser Stelle entschied ich, dass es mir die Zeit nicht wert war, ihm seinen Denkfehler vor Augen zu führen. Falsches Setting, fehlendes Einverständnis. Lass ich ihn lieber wieder kommen. Das tut ja niemandem weh. Auch seiner Frau und seinem Kind nicht.

Meine Gebete…

wurden erhöht: Weder unreif noch dämlich! Einfach WOW!

Natürlich konnte ich nicht bis „morgen“, also bis nach dem Schlafen warten. Ich schrieb ihm noch nachts um 1 Uhr. Mich interessieren Regeln wie „erst beim dritten Date Sex“ oder „erst zappeln lassen“ und solches Blabla ohnehin nicht. Aber in diesem Falle konnte ich es noch weniger abwarten, ihm zu schreiben, weil ich so verzaubert war. Und es immer noch bin. Ich fühle etwas ungewohnt Verknalltes, Ungeduldiges, sogar Unsicheres und bin immer noch ein bisschen 15 im Kontakt mit ihm. (Als ich ihm gegenüber so etwas erwähnte, fragte er scherzhaft, ob er sich dann nun wohl strafbar machen würde, wenn er mich bald ficken wollte.) Um dem mal chronologisch vorweg zu greifen: Als ich sah, dass er zwei meiner Nachrichten von gestern bis heute Früh noch nicht gelesen hatte, war ich schon voller Zweifel, ob ich ihm in meinem (mir selbst ungewohnten) Überschwang auf den Wecker gegangen sei und befürchtete, der Beginn einer wundervollen Freundschaft sei bereits das Ende dergleichen.

Der ganze Sonntag war bestimmt von ihm. Nachrichten hin und her. Ein Kennenlernen, Austausch von Informationen, schriftlicher Flirt. Es begann um 10:53 mit einer Frage von ihm und endete 23:56. Über den Anlass meiner Anwesenheit in der Kneipe, seine Tätigkeiten, meine Tätigkeit, sein Alter, dass das Alter aber nur eine Zahl ist (und das kam von ihm! weiser junger Mann!), unsere Vorlieben, Wünsche, den Aufbau von immer mehr Verlangen, je mehr wir feststellten, dass wir harmonierten… Er dankte mir mehrfach, dass ich die Initiative ergriffen hatte, denn er wäre wohl zu schüchtern dafür gewesen. Er begriff mein Beziehungskonzept auf Anhieb, zeigte sich für andere Themen neugierig, ohne dabei sabbernd zu sein und bewies mit jeder Nachricht mehr, dass meine Befürchtungen unberechtigt waren. Auch las ich schon heraus, dass er trotz seines objektiv phantastischen Aussehens unsicher und zurückhaltend ist. Das reizt mich  verrückterweise zusätzlich.

Exkurs – Warum ziehen mich „unvollständige“ Männer an?

Schon vor Monaten, als ich gedanklich und emotional in dieser Chatbeziehung gefangen war, dachte ich darüber nach, meine Gedanken über „kaputte Typen“ aufzuschreiben. In der Zwischenzeit habe ich das „kaputt“ für mich als „unvollständig“ erkannt und eingeordnet. Denn die wirklich kaputten schrecken mich ab, die lehne ich ab und mache einen großen Bogen um sie. Nein, es sind die, die emotional unvollständig sind im Sinne eines Selbstwertmangels, obwohl Menschen um sie herum – mich eingeschlossen – ihnen einen ganz anderen Wert zuschreiben. Dies wäre zusammenzufassen in der Frage: „Was zur Hölle hast du für ein Problem mit dir?“ Als ich „Chöre“ von Mark Forster das erste Mal bewusst hörte, dachte ich die ganze Zeit an jenen Chatter. Als hätte der das Lied für ihn geschrieben. Mit Mr. 700Kilometer geht es mir ähnlich, zumal er um seinen Mangel weiß und sich so sehr dankbar für Korrektur äußert. Strahlemann weiß auch nicht um seine Wirkung, und das weiß ich nun nicht nur aus unseren Nachrichten, sondern auch aus der nachfolgenden persönlichen Begegnung.

