Schon 2800 km

Das ist weiter als mein Weg, den ich nächsten Sonntag für den Urlaub auf mich nehmen werde. Luftlinie, versteht sich. Den Rückflug nicht mitgerechnet.

Er kam wieder mit der Bahn, weil er kurzfristig umdisponieren musste. Als ich ihm schrieb, dass er Piep sagen solle, wenn er ankommt, weil ich ihn dann in die Tiefgarage lassen würde, meinte er, er bedürfe keines TG-Platzes. „Warum? Kommst du mit dem Fahrrad?“ Langer Rede kurzer Sinn: er wollte nicht, dass ich ihm vom Bahnhof abhole, darum hatte er mir das nicht mitgeteilt. Typisch für ihn: Nur keine Umstände machen, nicht zur Last fallen, besser unsichtbar sein. So unsichtbar, wie er sich seit vielen Monaten auch in seinem Alltag machte, sich zurückzog. Aus Angst vor Zurückweisung. Aber dieses Spiel mache ich nicht mit, erst recht nicht, wenn er bei mir willkommen ist und auch ich mich auf ihn und seine Nähe freue!

Blumen in die Vase stellen. Geschenke entgegen nehmen, die er für nötig hielt, um eine Daseinsberechtigung für sich selbst zu erzeugen. Dann demonstrierte ich ihm seine wahre Daseinsberechtigung…

An der Hand ins Schlafzimmer ziehen. Mich und ihn ausziehen. Ihn über mich ziehen. Ihn in mich ziehen. Ganz einfach. Nah sein, ganz nah, wie vorher geplant, bestätigt und für richtig befunden. So lange so nah und so eng, wie wir es aushielten.

Der Rest des Wochenendes war Essen gehen, Händchen halten, Nähe und Enge und Schwitzen, duschen, wieder Essen gehen, Stadtführung, im Café sitzen, uns unserer Nähe erfreuen, wieder Essen gehen, Nähe und Enge und etwas weniger Schwitzen, zweimalig nebeneinander einschlafen und wieder zusammen aufwachen, Morgensex, zum Bus bringen.

Er stellt mich auf ein Podest. Ich bin sein „Juwel“, „das das Sonnenlicht in den herrlichsten Farben bricht“. „Natürlich glaube ich zu wissen, dass zuviel Pathos in der Poesie bei dir kaum verfängt.“ Solange ich auf diesem Podest stehe, können wir keine Augenhöhe haben. Aber nah und schön war es trotzdem, und er hat mir sehr gut getan.

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Be-zieh-ung

Sagte ich nicht schon einmal, dass es nicht die eine „richtige“ Beziehungsform in punkto Partnerschaften gibt? Viele gibt es, von mir jetzt einmal grob überschlagen. Aber was genau ist denn überhaupt eine Beziehung, was macht sie aus?

Es ist eine Verbindung, trara! (Das weiß ich auch ohne Wikipedia, habe mich aber vorsichtshalber rückversichert.) Dass eine Beziehung nicht nur auf Partnerschaften beschränkt sein muss, erwähne ich hier am Rande, alles will ich gerade gar nicht unter einen Hut bringen. Aber was macht denn eine Ver-bind-ung aus?

Richtig, etwas, das zwischen (wenigstens) zwei Menschen ver-bindet. Das kann Vieles sein: räumliche Nähe, gleiche Interessen, gleiche Denk- oder Arbeitsinhalte etc. pp. Auch das führt für meine Zwecke gerade zu weit, um es erschöpfend aufzulisten. Und wie sieht nun diese Art der Verbindung aus?

Da hätten wir zum Beispiel den Klettverschluss. Pappt zusammen. Eng. Dazwischen passt kaum Luft. Da hakt sich etwas zusammen. Ich behaupte mal frech, dass wenn sich ein Klettverschluss löst, sich ein Gefühl der Freiheit und Erleichterung einstellt. Der Klettverschluss ist auch nicht sehr langlebig, denn bei jedem Lösen kommen Fussel dazwischen, welche die Verbindung auf Dauer weniger stabil machen.

Dann wäre da Klebstoff. Hält. Pappt auch. Keine Luft dazwischen. Kann man mögen, muss man aber nicht. Riecht auch nicht so schön.

Eine Eisenstange. Die hält sicher, da geht nichts dazwischen. Kann nach langer Zeit brechen, das sagte schon Drafi Deutscher, aber vorher ist sie echt stabil. Wenig flexibel, und wenn sich der eine bewegt, muss sich der andere zwangläufig in die gleiche Richtung mit bewegen. In verschiedene Richtungen geht da gar nicht. Da muss man sich schon sehr einig sein.

Das Seil. Je nachdem, ob das Seil am Fuß oder am Arm oder am Kopf befestigt ist, hat man unterschiedliche Bewegungsfreiheit. Je nach Dicke des Seiles sehr stabil, ein bisschen starr aber noch. Die Länge des Seiles macht da einen großen Teil der Bewegungsfreiheit aus. Wenn man das Seil durchschneidet, ist es zerfranst. Das lässt sich nicht mehr flicken, ohne dass es an der gleichen Stelle wieder reißt.