Diesen Männern will ich zeigen, dass sie unrecht haben. Ich will sie lehren, dass das, was sie befürchten, mit mir NICHT eintritt. Ich will ihnen korrigierende Erfahrungen bieten. Und vor allem will ich ihnen ein positives Modell im Umgang mit ihnen selbst sein. Ich gebe bedingungslose Wertschätzung und weiß: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Was den Chatter angeht, der weit entfernt ist und die Brücke zu mir hinter sich eingerissen hat, habe ich meine Einschätzung korrigieren müssen. Die Art und Weise, wie er unsere Freundschaft beendet hat, hat mir gezeigt: der ist nicht unvollständig. Der ist tatsächlich kaputt. Mr. 700Kilometer ist zu weit weg, als dass ich ihm lückenlos Modell stehen kann. Aber Strahlemann ist nur wenige Kilometer entfernt, und ich kann ihm so viel mehr geben als nur ein wenig emotionale Korrektur…

Exkurs Ende

So einigten wir uns auf Donnerstag, dann würde ich wieder frisch und frei und offen sein. Irgendwann um 19 Uhr schrieb ich „AUS!“, weil ich dieses Verlangen kaum noch aushalten konnte und ihn so sehr wollte und wollte und wollte, aber nicht sofort haben konnte! Er war so süß, wollte meinen „Ansprüchen gerecht werden“, hat so charmante Dinge geschrieben, die sich dennoch nicht wie Honig um den Bart (Moment, ich hab ja gar keinen) oder Bauchpinselung anfühlten (Bauch hab ich), sondern wirklich ehrlich und authentisch klangen. „Was würdest du davon halten, wenn ich dir ein Bild von meinem Oberkörper schicke, so als Teaser? ;)“, fragte er. Meine Antwort lautete: Bloß nicht, sonst wird meine Ungeduld und meine Qual noch schlimmer! Ich dachte wirklich, ich drehe gleich durch vor Verlangen. Wir sprachen über seine Lieblingsstelle, die selbst herauszufinden ich als Herausforderung verspürte. Er verplapperte sich aber sehr schnell, weil er meinte, dann müsse er sich darauf ja gut vorbereiten. Kurz darauf meinte er, das habe er „seelisch“ gemeint, aber das schien die Wahrheit nicht ganz zu treffen… Auch sonst ließ sich erkennen, dass er zwar relativ unerfahren (langjährige Beziehung, aber eben nur mit einer, und das offenbar seit seinem 17. Lebensjahr), aber mitnichten unschuldig ist.

Ich frage mich gerade, ob ich beim Schreiben auch wie 15 klinge. So verknallt eben.

Es war also schlimm genug, bis Donnerstag warten zu müssen. Aber dann erfolgte eine Wendung.

 

 

Ist das zu fassen? Mein Liebster kommentierte das trocken mit den Worten „Die Welt ist voll von Frauen, die keiner braucht.“ Umso besser meinte es darum das Schicksal mit Strahlemann, als er gerade mit „Mrs. Wer von dir keinen Blowjob hatte, hatte nie einen“, auch „Fräulein 0,1 Prozent“ genannt („Gib dir keine Mühe, ich bin noch nie bei einem Blowjob gekommen….. Oooooooh!“) zu tun hatte. Das Schicksal hat ja auch dafür gesorgt, dass wir uns am Samstag überhaupt begegneten. Denn eigentlich hätte er frei gehabt und wurde nur deshalb vom Kollegen gerufen, weil der überfordert war. Ich war nur deshalb da, weil ich meine Tage hatte, sonst wäre ich gerade von einem Düsseldorfer gefickt worden. Und außerhalb dieses Gruppentreffens wäre ich nur mit gegen Null gehender Wahrscheinlichkeit überhaupt in diese Kneipe gegangen. Wer diese Schicksalstheorie für zu romantisch und unrealistisch hält, müsste mir erstmal dieses Aufeinandertreffen großer Zufälle erklären. Jedenfalls konnte ich ab diesem Augenblick nicht ertragen, ihn noch länger ungeküsst durch die Welt gehen zu lassen!

Die Planung wurde also auf „morgen Abend“ umgeschmissen. Und ich versuchte es weitgehend zu vermeiden, ihn während seiner Session im Fitnessstudio mit einem Dauerständer herum laufen zu lassen. Aber allein seine Gedanken daran, dass er morgen die Frau treffen würde, die sich unbändig darauf freute, seinen Schwanz in den Mund zu nehmen, verhinderte das. Zufällig chattete ich gerade woanders mit einem Freund, von dem demnächst zu berichten sein wird. Als ich ihn an die aktuellen Geschehnisse anschloss und ihm eröffnete, dass und zu welchem Zweck das Schnittchen morgen zu mir kommen würde, grinste er: „Der wird sterben!“

Trotz meiner Erfahrung bin ich nie so abgeklärt, dass ich vor einem Date irgendeiner Art nicht vorfreudig oder aufgeregt bin. Meist stehe ich am Fenster, um das Eintreffen nicht zu verpassen. Sogar nervös habe ich mich schon erlebt, als ich Mr. 700Kilometer abholte. Aber was den ganzen Montag in mir vorging, kam der Hölle schon nah. Weil er als Student mit Mangel an eigenem Auto mit dem Bus anreiste und nicht die günstigste Linie nahm, musste er noch ein Stück laufen, verfranste sich, und ich musste noch länger warten! Ganz ehrlich – ich hatte schon Sorge, dass er aus lauter Suchfrust einfach umdrehen könnte. Als er dann die Treppe hinauf kam und auf meine Tür zuging, hatte ich unglaubliches Herzklopfen. Dann stand er vor mir, ich konnte ihn endlich anfassen, und dann

 

PENG!

 

Gleichzeitig küssend, umarmt haltend und redend. Endlich kann ich dich anfassen… ich konnte es auch nicht erwarten… schön, dass du da bist… schön, dass ich da sein darf… du fühlst dich so gut an… ich will dich… du darfst auch reinkommen… dennoch im Hausflur weiterküssend, mit offener Tür. Ihn küssend reinziehen. Sich von ihm an die Wand drücken lassen. Sich dabei freuen, wie alles intuitiv richtig läuft. Küssend. Haltend. Filmreif. Heiß. Leidenschaftlich. Gleichzeitig beruhigend, weil die Qual ein Ende hat. Verlangen, Geilheit, aber auch mehr als das. Ihn küssend die zwei Meter ins Schlafzimmer bugsieren, ihm dann das Shirt über den Kopf ziehen. Das Küssen unterbrechen, um den Körper zu betrachten. Ich wusste, warum ich vorher kein Foto wollte. Es hätte mich wirklich wahnsinnig gemacht. In diesem Moment schmolz ich. Leckte ihm den feinen Schweiß von der Brust. Küsste die Schultern, den Hals, wieder den hübschen Mund. Schaute ihm in die Augen, während ich ihm die Hose aufknöpfte. Er half dann ungeduldig beim Ausziehen, ich sagte per Hand meinem neuen Freund Hallo und ging wieder in die Knie. Und ja, er starb. Vor Wonne. Nein, erst nur ein kleines bisschen, denn dann schmiss ich ihn aufs Bett, um mich ganz seiner Freude zu widmen. Ab diesem Zeitpunkt sagte er gefühlte 100 Mal in den nächsten 2 Stunden „Oh Gott“, vernahm aber auch, er dürfe mich gerne weiterhin beim Namen nennen. Und ab diesem Zeitpunkt verdrängte er auch jemand anderen von dem Platz mit dem Titel „der sexyeste junge Mann, der je in diesem Bett lag“. Der andere trug ohnehin immer den Beititel „der aber nicht küsste, weil er dies der Frau vorbehielt, die er liebt“. Und Strahlemann küsste! Viel und gut, quasi ununterbrochen. Er hatte viel nachzuholen, wie bereits zu lesen war. Und er genoss! Er genoss meine Lippen, meine Zunge, meine Brüste, meine Lust, meine Hingabe. Ebenso genoss ich, seinen Schwanz, seine Brust, seine Zunge, seinen Mund, seinen Po, den gesamten Körper, das strahlende Lächeln, die blitzenden Augen, das Verdrehen seiner Augen, sein Stöhnen, einfach alles. Er vertraute sich mir an, gab sich hin, hielt mir hin – den Schwanz, den Po, den Hals – und erwies mir die Ehre, die Erste in vielerlei Hinsicht zu sein. Die erste richtige Frau. Die erste, die ihn oral verwöhnte. Die erste, die ihn anal massierte. Die erste, die ihn so wirklich, wirklich, richtig, sehr wollte und von der er nehmen durfte, ohne heute geben zu müssen. Später genoss er das Spiel mit meinen Brüsten, das Erproben der Grenzen, das gegenseitige Streicheln, das Aufeinanderpressen der Haut, meinen Dirty Talk über unser nächstes Treffen und den Umstand, dass ich einfach nicht von seinem Schwanz lassen konnte.