Magnete. Sind sie weiter voneinander entfernt, dann haben sie keine Kraft aufeinander. Aber wenn sich der eine annähert, und der andere hat die richtige Polung, dann – flupppp! – hängen die beiden aneinander. Eng. Können sich aber auch wieder voneinander lösen. Wenn man das nicht zu oft macht, dann lässt die Anziehungskraft auch nicht nach. Es sei denn, man entfernt sich zu weit voneinander. Eine Verbindung und Beziehung, die man ihnen nicht ansieht, wenn nur der eine anwesend ist. Magnete können auch an anderen andocken, die die richtige Polung haben. Großartige Sache, das!

Das Gummiband. Finde ich persönlich super, weil es flexibel ist und auch unterschiedliches Tempo und Richtungen aushält. Und: wenn der eine sich weg bewegt, zieht es dennoch wieder zurück. Womit wir wieder bei Be-zieh-ung wären. Wenn beide sich gar nicht bewegen, wird das Gummi zu Klebstoff: es peckt, wird unflexibel. Was aber, wenn sich beide immer wieder weit weg bewegen, zurück gezogen werden, sich wieder weg bewegen, das über Jahre, und das Gummi ausleiert? Dann hat es keine Spannkraft mehr. Dann gibt es eine Ver-bind-ung, aber keine Be-zieh-ung mehr. Was macht man da? Neues Gummi einsetzen und es besser pflegen? Geht das überhaupt?

 

Kreislauf!

Hello. So beginnt Nils immer. Im Chat, per Mail, per Whatsapp. Nicht, dass er englische Wurzeln hätte, aber ein „hallo“ wäre zu normal, und er braucht den Auftritt. Er hat mir mal erzählt, dass er sich morgens vor den Spiegel stellt und diesem „Du bist der Geilste!“ sagt. Hervorragende Selbstsuggestion! Nils ist eher durchschnittlich, optisch wie beruflich, aber das spielt ja keine Rolle, weder für ihn selbst, noch für die Menschen, die ihn mögen. Und dazu gehöre ich. Nils hat ein gesundes Selbstbewusstsein, ohne ein Poser oder ein Arschloch zu sein. Er eignet sich als Coverer, als Stecher, als Freund, als Umzugshelfer (inklusive schleppen, alles die Treppen hochtragen und den Transporter in enge Winkel fahren), als Freund und Inspiration.

Er lockte mich mit einer Massage. Zu einem Kennenlernen bei ihm, an einem Sonntagmittag. Wir tranken einen Kaffee zusammen in seiner Küche, erzählten uns ein wenig über uns, kamen ins Knutschen, und kurze Zeit später lag ich auf seinem Bett, er drückte mir die Beine auf den Bauch und rummste mich derart in die Matratze, dass einem schwindelig werden konnte. Das Lustigste an unseren Begegnungen war immer, dass ER derjenige war, dem am Ende schwindelig wurde! „Kreislauf, Kreislauf!“ hechelte er, wenn er gekommen war. Herrlich.

Nils ist ehrlich und direkt, das schätze ich an ihm am meisten. Der Umstand, dass er mir eine Massage in Aussicht stellte, war auch nicht gelogen. Denn was konnte er denn dafür, dass ich unter Massage die Bearbeitung von Rücken und Nacken verstand, er aber die Titten meinte.

Mit Nils verbrachte ich tolle Stunden. Er war verlässlich, ein wenig berechenbar, aber vertrauenswürdig, und er sorgte sich um mein Wohl. Wenn wir uns für den Club verabredeten und ich ihn abholte, dann begrüßte er mich frisch geduscht und mit seinem Bademantel bekleidet an der Tür und rummste mich erstmal in sein Sofa. „So, jetzt geht’s erstmal.“ Im Club selbst war er dann entspannt genug, um zuzuschauen, wie ich von anderen gefickt wurde, er reichte Kondome, er passte auf, weil ich hinten keine Augen habe, er holte die Kerle ran, feuerte sie an und sagte ihnen, was die kleine Schlampe braucht. Nils war ein Gönner, ein Voyeur, ein Wifesharer. Und wenn ich ihn nach Hause brachte, rummste er mich noch durch. „Kreislauf!“

Nils stellte zweimalig seine Wohnung zur Verfügung, legte Matratzen in sein Wohnzimmer, ich besorgte Getränke und eine Kleinigkeit zum Essen, und dann machte er Fotos oder filmte, wenn ich von anderen gefickt wurde. Zwischendurch saßen wir alle zusammen und quatschten über Gott und die Welt. Und wenn die anderen verabschiedet waren, dann rummste er mich noch einmal durch. „Kreislauf!“ Morgens zum Kaffee gab es einen kleinen Joint, wir philosophierten über unser Leben und freuten uns, dass wir uns kannten.

Eines Morgens stand er vor der Terrassentür. Er muss gewartet haben, bis das andere Auto losgefahren war. Ich ließ ihn stirnrunzelnd rein, er schmiss mich auf den Küchentisch und nagelte mich einfach durch. „Jetzt kann ich zur Arbeit fahren. Und wisch das weg, da ist es nass geworden.“

Eines späten Abends – ich hatte gerade Besuch von jemand ganz Speziellem – klingelte mein Handy, und Nils rief an. Der andere, der mich gerade fickte, meinte „Geh ran!“ Und so ging ich ran, und Nils hörte an meiner Stimme, dass „ich habe gerade Besuch“ auch „IN meiner Möse“ beinhaltete. Die beiden passten insofern zusammen, als auch Nils genauso reagiert hätte (geh ran!), um den anderen zuhören zu lassen. Darum bin ich mir ganz sicher, dass beide ihren besonderen Spaß daran hatten, wussten sie doch beide, wie es sich anfühlt, in mir zu sein und wollten jeden anderen daran teilhaben lassen. Lust verdreifacht.