Nach 3 Stunden fuhr ich ihn nach Hause. Den Nachtbus wollte ich ihm ersparen. Lieber noch bis zuletzt mit ihm zusammen sein und ihn während der Fahrt meine Beine streicheln lassen. Sollte es nun tatsächlich so kommen, dass wir uns morgen nicht sehen können, weil er länger arbeiten muss, dann werde ich es überleben. Die erste Qual ist überstanden. Und wir sind uns schon einig, dass wir uns behalten wollen.

 

.

 

Aller guten Dinge sind drei.

Strahlemann hat entweder den Job gewechselt, oder er hat mehrere nebeneinander. Vermutlich letzteres, weil er noch studiert, aber all das werde ich ihn morgen fragen. Er hat mir nämlich seine Nummer gegeben. Als ich da mit anderen zusammen saß, kam er plötzlich mit dem Tablett um die Ecke. Sah mich und strahlte. Und ich fühlte mich wieder wie 15 und dachte diesmal: Ran an den Speck!

Im Verlauf des Abends fragte ich ihn, ob es ein Tabu sei, von Gästinnen angebaggert zu werden. Er verneinte vehement. Später wurde unser Flirt für alle so offensichtlich, dass eine Bekannte schon sagte: Ok, ich lass euch mal alleine… Wir stellten einander vor, es gab eine süße Umarmung von ihm, und als er beim nächsten Mal fragte, ob es noch etwas für uns sein dürfte, antwortete ich: „Deine Nummer.“ Und die habe ich jetzt. Und warte brav bis morgen irgendwann, ihn anzutickern.

Wehe, der ist dämlich. Drückt mir die Daumen, dass er nicht nur schnuckelig ist, sondern auch was in der Birne hat.

Es lebe die Massageliege!

Sie lebt schon eine Weile bei mir unter dem Bett. Zusammengeklappt und in der Tasche. Sie wurde noch nicht sehr oft gebraucht, weil im Schlafzimmer eigentlich kein Platz für sie ist, um dann noch bequem drumherum gehen zu können.

Aber immer dann, wenn sie in Gebrauch ist, macht sie mich ganz zur Muschi.