Es kam auch vor, dass er mich im Bademantel empfing, mir gleich die Augenbinde umband, mich zum Bett führte und mir dort die Brüste abband. Dann wurden Wäscheklammern an exponierten Stellen befestigt, und er fickte mich. Wenn ich Einwände nannte, hörte ich „Das wird schon gehen.“ Und es ging natürlich. Eines Tages spürte ich, dass er versuchte, etwas in mich hinein zu schieben, was dann letztlich aber doch nicht in mich wollte. Und währenddessen fragte ich mich, ob er mit dem Flaschenboden zuerst zu schrauben versuchte. Nachdem die Augenbinde weg war und ich das Teil in die Hand nahm („was zum Geier ist denn das?“), meinte er, seine Lavalampe sei herunter gefallen, und als er das Glasinnenleben in der Hand hielt, um es wegzuwerfen, drehte er es ein paarmal in der Hand und dachte „Luder!“ Er liebte es, mit mir zu experimentieren, war ich doch recht willig, dabei mitzumachen. Gegenstände und Gemüse in den Anus, dann Fotos davon knipsen. Eine lustige Zeit war das!

Und da er ums Eck wohnte, trafen wir uns auch regelmäßig. Dann zog erst ich weg, später er. Jetzt trennen uns zwar trotzdem nur 35 km, aber bis auf einen kurzen Besuch mit schlechtem Timing vor 2 Jahren schreiben wir uns nur noch und finden keine gemeinsame Zeit. Meine Bindung an den besonderen Mann an meiner Seite trug sicher auch dazu bei, dass Nils in den Hintergrund trat. An jenem Tag vor 2 Jahren stand er vor der Tür, kurz bevor ich Familienbesuch erwartete und klar Schiff machen musste. „Bück dich nicht so, sonst werd‘ ich rattig“, meinte er. Er würde aber auch rattig, wenn ich dies oder das tu – solange ich greifbar und er geil wie immer ist, kann ich nackt sein oder einen Sack tragen, denn dann will er mich über den Küchentisch beugen. Und während ich das schreibe, merke ich, dass ich ihm sofort mal eine Nachricht schicken muss, damit wir uns in Kürze endlich wieder sehen.

Matze

Als ich Matze kennen lernte, hatte ich viel Tagesfreizeit. Das nennt man so, wenn man keine Verpflichtungen hat und zuhause rumsitzen darf. Das machte mich sehr flexibel. Matze dagegen war nicht so flexibel: in viel freier Zeit an seine Wohnung gefesselt, weil er immer Bereitschaft hatte. Und ja, Matze war immer bereit. Auch bereit, mich zu empfangen.

Kaum war ich durch seine Wohnungstür, drückte er mich gegenüber an den Türrahmen, schob mir den Rock hoch, schob mir den String zur Seite und zwei Finger in die Möse. Kurze Zeit später schob er mir schon den Schwanz hinein. Erwähnte ich „bereit“? Mich machte vor allem die Dicke an, die zu der Zeit neu für mich war. Weil der Türrahmen aber für die Art Stöße, die wir beide wollten, zu unbequem war, schob er mich durch den Rahmen zum Bett. Warf mich hinauf, schob wieder den Schwanz rein, bis das Gummi Blasen warf und wechselte dann frech das Loch. Und während ich in dem Moment noch gedanklich aufschrie „nicht so schnell, der ist zu dick!“ war ich gleichzeitig überrascht, wie leicht und ohne diesen bösen Schmerz an der Schwelle er hinein glitt. All das dauerte keine Viertelstunde, da war die erste Pause angesagt. Welche aber auch nicht lange dauerte, weil wir beide ungeheuerlich heiß aufeinander waren. So heiß, dass ich mich sogar dazu hinreißen ließ, mich über ihn zu stülpen und ihn entgegen meiner Natur so zu ficken, dass trotz des dicken Schwanzes in mir ein Schwall an Flüssigkeit auf seinen Bauch spritze. Nie vergesse ich sein Gesicht dabei: dieses ungläubige und überraschte und hoch erfreute Strahlen, das ihn seine Augen aufreißen ließ. Dieses typische Gesicht, das ich immer wieder als seinen Spiegel meiner Lust erlebte, macht Matze zu jemandem, den ich immer gerne wieder treffe.

Auch dann, wenn ich umziehe und er mir netterweise einen Stapel kleiner, aber stabiler Kartons mitbringt, weil Bücher in Bananenkisten keine gute Idee sind. Noch immer bin ich ihm dankbar für diese 12 Kartons. Und dafür, dass er bei diesem kurzen Besuch in meinem Arbeitszimmer mal eben über mich herfällt, da ich ja sturmfreie Bude habe. Ein Herzchen, der Matze. Er weiß, was ich brauche.

Auch bei mir zuhause, schräg auf dem Bett, weil wir uns nie die Zeit nehmen, nach dem Betreten der Wohnung seinerseits Worte zu wechseln, sondern gleich die Position des geringsten Widerstandes seiner Finger einzunehmen, zeigt er dieses Gesicht. Seine Freude, meine fast blitzartig eintretende Nässe zu spüren und dadurch ohne Mühe die Hand in mir versenken zu können, ist ihm ins Gesicht geschrieben. Süß, dass er immer wieder so überrascht scheint, als wäre es das erste Mal, dass ich so reagiere. Scheint aber so zu sein, dass ich die einzige ihm bekannte Frau bin, die so unsäglich willig ist. Er genießt einfach, Teil dieser Lust zu sein.

Als ich in seiner Stadt im Krankenhaus festsitze und vor lauter Stress nicht daran denke, mir einfach ein Taxi zu meinem Auto zu nehmen und damit nach Hause zu fahren, kommt er natürlich in die Notaufnahme. „Was machst du denn für Sachen?“ murmelt er immer und immer wieder. Tröstet mich, scheint aber sogar besorgter zu sein als ich selbst. Das ist ein Freund ja, nicht nur ein Fickpartner. Er fährt mich nach Hause, plaudert auf dem Weg mit mir über meine Beziehung, setzt mich heile zuhause auf dem Sofa ab und drückt mich dann noch ein wenig mit dem Gesicht in die Sofakissen. Ein Schatz, der Matze. Stressabbau für uns beide.

Ein paar Monate später, wieder in dem Krankenhaus, diesmal geplant. Drei Tage lang fremdbestimmt darauf warten, dass ich von Abteilung zu Abteilung geschickt werde. Was liegt da näher, als sich auf einen Kaffee mit ihm zu treffen. Aber er sagt ab wegen eines Schnupfens. Wegen eines Schnupfens! Alter, wenn du nicht kommen willst, dann sei doch ehrlich zu mir! Nun, ich nahm es ihm übel. Aber ich hörte dann auch nur per Mail von ihm, und meinen Sarkasmus wegen des Schnupfens begriff er offenbar gar nicht. Hat mich gewundert, auch neulich wieder, wie begriffsstutzig er sich manchmal zeigt. Es sei ihm verziehen, er ist ein prima Kerl.

Neulich also, als ich weich war, war er wieder da. Plötzlich im Postfach. Der Matze kann sich nämlich nicht so gut entscheiden, ob er da oder weg sein will. Er ist das Paradebeispiel für Leute, die ihren Beziehungsstatus bei Facebook auf „Es ist kompliziert“ stellen. Wenn er das denn kommunizieren würde, denn er hat da kein so großes Sendungsbewusstsein. Jedenfalls war ich weich genug, um ihn ob der alten Zeiten willen auf einen Kaffee einzuladen. Es dauerte zwei Wochen, bis wir uns da einig waren, und dann dauerte es nur noch eine Stunde, bis er durch die Tür kam. Quatschen, sich auf den neuesten Stand bringen, meine Erläuterungen ignorieren, dass man über Beziehungskonzepte reden sollte, statt sich immer weiter reinzureiten, dann wieder Luders Gesicht in die Kissen drücken. Schnell noch ein Shirt unterlegen, um das Sofa nicht zu versauen, weil das auch als Gästeschlafcouch dient, ansonsten: wie in alten Zeiten.

Gerade ist er wieder weg. Nächsten Monat ist er sicher wieder da.

 

Mal laut gedacht.

Vor ein paar Minuten: Ich komme mit einem frisch erstandenen Shirt in der Tasche aus dem Geschäft. Die Tasche trage ich immer wie auf dem Foto, um sie nicht nur einseitig auf der Schulter zu tragen. Zugegeben, es ist eine andere Tasche gewesen, etwas größer, etwas voller, aber die wollte ich nicht so gerne abbilden. Ein Freund sagte mal zu mir: „Du solltest deine Tasche immer so tragen, das betont deine Brüste.“ -„Was glaubste, warum ich das so mache?“

402

 

Steigt da eine Frau auf ihr Fahrrad, vielleicht so alt wie ich, das ist wegen ihrer Sonnenbrille nicht gut zu erkennen. Während sie an mir vorbei fährt, sagt sie laut:

„Ich hätt’s ja noch enger gekauft. Mannmann.“

Und war in der nächsten Sekunde um die Ecke.

Das war aber ironisch gemeint. Vielleicht gar sarkastisch. Ich hab ein Feeling für sowas. Und zufällig habe ich mal aufgeschnappt, dass Ironie und Sarkasmus eigentlich verkleiden, dass man etwas anderes ausdrücken möchte, als das wörtlich Gesagte.

Was also will diese Frau ausdrücken?

  1. Ich find‘ Bodyshaming generell super und bringe das an den Mann oder die Frau, so oft ich kann und will. Hätt‘ ich auch gemacht, wenn du total dürr oder anderweitig hässlich aus meiner Sicht wärst, aber übergewichtige Menschen haben das besonders verdient.
  2. Wenn du schon so fett bist, dann kleide dich gefälligst in Säcken. Sieht zwar auch scheiße aus, und jeder sieht dann, dass du was darunter verbirgst, aber…. Ich weiß auch nicht, warum.
  3. Wenn du schon große Brüste haben musst, dann zeig‘ sie wenigstens nicht. Das gehört sich einfach nicht.
  4. Bei dem heißen Wetter bin ich schlecht drauf, und du hast nicht einmal Schweißflecken unter den Armen. Das lass ich dich spüren.
  5. Mein Ex hat mich wegen einer Frau wie dir verlassen, obwohl ich so schlank und sportlich bin, und darum bist auch du irgendwie Schuld daran.
  6. Ich hätte auch gerne so große Brüste und bin darum frustriert.
  7. Ich wäre auch gerne so selbstbewusst, dass ich trotz gewisser körperlicher Mängel anziehe, was mir gefällt.
  8. Generell kritisiere ich gerne an Menschen herum, traue mich aber nicht, das in einer offenen Auseinandersetzung auszutragen, sondern mache mich immer schnell aus dem Staub. Alternativ tu ich das auch anonym im Internet.
  9. Ich hatte schon lange keinen Sex mehr und bin darum frustriert.
  10. Ich habe seit langem nur noch schlechten Sex und bin darum frustriert.
  11. Mein Chef ist ein Arsch, ich schaff nicht, was ich schaffen will, meine Kinder sind verhaltensauffällig, die Schuhe, die ich anprobiert habe, passten mir nicht, und ich bin darum frustriert.