Eins nach dem anderen. Es beginnt mit einer Massage. Von jemandem, der es kann. Entweder als Tantra- oder als klassische Massage, je nachdem, was der betreffende Kerl gelernt hat. Welcher Mensch genießt nicht gerne eine fachkundige Massage durch fähige Hände, mit warmem, gut duftendem Öl in entspannter privater Atmosphäre? Ich schon. Und da spielt es für mich keine Rolle, ob es mein Partner ist, ein erstes Date, dem ich vertraue oder ein alter Bekannter, von dem ich schon vorher eine Rundummassage erhalten habe. Wenn er meinen Nacken knetend und streichend massiert, die Schulterblätter, den gesamten Rücken, dann genieße ich. Wenn er Verspannungen löst, sich Zeit nimmt, weil er es genießt, mich nackt daliegen zu sehen und meine weiche und glatte Haut zu spüren, wenn er weiß, dass ich sein da-sein, seine Nähe, seine starken Hände, ihn genieße, dann ist das etwas, was beiden gut tut. Mein Rücken ist eine sehr erogene Zone. So erogen, dass ich mich schon darauf freue, dass er zum Po kommt, der noch viel erogener ist. Ich kann darauf vertrauen, dass er ihn walken wird, kneten, mit noch ein wenig mehr Öl durch die Falte streichen wird, um zu sehen, wie ich reagiere. Ich reagiere, indem mein Po sich leicht hebt. An diesem Punkt bin ich schon willig. Nach 15 Minuten Massage bin ich schon bereit für animalischen Sex. Aber wenn ich weiß, dass dieser Kerl massieren kann, dann warte ich ab, dann unterdrücke ich meine Gier noch etwas, um noch mehr Genuss durch Hingehaltenwerden, durch die Techniken des Streichens zu erfahren. Mal ganz abgesehen von dem Satz: „Den Verlauf der Massage bestimme ich, Frollein.“ Ich liebe es, so behandelt zu werden. Gezwungen zu werden, abzuwarten und auszuhalten.

Nein, nach dem Po kommen ja noch die Beine. Die werden bei Massagen viel zu oft vernachlässigt, es sei denn, man ist Leistungssportler. Und die Männer, mit denen ich es zu tun habe, mögen meine Beine. Wiederum haben alle etwas davon, dass die Haut durch die Finger glitscht.

Dann endlich heißt es „Umdrehen!“ Mit dem Gesicht hält Mann sich gar nicht auf, da geht es gleich an die Brüste. Und die brauchen Zeit, die sind nicht mal eben eingeölt und bestrichen, die müssen wirklich gut durch sein, von allen Seiten, nicht ohne zwischendurch die Nippel zu zwirbeln. Wenn ich auch sonst die Augen vor Wonne geschlossen habe, an dieser Stelle schaue ich zu ihm hoch und in die Augen. Ich will den Spaß sehen, den er dabei hat. Sein Grinsen. Immer das Gleiche, auch das genieße ich sehr.

Er massiert den Bauch. Wichtig für den Stoffwechsel, damit all das Fett da abgebaut wird. Naja, frau wird ja noch träumen dürfen. Vom Bauch kommt er zum Venushügel. Da hält er sich schon länger auf. Auch in der Leiste. Muschi selbst lässt er noch aus, die hebt er sich zum Finale auf. An dieser Stelle sieht er sie schon offen daliegen. Und diese Phase macht mich am allerallerheißtesten. Ich weiß nämlich aus Erfahrung, wie sie jetzt aussieht, geöffnet, glänzend, und das nicht nur vom Öl. Ich weiß, dass es aus ihr heraustropft, ohne dass ich das selber spüren kann. Ich spüre es erst, wenn er mit Fingern oder Hand über sie hinweggleitet, ich brauche die Rückmeldung über die Kinästhetik, ich nehme meine eigene Nässe erst durch die Art der Bewegung des anderen wahr. Und das kickt mich wiederum. Ich weiß natürlich, dass ich geil bin, aber das ist Kopf und Kino. Wie geil SIE dagegen ist, erfreut mich immer wieder. Ja, meine Muschi hat ein Eigenleben. Sie öffnet sich und wird nass, wenn ich nur an bestimmte Dinge oder Personen denke. Sie will dann empfangen. Das Fleisch ist willig, sie kann es nicht verbergen. Ich blase – sie ist nass. Ich schreibe jemandem, was ihn erwartet, wenn er mich trifft – sie ist nass.