Weitere Vorschläge?

Wieso eigentlich nicht?

Der junge Mann mit den unglaublich empfindlichen Brustwarzen war gerade da. Zweieinhalb Stunden. 27 Grad im Schlafzimmer. Treffsicherer Griff seiner rechten Hand, mehrfach. Schweiß. Mösensaft. Squirtingflüssigkeit. Ein sehr geiler, nasser, befriedigender, leidenschaftlicher Abend.

Er möchte duschen. Natürlich wird es ihm gewährt, einfach weil es erfrischend ist. Und obwohl er als Begründung sagt: „Ich muss ja gleich noch Bus fahren, und ich möchte nicht, dass die anderen gleich riechen, was ich gemacht habe.“

Vornehm geht die Welt zugrunde.

Ich sitze lieber noch mit durchgevögelter „Frisur“, schwitzig und mit durch Nässe schrumpeligen Fingern da und genieße den Duft.

Stoff

Lauter alte Bekannte geben Stoff. Nicht in Form illegaler Drogen, noch nicht alle in Form körperlicher Höchstleistungen, sondern in Form von Geschichtenstoff. Vor allem erinnern sie mich daran, wie es mit ihnen begann.

Als ich neulich in der Krise steckte, haben sich gleich mehrere Männer, die ich seit Jahren kenne, nach langer Zeit wieder bei mir gemeldet. Und diesmal war ich empfänglich, weil weich. Derjenige, der sich über meine Massageliege freute, drückte es so aus: „Du wirktest in der Zwischenzeit sehr gestresst und eingebunden.“ Aus meiner Sicht war es vielmehr so, dass ich neuen Kontakten oft den Vorzug gegenüber den alten gab. Weil spannender, aufregender, neuer, frischer, unbekannter. Was insofern ziemlich dämlich von mir war, als ich schließlich sorgsam und oft akribisch auswählte, um die richtigen kennen zu lernen, um sie dann nach ein oder zwei Treffen nicht mehr zu pflegen. Manchmal wurde ich abweisend, wenn sie mir zu sehr auf die Pelle rückten, wenn sie auch damit nur weiterhin ihr Interesse an mir signalisierten. Eigentlich war ich also eine Zeit lang eine oberflächliche Zicke, die ihnen unrecht tat und sie damit zu weit links liegen ließ, obwohl sie rechts liegen sollten/recht/richtig für mich waren!

Umso besser also, wenn die Herren sich davon nicht beirren lassen und hartnäckig dran bleiben, dann zeigen sie wieder einmal, wie wertvoll sie sind. So wie der liebevolle Masseur, mit dem ich stundenlang über Dies und Jenes sprechen konnte und kann. Wir werden den Kontakt nicht mehr abreißen lassen.

Damals, vor etwa vier Jahren, fühlte er sich von meinem Nicknamen angezogen. Ich weiß sehr wohl, warum ich diesen Namen wählte, nämlich um damit eine gewisse Passung durch Literatur und Humor vorzufiltern. Er sprang an, ich sprang an, wir trafen uns zweimalig. Blieben schriftlich in Kontakt, da er aus familiären Gründen nicht immer so konnte, wie er wollte. Und ich bin die Letzte, die Männern hinterher steigt und dadurch Probleme in ihrem Alltag schafft. Nein, ich kann dann loslassen, da sie mich nicht brauchen. Wenn sie auch ohne mich glücklich sind, ist alles in Butter.

Der mit dem Ledersofa, vom dem ich wenigstens indirekt wusste, dass er seine außerhäusigen Aktivitäten aus gutem Grund einstampfte, flackerte auch einen kurzen Moment auf. Allerdings war für mich keineswegs überzeugend, dass er das Band zwischen uns ernsthaft ölen wollte. Weiß der Himmel, was ihn veranlasste, mir zu schreiben.

Dann jener, der mein erstes Hoteldate war. Ui, aufregend, einfach durch den Eingang und in den Fahrstuhl, weil ich die Zimmernummer wusste. Das fühlte sich irgendwie verboten an. Drei Male haben wir uns insgesamt getroffen, das letzte Mal vor 5 Jahren. Dann war sein Timing (zu dem er beruflich in meiner Stadt war) immer denkbar schlecht und ich konnte oder wollte nicht spontan sein. Als er mir begeistert vom Analfisting mit einem Date erzählte, bin ich schließlich ganz ausgestiegen. Nichtsdestotrotz werden wir uns bei nächster Gelegenheit wenigstens auf ein Getränk treffen. Um der alten Zeiten willen.

Von den anderen vier Reunions bzw. der Vorgeschichte wird zu einer anderen Zeit berichtet. Hiermit pflege ich wenigstens meinen Stoff, indem ich ihn vorsortiere und den Herren gedanklich die gebührende Aufmerksamkeit schenke.

Schuld

Hinterher. Kuschellaune. Da beginnen manche zu plaudern, die sonst panisch auf Diskretion bedacht sind.

„…und dann haben wir da noch ein Flittchen, die geht gar nicht.“

Ich werde hellhörig. „Was macht denn ein Flittchen aus?“

„Na, die trägt immer so kurze Röcke und hohe Hacken.“

„Ich trage auch oft kurze Röcke und High Heels.“

„Bei dir ist das was anderes.“

„Warum?“

„Die ist über 50, da macht man das einfach nicht.“

„Bis wann darf Frau das denn? Bis 49?“

„Du weißt genau, wie ich das meine!“

Weiß ich eben nicht. Darum frage ich ja. „Ist das alles?“

„Na, der sieht man schon an, dass sie auf Männerfang aus ist.“

„Wie nennst du denn das, was ICH mache?“

„Bei dir ist das was anderes, du machst das ja aus Spaß.“ (UND er hat mir eben Geld gegeben.)

„Und sie nicht?“

„Na, die will den Frauen ihre Männer ausspannen.“

„Schafft sie das denn?“

„Der eine oder andere ist schon auf sie reingefallen.“

„Was bedeutet das? Was ist dann passiert?“

„Hinterher gab es halt Ärger und Gerede.“

„Und daran ist alleine sie schuld?“

„Sie ist doch diejenige, die sich so anzieht und den Männern den Kopf verdreht!“

„Sag mal, wie viel Achtung hast du eigentlich für mich übrig?“

„Du tust doch niemandem weh, da ist alles paletti.“

An dieser Stelle entschied ich, dass es mir die Zeit nicht wert war, ihm seinen Denkfehler vor Augen zu führen. Falsches Setting, fehlendes Einverständnis. Lass ich ihn lieber wieder kommen. Das tut ja niemandem weh. Auch seiner Frau und seinem Kind nicht.

Meine Gebete…

wurden erhöht: Weder unreif noch dämlich! Einfach WOW!

Natürlich konnte ich nicht bis „morgen“, also bis nach dem Schlafen warten. Ich schrieb ihm noch nachts um 1 Uhr. Mich interessieren Regeln wie „erst beim dritten Date Sex“ oder „erst zappeln lassen“ und solches Blabla ohnehin nicht. Aber in diesem Falle konnte ich es noch weniger abwarten, ihm zu schreiben, weil ich so verzaubert war. Und es immer noch bin. Ich fühle etwas ungewohnt Verknalltes, Ungeduldiges, sogar Unsicheres und bin immer noch ein bisschen 15 im Kontakt mit ihm. (Als ich ihm gegenüber so etwas erwähnte, fragte er scherzhaft, ob er sich dann nun wohl strafbar machen würde, wenn er mich bald ficken wollte.) Um dem mal chronologisch vorweg zu greifen: Als ich sah, dass er zwei meiner Nachrichten von gestern bis heute Früh noch nicht gelesen hatte, war ich schon voller Zweifel, ob ich ihm in meinem (mir selbst ungewohnten) Überschwang auf den Wecker gegangen sei und befürchtete, der Beginn einer wundervollen Freundschaft sei bereits das Ende dergleichen.

Der ganze Sonntag war bestimmt von ihm. Nachrichten hin und her. Ein Kennenlernen, Austausch von Informationen, schriftlicher Flirt. Es begann um 10:53 mit einer Frage von ihm und endete 23:56. Über den Anlass meiner Anwesenheit in der Kneipe, seine Tätigkeiten, meine Tätigkeit, sein Alter, dass das Alter aber nur eine Zahl ist (und das kam von ihm! weiser junger Mann!), unsere Vorlieben, Wünsche, den Aufbau von immer mehr Verlangen, je mehr wir feststellten, dass wir harmonierten… Er dankte mir mehrfach, dass ich die Initiative ergriffen hatte, denn er wäre wohl zu schüchtern dafür gewesen. Er begriff mein Beziehungskonzept auf Anhieb, zeigte sich für andere Themen neugierig, ohne dabei sabbernd zu sein und bewies mit jeder Nachricht mehr, dass meine Befürchtungen unberechtigt waren. Auch las ich schon heraus, dass er trotz seines objektiv phantastischen Aussehens unsicher und zurückhaltend ist. Das reizt mich  verrückterweise zusätzlich.

Exkurs – Warum ziehen mich „unvollständige“ Männer an?

Schon vor Monaten, als ich gedanklich und emotional in dieser Chatbeziehung gefangen war, dachte ich darüber nach, meine Gedanken über „kaputte Typen“ aufzuschreiben. In der Zwischenzeit habe ich das „kaputt“ für mich als „unvollständig“ erkannt und eingeordnet. Denn die wirklich kaputten schrecken mich ab, die lehne ich ab und mache einen großen Bogen um sie. Nein, es sind die, die emotional unvollständig sind im Sinne eines Selbstwertmangels, obwohl Menschen um sie herum – mich eingeschlossen – ihnen einen ganz anderen Wert zuschreiben. Dies wäre zusammenzufassen in der Frage: „Was zur Hölle hast du für ein Problem mit dir?“ Als ich „Chöre“ von Mark Forster das erste Mal bewusst hörte, dachte ich die ganze Zeit an jenen Chatter. Als hätte der das Lied für ihn geschrieben. Mit Mr. 700Kilometer geht es mir ähnlich, zumal er um seinen Mangel weiß und sich so sehr dankbar für Korrektur äußert. Strahlemann weiß auch nicht um seine Wirkung, und das weiß ich nun nicht nur aus unseren Nachrichten, sondern auch aus der nachfolgenden persönlichen Begegnung.