Dann liege ich da, er massiert die Muschi, lässt die Lippen durch seine Finger fahren, reibt mit dem Handballen über Hügel, Klit und die gesamte Länge, reibt vertikal, reibt horizontal, hält die Klit zwischen Daumen und Zeigefinger, bleibt außen. An dieser Stelle male ich mir schon aus, wie seine Hand in mir verschwindet oder gar der ganze Kopf. Ich bin dann offen, willig, gierig, will gefüllt werden. Weil er sieht und riecht und fühlt, dass ich willig bin, dass ich ihm gehöre, dass er mit mir machen kann, was er will. Nackt da zu liegen, auf dem Präsentierteller, nur Frau, nur Fleisch, da bin ich pure Geilheit. Da will ich Schwanz, Hand, am besten im Plural, da dürfen sie von allen Seiten kommen. Da bin ich ganz Muschi, offen, bereit, empfangend, bettelnd und ebenso dankbar, wenn ich gefüllt werde.

Glück „light“

Der Schornsteinfeger war gerade da. Ich fragte ihn, ob ich ihn abknutschen müsse, oder ob Anfassen angemessener sei. „Anfassen muss schon sein.“ Während ich noch überlegte, ob ein fester Griff in den Schritt auch dazu gehören könnte, meinte er „Streichen Sie einmal hier über die Brust.“

Gesagt, getan. Auf dem Weg zum Bäcker habe ich sofort einen Glücksspiraleschein für das nächste Wochenende abgegeben. Ich schätze aber, das wird nur eine richtige Endziffer oder so. Mit Griff in den Schritt wäre es bestimmt die Sofortrente geworden.

Doch. Läuft.

Nach der Inspektion des Grauens im Dezember gestaltete sich mein Alltag zäh, wie gelähmt.

Prompt meldete sich der Freitags-Mittagpausen-Blasbedürftige. Beflügelt durch sein hervorragendes Timing eröffnete ich einem anderen, dass ich am Wochenende doch Zeit hätte (was ich zuvor für ihn tabuisiert hatte). Nach seinem Hiersein entschloss ich mich, eine alte Quelle wieder anzuzapfen. Es folgte eine Schwemme von Fragen, eine Flut von Mails, ein Schlag-auf-Schlag der Termine. Unerwartet tröpfelten andere alte Bekannte herein, mit erfreutem „Du bist wieder da!“ und positiven Antworten meinerseits, da ein Tropfen auf dem heißen Stein nicht ausreichen würde. Man ergoss sich, es spritzte, Getränke und Körperflüssigkeiten flossen. Immer mehr alte und neue Bekannte fanden den Weg zu mir. Zwischenzeitlich floss zuviel gezahltes Geld für Heizung an mich zurück, außerdem konnte ich mit meinem unermüdlichen Redefluss seriös ein bisschen Moos dazu verdienen. Auch in anderem seriösen Umfeld kann ich mein eigenes Süppchen kochen und erhalte dafür Gegenwert für 2 Urlaube, 2 Konfirmationen, eine neue Handtasche und das eine oder andere neue Paar Schuhe. Vom deutlich erhöhten Gehalt in ein paar Wochen ganz zu schweigen.

Nun bin ich wieder flüssig.

(Jetzt will ich gar nicht mehr kürzer treten.)

 

Glückskeks

Wir waren chinesisch Essen. Buffet. Pappsatt nahm ich mir zum Ende trotzdem einen Glückskeks aus der Schale. Der Spruch, den ich herauszog, lautete „Eine Einladung an einen Ort des Vergnügens.“ Sofort witzelte ich, ich würde sicher eine Mail bekommen mit dem Wortlaut „Hast du Lust, mit mir in den Swingerclub zu gehen?“ Alter Hut. Dann stellte ich fest, dass da ein zweiter Spruch drinnen war. „Jetzt können Sie es sich erlauben, etwas kürzer zu treten.“ Dazu fiel mir allerdings gar nichts ein. Trotzdem hängen diese Zettel seit einer Woche an meinem Kühlschrank, weil vielleicht Monate später die Prophezeiungen eintreffen könnten und ich dann eine Zuordnung vornehmen könnte. Schließlich bestätigte mir die Kellnerin, dass es nicht üblich ist, dass ein Glückskeks zwei Sprüche beinhaltet. „Sie haben ja ein Glück!“ Sagte ich das nicht schon vor zwei Wochen? Es musste also irgendetwas zu bedeuten haben. So wie ein Suchbild  – Die ersten drei Worte, die du hier findest, bestimmen dein Jahr 2017! – die Worte Arbeit, Wohnung und Habichschonvergessen hervor brachte. Das ist wie bei Horoskopen: die sagen Alles und Nichts aus. Das ist der Barnum-Effekt.