Diesen Männern will ich zeigen, dass sie unrecht haben. Ich will sie lehren, dass das, was sie befürchten, mit mir NICHT eintritt. Ich will ihnen korrigierende Erfahrungen bieten. Und vor allem will ich ihnen ein positives Modell im Umgang mit ihnen selbst sein. Ich gebe bedingungslose Wertschätzung und weiß: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Was den Chatter angeht, der weit entfernt ist und die Brücke zu mir hinter sich eingerissen hat, habe ich meine Einschätzung korrigieren müssen. Die Art und Weise, wie er unsere Freundschaft beendet hat, hat mir gezeigt: der ist nicht unvollständig. Der ist tatsächlich kaputt. Mr. 700Kilometer ist zu weit weg, als dass ich ihm lückenlos Modell stehen kann. Aber Strahlemann ist nur wenige Kilometer entfernt, und ich kann ihm so viel mehr geben als nur ein wenig emotionale Korrektur…

Exkurs Ende

So einigten wir uns auf Donnerstag, dann würde ich wieder frisch und frei und offen sein. Irgendwann um 19 Uhr schrieb ich „AUS!“, weil ich dieses Verlangen kaum noch aushalten konnte und ihn so sehr wollte und wollte und wollte, aber nicht sofort haben konnte! Er war so süß, wollte meinen „Ansprüchen gerecht werden“, hat so charmante Dinge geschrieben, die sich dennoch nicht wie Honig um den Bart (Moment, ich hab ja gar keinen) oder Bauchpinselung anfühlten (Bauch hab ich), sondern wirklich ehrlich und authentisch klangen. „Was würdest du davon halten, wenn ich dir ein Bild von meinem Oberkörper schicke, so als Teaser? ;)“, fragte er. Meine Antwort lautete: Bloß nicht, sonst wird meine Ungeduld und meine Qual noch schlimmer! Ich dachte wirklich, ich drehe gleich durch vor Verlangen. Wir sprachen über seine Lieblingsstelle, die selbst herauszufinden ich als Herausforderung verspürte. Er verplapperte sich aber sehr schnell, weil er meinte, dann müsse er sich darauf ja gut vorbereiten. Kurz darauf meinte er, das habe er „seelisch“ gemeint, aber das schien die Wahrheit nicht ganz zu treffen… Auch sonst ließ sich erkennen, dass er zwar relativ unerfahren (langjährige Beziehung, aber eben nur mit einer, und das offenbar seit seinem 17. Lebensjahr), aber mitnichten unschuldig ist.

Ich frage mich gerade, ob ich beim Schreiben auch wie 15 klinge. So verknallt eben.

Es war also schlimm genug, bis Donnerstag warten zu müssen. Aber dann erfolgte eine Wendung.

 

 

Ist das zu fassen? Mein Liebster kommentierte das trocken mit den Worten „Die Welt ist voll von Frauen, die keiner braucht.“ Umso besser meinte es darum das Schicksal mit Strahlemann, als er gerade mit „Mrs. Wer von dir keinen Blowjob hatte, hatte nie einen“, auch „Fräulein 0,1 Prozent“ genannt („Gib dir keine Mühe, ich bin noch nie bei einem Blowjob gekommen….. Oooooooh!“) zu tun hatte. Das Schicksal hat ja auch dafür gesorgt, dass wir uns am Samstag überhaupt begegneten. Denn eigentlich hätte er frei gehabt und wurde nur deshalb vom Kollegen gerufen, weil der überfordert war. Ich war nur deshalb da, weil ich meine Tage hatte, sonst wäre ich gerade von einem Düsseldorfer gefickt worden. Und außerhalb dieses Gruppentreffens wäre ich nur mit gegen Null gehender Wahrscheinlichkeit überhaupt in diese Kneipe gegangen. Wer diese Schicksalstheorie für zu romantisch und unrealistisch hält, müsste mir erstmal dieses Aufeinandertreffen großer Zufälle erklären. Jedenfalls konnte ich ab diesem Augenblick nicht ertragen, ihn noch länger ungeküsst durch die Welt gehen zu lassen!

Die Planung wurde also auf „morgen Abend“ umgeschmissen. Und ich versuchte es weitgehend zu vermeiden, ihn während seiner Session im Fitnessstudio mit einem Dauerständer herum laufen zu lassen. Aber allein seine Gedanken daran, dass er morgen die Frau treffen würde, die sich unbändig darauf freute, seinen Schwanz in den Mund zu nehmen, verhinderte das. Zufällig chattete ich gerade woanders mit einem Freund, von dem demnächst zu berichten sein wird. Als ich ihn an die aktuellen Geschehnisse anschloss und ihm eröffnete, dass und zu welchem Zweck das Schnittchen morgen zu mir kommen würde, grinste er: „Der wird sterben!“

Trotz meiner Erfahrung bin ich nie so abgeklärt, dass ich vor einem Date irgendeiner Art nicht vorfreudig oder aufgeregt bin. Meist stehe ich am Fenster, um das Eintreffen nicht zu verpassen. Sogar nervös habe ich mich schon erlebt, als ich Mr. 700Kilometer abholte. Aber was den ganzen Montag in mir vorging, kam der Hölle schon nah. Weil er als Student mit Mangel an eigenem Auto mit dem Bus anreiste und nicht die günstigste Linie nahm, musste er noch ein Stück laufen, verfranste sich, und ich musste noch länger warten! Ganz ehrlich – ich hatte schon Sorge, dass er aus lauter Suchfrust einfach umdrehen könnte. Als er dann die Treppe hinauf kam und auf meine Tür zuging, hatte ich unglaubliches Herzklopfen. Dann stand er vor mir, ich konnte ihn endlich anfassen, und dann

 

PENG!

 

Gleichzeitig küssend, umarmt haltend und redend. Endlich kann ich dich anfassen… ich konnte es auch nicht erwarten… schön, dass du da bist… schön, dass ich da sein darf… du fühlst dich so gut an… ich will dich… du darfst auch reinkommen… dennoch im Hausflur weiterküssend, mit offener Tür. Ihn küssend reinziehen. Sich von ihm an die Wand drücken lassen. Sich dabei freuen, wie alles intuitiv richtig läuft. Küssend. Haltend. Filmreif. Heiß. Leidenschaftlich. Gleichzeitig beruhigend, weil die Qual ein Ende hat. Verlangen, Geilheit, aber auch mehr als das. Ihn küssend die zwei Meter ins Schlafzimmer bugsieren, ihm dann das Shirt über den Kopf ziehen. Das Küssen unterbrechen, um den Körper zu betrachten. Ich wusste, warum ich vorher kein Foto wollte. Es hätte mich wirklich wahnsinnig gemacht. In diesem Moment schmolz ich. Leckte ihm den feinen Schweiß von der Brust. Küsste die Schultern, den Hals, wieder den hübschen Mund. Schaute ihm in die Augen, während ich ihm die Hose aufknöpfte. Er half dann ungeduldig beim Ausziehen, ich sagte per Hand meinem neuen Freund Hallo und ging wieder in die Knie. Und ja, er starb. Vor Wonne. Nein, erst nur ein kleines bisschen, denn dann schmiss ich ihn aufs Bett, um mich ganz seiner Freude zu widmen. Ab diesem Zeitpunkt sagte er gefühlte 100 Mal in den nächsten 2 Stunden „Oh Gott“, vernahm aber auch, er dürfe mich gerne weiterhin beim Namen nennen. Und ab diesem Zeitpunkt verdrängte er auch jemand anderen von dem Platz mit dem Titel „der sexyeste junge Mann, der je in diesem Bett lag“. Der andere trug ohnehin immer den Beititel „der aber nicht küsste, weil er dies der Frau vorbehielt, die er liebt“. Und Strahlemann küsste! Viel und gut, quasi ununterbrochen. Er hatte viel nachzuholen, wie bereits zu lesen war. Und er genoss! Er genoss meine Lippen, meine Zunge, meine Brüste, meine Lust, meine Hingabe. Ebenso genoss ich, seinen Schwanz, seine Brust, seine Zunge, seinen Mund, seinen Po, den gesamten Körper, das strahlende Lächeln, die blitzenden Augen, das Verdrehen seiner Augen, sein Stöhnen, einfach alles. Er vertraute sich mir an, gab sich hin, hielt mir hin – den Schwanz, den Po, den Hals – und erwies mir die Ehre, die Erste in vielerlei Hinsicht zu sein. Die erste richtige Frau. Die erste, die ihn oral verwöhnte. Die erste, die ihn anal massierte. Die erste, die ihn so wirklich, wirklich, richtig, sehr wollte und von der er nehmen durfte, ohne heute geben zu müssen. Später genoss er das Spiel mit meinen Brüsten, das Erproben der Grenzen, das gegenseitige Streicheln, das Aufeinanderpressen der Haut, meinen Dirty Talk über unser nächstes Treffen und den Umstand, dass ich einfach nicht von seinem Schwanz lassen konnte.

Nach 3 Stunden fuhr ich ihn nach Hause. Den Nachtbus wollte ich ihm ersparen. Lieber noch bis zuletzt mit ihm zusammen sein und ihn während der Fahrt meine Beine streicheln lassen. Sollte es nun tatsächlich so kommen, dass wir uns morgen nicht sehen können, weil er länger arbeiten muss, dann werde ich es überleben. Die erste Qual ist überstanden. Und wir sind uns schon einig, dass wir uns behalten wollen.

 

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Aller guten Dinge sind drei.

Strahlemann hat entweder den Job gewechselt, oder er hat mehrere nebeneinander. Vermutlich letzteres, weil er noch studiert, aber all das werde ich ihn morgen fragen. Er hat mir nämlich seine Nummer gegeben. Als ich da mit anderen zusammen saß, kam er plötzlich mit dem Tablett um die Ecke. Sah mich und strahlte. Und ich fühlte mich wieder wie 15 und dachte diesmal: Ran an den Speck!

Im Verlauf des Abends fragte ich ihn, ob es ein Tabu sei, von Gästinnen angebaggert zu werden. Er verneinte vehement. Später wurde unser Flirt für alle so offensichtlich, dass eine Bekannte schon sagte: Ok, ich lass euch mal alleine… Wir stellten einander vor, es gab eine süße Umarmung von ihm, und als er beim nächsten Mal fragte, ob es noch etwas für uns sein dürfte, antwortete ich: „Deine Nummer.“ Und die habe ich jetzt. Und warte brav bis morgen irgendwann, ihn anzutickern.

Wehe, der ist dämlich. Drückt mir die Daumen, dass er nicht nur schnuckelig ist, sondern auch was in der Birne hat.