Heute ordne ich zu! Man wollte mich nicht mehr – nicht ausreichend qualifiziert und außerdem Quertreiberin mit großer Klappe. Zusätzlich musste ich mir später anhören, hier habe sich aber irgend jemand stark parfümiert. (Nur sie und ich waren in dem Gang, als sie das sagte.) Da ich jeweils nur einmal Pffft und nicht etwa Pffft Pffft Pffft mache, reagierte ich darauf nur mit „Finden Sie? Ich merke nichts.“ Aber meine Nägel sind ja auch zu rot und meine Schuhe zu hoch. Dies jedenfalls aus der Perspektive einer Frau (jünger als ich), die so attraktiv ist wie ein Stück Treibholz: Kann man urig finden und sich darum als Deko ins Bad legen. Kurz darauf wandert es in den Keller und wird irgendwann verfeuert.

Das also war Punkt „Arbeit“. Halt, es geht ja noch weiter! Erwähnte ich neulich, dass Krise und Veränderung auch eine Verbesserung nach sich ziehen kann? Das nämlich habe ich heute erfahren! Ich bin ein Glückskind und bekomme ohne jegliche Anstrengung und weitere Verzweiflung die nächste Chance. Durch eine „Einladung an einen Ort der Freude.“ Mit anderen Worten: Ich kehre zurück dorthin, wo ich schon einmal war. Wo ich mich zuhause fühle. Wo ich geschätzt werde und mehr als willkommen bin. Alle sind glücklich. Am allermeisten ich.

Bevor also in den nächsten drei Monaten noch mehr persönliche Spitzfindigkeiten den Besitzer wechseln und auch meine Handtasche oder die Länge meiner Röcke nicht mehr angemessen erscheinen, kündige ich. Und wir müssen uns nur noch zwei Monate abzüglich Urlaub und Überstundenabbau ertragen. Himmel, wird das ein Spaß morgen!

Jetzt warte ich auf „Wohnung“ und „kürzer treten“.

Ja, die Hormone.

„Tun Sie mir den Gefallen: Gehen Sie gleich raus in die Sonne, sonst werden Sie mir noch krank. Ich muss Ihnen nicht erklären, was die Hormone mit uns anstellen.“

Das war Donnerstag. Sie hatte Recht. Es tat mir gut, lichtete die Dunkelheit in mir.

Freitag und Samstag ging es mir richtig gut. Es war klar: ich werde kämpfen! Denn so geht das nicht – nicht in unserem Haus und erst dreimal nicht in unserer Abteilung! Da hat sich jemand zu weit aus dem Fenster gelehnt. Ich redete weiterhin mit mir selbst und klärte mich, schmiedete Pläne, an welche Personen und Gremien ich mich wenden würde, wem ich mailen würde, was ich vorbringen und fragen würde. Der Nebel verschwand, und ich war wieder klar, gefasst, positiv gestimmt.

Heute Früh wache ich auf. Hell. Das Handy liegt neben meinem Bett, weil ich es auch immer als Wecker nutze. Meeresrauschen weckt mich dann. Ansonsten ist es ständig stumm und kann darum auch nicht meinen Schlaf stören, der in der Regel sehr tief ist. Viertel vor 8. Also wanke ich in die Küche, nehme meine Tabletten, setze Kaffee auf. Gehe ins Wohnzimmer. Viertel vor 7. Dies ist eine Funkuhr. Gehe wieder in die Küche. Schaue noch einmal auf die Wohnzimmeruhr. Aber… Notebook sagt auch „Viertel vor 8“. Hab ich denn in den letzten Jahren mein Handy und das Notebook umstellen müssen bei der Zeitumstellung?

Verwirrung. Die Wohnzimmeruhr läuft doch. Habe ich die mal umstellen müssen? Was ist da passiert? Muss ich die Batterie wechseln? Verwirrung. Die Hormone, das merke ich am fiesen Ziehen im Unterleib. Heute ist also kein guter Tag, um klar zu denken und Entscheidungen zu treffen.

Alles wiederholt sich

Hab ich es mit dem letzten Beitrag herbei geschrieen? Herbei geschrieben? Ich gehöre nicht zu den Menschen, die wirklich daran glauben, dass auf gute Zeiten unweigerlich schlechte folgen müssen.

Umso mehr frage ich mich heute, was mit mir verkehrt ist. Zweifle an mir, ob ich so verkorkst-rebellisch-anti Autoritäten-von der Vergangenheit gebrannt bin, dass ich das Maß verloren habe.

Ich habe Kopfschmerzen vom Rotz und von der Wut. Von der Enttäuschung. Und ich weiß, dass es mir heute scheiße gehen darf, das hat die Ärztin mir bestätigt. Ich weiß, dass es normal ist, heute zu zweifeln, mich selbst zu bemitleiden, und genauso weiß ich auch aus früheren Krisen, dass alles wieder gut werden wird. Vielleicht sogar besser. Das bewies mir meine Vergangenheit: „Am Ende ist alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Vorhin im Auto, noch heulend und zitternd, sagte ich mir laut: „Ich bin ein Glückskind! Mir wird etwas widerfahren, so dass alles gut wird!“

Aber jetzt im Moment sind die Zweifel da. Das Zögern, ob das und das und das was für mich wäre. Überall finde ich ein ABER, ich sehe heute vor allem meine Grenzen. Das ist normal, das ist ok. Ich muss das aushalten. Und dennoch muss ich loslassen, rauslassen, reden. Das tu ich seit Stunden. Mit Freunden, ehemaligen Kollegen, vor allem mit mir selbst. Ich habe bereits Stichworte für folgende Gespräche notiert, um all das Gute und Richtige, was in meinem Kopf herum schwirrt, bei all der Verwirrung nicht wieder zu verlieren. Der Spaziergang um den See und das Sitzen auf der Bank in der Sonne haben mir gut getan. Aber da sitzt immer noch so viel fest, darum tut mir ja der Kopf so weh. Ich hasse es. In den letzten Jahren habe ich mich vor genau dieser Situation schützen wollen, konnte sie aber nicht verhindern. Momentan grüble ich sogar eher darüber nach, ob ich nicht im Sinne einer Selbsterfüllenden Prophezeiung das Geschehene forciert habe (s.o. rebellisch…)

Mit einem kann ich heute nicht reden. Ich könnte, aber ich will nicht. Das letzte, was ich gebrauchen kann, sind Weisheiten und Erfahrungen aus seiner Perspektive. Lösungsorientiert. Generalisierungen aus Erlebnissen, die sich nicht im Geringsten auf meine Situation übertragen lassen. Ich würde ungerecht werden in meiner jetzigen Stimmung, darum spare ich es mir lieber gleich und bleibe für mich. Rede mit mir. Mit diesem Monitor. Lasse raus, sortiere, leide.

(Und – oh Wunder – er versteht es nicht.“Manchmal muss man eine Hürde überwinden, damit man Erleichterung finden kann.“ GENAU SOLCHE Ratschläge kann ich gerade NICHT gebrauchen!)

Verzeihen muss ich irgendwann. Heute fühlt es sich noch unmöglich an, heute möchte ich lieber eine Voodoo-Puppe basteln. Immerhin habe ich ein kleines bisschen einer anderen Frau verziehen, indem ich sie heute angerufen habe. Aber irgendwie fühlte es sich nicht so erleichternd an, wie ich gehofft hatte.

Erst einmal drüber schlafen. Morgen ist ein neuer Tag.